DWI: Klimaerwärmung nutzt dem Wein

| Industrie Industrie

Die anhaltende hochsommerliche Hitze lässt manchen Wein besser schmecken - hat aber auch zunehmend Schattenseiten. «Im Großen und Ganzen überwiegen die positiven Auswirkungen der Klimaerwärmung hierzulande noch die Nachteile für den Weinbau», stellt der Sprecher des Deutschen Weininstituts (DWI), Ernst Büscher, grundsätzlich fest. 

«Im Vergleich zu früheren Jahren erreichen die Trauben heute sehr viel höhere Reifegrade, was letztendlich zu besseren Weinqualitäten geführt hat.» Vor allem Rotweine hätten dank einer höheren Farbintensität und besseren Reifegraden einen deutlichen Qualitätsschub gemacht. 

Winzer sehnen sich nach Regen 

«Aufgrund ihres mediterranen Ursprungs kommen die Reben von Natur aus besser mit der Hitze zurecht als hiesige Kulturpflanzen», erläutert Büscher. Das Wurzelwerk reiche viele Meter tief und ältere Reben hätten sich im Laufe der zunehmend heißen letzten Jahre an die Trockenheit angepasst und wurzelten noch tiefer. 

Dennoch wäre wegen des Wassermangels flächendeckender Landregen für die noch rund drei Wochen bis zum Beginn der Hauptlese jetzt wünschenswert, sagt Büscher. 

«Zu viel Niederschlag auf einmal sollte es allerdings auch nicht sein, sonst könnten sich die Beeren zu schnell mit Wasser füllen und aufplatzen», warnt er. «Dann müsste sofort gelesen werden und man könnte nicht den optimalen Erntezeitpunkt abpassen.» 

Weniger Hitze wäre jetzt für den Wein insgesamt auch besser: Temperaturen von 20 bis 25 Grad und kühle Nächte seien für die Ausreifung aromatischer Trauben ideal. 

Ausblick auf den Jahrgang 2026 

«Dank der trockenen Witterung sind die Trauben im Weinberg in diesem Jahr super gesund», sagt Büscher. Weder der echte noch der falsche Mehltau, der die Winzerinnen und Winzer in feuchteren Jahren vor große Herausforderungen stellt, spielten eine Rolle. 

Die Voraussetzungen für einen fruchtbaren Jahrgang seien somit gegeben. Bis zur Lese könne aber noch einiges passieren. 

Hitze ist vor allem für Riesling ein Problem 

In Jahren wie diesem sei die Erwärmung auch für den Wein «schon fast zu stark», sagt Büscher. Da ist die Gefahr zu reifer Trauben: Weißweine, vor allem der Riesling, könnten dann ihre typische Frische verlieren. 

Mit bestimmten Maßnahmen versuchen Winzer, die Reife zu verzögern. So halten sie etwa die Laubwände in den Weinbergen kürzer, um die Zahl der Blätter zu minimieren, die den Zucker für die Trauben produzieren. So können sie verhindern, dass die Trauben zu schnell zu süß und die Weine zu schwer werden. Oder sie versuchen mit Bäumen zwischen Rebzeilen Schatten herzustellen. 

Weinlese beginnt früher 

Der Lesebeginn rückt zugleich im Kalender weiter nach vorne: Der erste Federweiße soll schon nächste Woche geerntet werden. Noch ein paar Tage früher waren die Winzer 2018 und 2020 dran. 

Trockenstress für junge und alte Rebstöcke 

Insbesondere junge Reben, deren Wurzelsystem noch nicht so ausgebildet ist, leiden unter der Trockenheit. Bewässerung und die Entfernung noch unreifer Trauben können helfen - sind aber aufwendig, wie Büscher sagt. 

Ältere Weinberge, die auf leichteren Böden mit geringer Wasserspeicherkraft wachsen, zeigten mittlerweile aber auch zunehmend Anzeichen von Trockenstress. Dazu gehören schlaff herabhängende oder vergilbte Blätter. 

Weinbau im Norden 

Der Temperaturanstieg hat Weinbau im Norden Deutschlands möglich gemacht. Nach der Liberalisierung der Neunpflanzungen von Weinbergen in der EU 2016, seien in NRW, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein - einschließlich der Nordsee-Inseln Föhr und Sylt - neue Rebflächen genehmigt worden, sagt Büscher. Bis 2026 waren dies rund 250 Hektar. «Aus ihnen dürfen allerdings noch keine Qualitätsweine hergestellt werden.» (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Pressemitteilung

Die 370GRAD Roadshow geht am 27. Oktober 2026 in München in die zweite Runde – mit rund 40 Ausstellern und damit noch einmal größer als bei der Premiere im vergangenen Jahr. In der Design Offices Macherei präsentieren Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Bereichen ihre Produkte, Konzepte und Lösungen für Hotellerie, Gastronomie und Catering.

Weinanbau im Norden wird angesichts steigender Temperaturen immer populärer. Auch in Niedersachsen setzen einige Betriebe vorwiegend auf weiße Trauben - das Wichtigste: Sie müssen pilzresistent sein.

Berentzen Apfelkorn könnte bald aus demselben Haus kommen wie amerikanischer Whiskey. Das US-Schwergewicht Sazerac erwägt ein Übernahmeangebot.

REWE lässt Lebensmittel in vier Städten über Wolt, Uber Eats und Lieferando ausliefern. Die beteiligten Plattformen bauen damit ihr Angebot über klassische Restaurantlieferungen hinaus aus.

Pressemitteilung

Apaleo, die Property Management Plattform, die Hoteliers volle Kontrolle über ihre Technologie gibt, ist eine Partnerschaft mit der EHL Hospitality Business School eingegangen. Als erster offizieller Industriepartner unterstützt Apaleo die Spezialisierung „Human-Centered Digitalization“ im Rahmen des Master's in Hospitality Management (MiHM).

Steigende Kosten und sinkende Nachfrage setzen Winzer unter Druck. Eine neue Prämie soll helfen – und könnte auch die Artenvielfalt fördern. Was sich im Weinbau jetzt ändert.

Der 2026er-Jahrgang gilt wegen des Hitzesommers als vielversprechend. Und die Winzer müssen sich an neue Regeln halten. Die neue Qualitätseinteilung wurde bereits im Jahr 2021 im Rahmen einer Weinrechtsänderung beschlossen.

Pressemitteilung

Das am 24. und 25. November 2026 im Hotel Bristol Berlin stattfindende GreenSign Future Lab liefert Entscheidern aus Hotellerie, Gastronomie und Tourismus konkrete Strategien für betriebliche Zukunftsfragen. Im Zentrum der Konferenz stehen messbare Klimarisiken, bezahlbare Nachhaltigkeit, zukunftsfähige Führung und neue Markttrends wie Longevity.

Pressemitteilung

Die IST-Hochschule für Management und die BIO HOTELS gehen künftig gemeinsame Wege. Im Fokus der Kooperation stehen die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitenden sowie die Förderung qualifizierter Nachwuchskräfte.

Pressemitteilung

Engagierte Arbeitgeber aus Hotellerie und Gastronomie haben in diesem Jahr wieder die Chance auf den Publikumspreis von kununu, dem Hotelverband Deutschland und der Deutschen Hotelakademie. Die Auszeichnung wird im Rahmen des Hospitality HR Summit verliehen und würdigt Unternehmen, die sich durch eine starke Arbeitgebermarke, eine wertschätzende Unternehmenskultur und einen aktiven Dialog mit ihren Mitarbeitenden auszeichnen.