Campari geht gegen Aperol-Nachahmer in Bars und Restaurants vor

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Auf ihre Nationalfarben sind die Italiener stolz: Die grün-weiß-rote Trikolore ist im täglichen Leben von früh bis spät omnipräsent. Längst gehört zwischen Südtirol und Sizilien allerdings eine weitere Farbe hinzu, insbesondere am späteren Nachmittag, wenn die Stunde des Aperitivo beginnt: ein leuchtendes Orange. Dann stehen überall die Gläser mit Aperol Spritz auf den Tischen, bei Italienern ebenso wie bei Touristen. 

Das Dolce-Vita-Getränk ist in seiner Heimat seit vielen Jahren die klare Nummer eins, auch wenn zu Beginn jeden Sommers ein neuer Trendcocktail ausgerufen wird: Hugo, Pomello, Select und andere kommen längst nicht an die Beliebtheit von Aperol heran. Und ganz offensichtlich verdienen viele gut damit. In Touristenhochburgen wie Rom, Florenz oder Venedig werden fürs Glas inzwischen bis zu 16 Euro verlangt. Manchen ist die Mischung für einen Bitterlikör zu süß und zu klebrig. Am Erfolg ändert das nichts.

«Treueprogramm» für Bar-Besitzer

Nur, dass vielerorts nicht mehr das Original ausgeschenkt wird. Das hat den Campari-Konzern auf den Plan gerufen, zu dem die Marke gehört. «Wir beobachten, dass Bars und Restaurants orangefarbene Getränke servieren, oft vom Fass, die nicht unbedingt mit Aperol hergestellt werden», klagt der Geschäftsführer der Aperitif-Sparte, Andrea Neri. Deshalb hat der Konzern auf dem besonders umkämpften Heimatmarkt nun erstmals ein «Treueprogramm» für seinen wichtigsten Umsatzbringer (weltweit: 785 Millionen Euro) gestartet.

Nach dem Start in Padua, wo Aperol 1919 von den Brüdern Luigi und Silvio Barbieri erfunden wurde, nehmen mehr als 2.000 Gaststätten an den Programm «Aperol Spritz: L'originale» teil. Die Wirte verbürgen sich, dass in ihrem Aperol Spritz (drei Teile Prosecco, zwei Teile Aperol, ein Teil Sodawasser, dazu Eis und Orangenscheibe) tatsächlich Aperol verwendet wird. Im Gegenzug gibt es Werbematerial, Schulungen für Barkeeper und ein Zertifikat für die Eingangstür. Die genaue Rezeptur aus Bitterorangen und Kräutern bleibt geheim.

Instagram hilft bei Vermarktung weltweit

Der Name Spritz kommt übrigens daher, das österreichische Soldaten im 19. Jahrhundert der Wein in Venetien zu kräftig war, weshalb sie ihn mit Wasser verdünnten - also «spritzten». Das lässt sich auch mit anderem Alkohol machen, aber seit der Übernahme von Aperol durch Campari 2003 ist der Italo-Drink in vielen Ländern zum beliebtesten Aperitif geworden. Auf Fotos, auch bei TikTok und Instagram (Hashtag: #aperolspritz), macht sich das Orange ausgesprochen gut.

Auch in Deutschland hat der Konzern (Gesamtumsatz weltweit: 3,05 Milliarden Euro) mit der Marke großen Erfolg. «Deutschland ist seit vielen Jahren einer der strategisch wichtigsten Märkte für Aperol», sagt Campari-Manager Neri der dpa. «Es war eines der ersten Länder außerhalb Italiens, das das Potenzial des Spritz erkannt hat.» Es gebe jedoch «keine konkreten Ankündigungen bezüglich einer Ausweitung des Treueprogramms» auf Deutschland zu machen.

«Aperbitter» ist nicht erlaubt - «Bitterol» schon

Allerdings geht Campari seit längerem schon auf internationalem Gebiet juristisch gegen einen Missbrauch seiner geschützten Marke vor. So entschied das EU-Amt für geistiges Eigentum, dass ein anderes Bittergetränk nicht «Aperbitter» heißen darf. Nicht verhindern ließ sich, dass die Discounter Aldi, Lidl und Penny mit halb so teuren Eigenmarken wie Apice oder Bitterol auf dem Markt sind. Auch Edeka und Rewe führen preisgünstigere Bitter-Aperitifs im Sortiment, die dem Original auch optisch sehr ähneln.

Campari-Manager Neri sagt dazu lediglich: «Das Vorhandensein von Produkten, die von Aperol inspiriert sind, ist in erster Linie eine Bestätigung für den Erfolg der Kategorie, zu deren Entstehung und Entwicklung wir im Laufe der Jahre beigetragen haben.» Man setze auf die «Markentreue» der Deutschen.

In Italiens Supermärkten billiger als in Deutschland

Für Leute, die Markentreue und Preisbewusstsein miteinander verbinden wollen, gibt es übrigens eine Lösung - zumindest, wenn man den Sommerurlaub in Italien verbringt: Man kann sich Aperol mit nach Hause nehmen. Die Ein-Liter-Flasche (in Italien die Standardgröße) ist in dessen Heimatland in der Regel um einiges billiger.


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