«Es war ein unvergessliches Jahr»: Weinkönigin vor Amtsende

| Industrie Industrie

Von Wolfgang Jung, dpa

Als Monarchin auf Zeit hat Carolin Klöckner mehr als 200 Termine absolviert. Jetzt nimmt die «First Lady des Weins» Abschied. Ihrer Nachfolgerin gibt sie vor allem einen Rat.

Deutschlands Weinkönigin Carolin Klöckner (24) hat kurz vor Ende ihrer Amtszeit ein positives Fazit ihrer einjährigen Regentschaft gezogen. «Anfangs war ich etwas skeptisch, ob ich das alles hinbekomme. Aber wenn ich zurückblicke, war das ein unvergessliches Jahr, in dem ich viel gelernt habe - dafür bin ich sehr dankbar», sagte die «First Lady des Weins» der Deutschen Presse-Agentur. Am Ende ihrer Amtszeit am 27. September werde sie wohl mehr als 200 Termine absolviert haben. «Aber ich bin ein Energiebündel und fühle mich jetzt nicht ausgebrannt oder so. Der Adrenalinkick hat mich immer wieder angespornt», betonte sie.

Die Krone werde sie «mit ganz viel Freude und Euphorie» übergeben, wenn ihre Nachfolgerin Ende September in Neustadt an der Weinstraße (Pfalz) gewählt werde. «Und ich werde ihr den Rat geben: Bleibe dir selbst treu und folge dem, für das du stehst. Lass dich auf das Amt ganz ein. Wenn man zurückblickt, hat jede Weinkönigin es auf ihre Art gemacht», sagte Klöckner. Sie sei froh, dass sie von ihrer Familie stark unterstützt worden sei. «Ob das die Mama ist, mit der man eine geplante Präsentation noch einmal durchgeht. Oder meine Geschwister. Aber ich wollte mich in diesem einen Jahr ganz einbringen.»

Dabei habe das Amt auch Vorrang gehabt vor ihrem Studium der Agrarwissenschaften in Hohenheim bei Stuttgart. «Wenn man diese Rolle annimmt, sollte man es hundertprozentig tun. Aber als nächstes kümmere ich mich um meine Bachelorarbeit. Nach diesem Jahr geht es wohl um etwas aus dem Bereich des Weins», sagte die junge Frau aus Vaihingen (Kreis Ludwigsburg) schmunzelnd.

Was eine Weinkönigin überhaupt mache, diese Frage sei ihr oft gestellt worden. «Interessanterweise nicht im Ausland, wo ich gleich als Fachfrau verstanden wurde, die den deutschem Wein vertritt», erzählte Klöckner. Wenn sie aber geschildert habe, wofür das Amt stehe, sei schnell Akzeptanz da gewesen. «Ich stehe ja nicht rum und lächele nett, sondern versuche, ein Netzwerk für den deutschen Wein aufzubauen. Da ist die Krone oft ein Anlass, ins Gespräch zu kommen. Dabei sind auch persönliche Freundschaften entstanden.»

Rückblickend seien ihre Reisen durch die 13 deutschen Anbaugebiete vielleicht noch interessanter gewesen als die Besuche im Ausland. «Anfangs dachte ich, das vielzitierte Wort der Vielfalt des deutschen Weins sei vor allem ein Marketingbegriff. Aber die Unterschiede bestehen wirklich. Das ist wahnsinnig faszinierend.»

Der Ruf des deutschen Weins im Ausland sei gut, sagte Klöckner. «Ob in Japan, Hongkong oder den USA: Mir sind Menschen begegnet, die sich richtig gut mit deutschem Wein auskennen. Das hat mich schon überrascht. Oft wurde sogar bedauert, dass man in den heimischen Läden so wenig deutschen Wein findet. Also - der Wein ist durchaus angesehen.»

Als 70. Weinkönigin vertrat Klöckner rund 20 000 deutsche Winzer. Bei der Wahl setzte sie sich gegen elf Konkurrentinnen durch, gefragt waren auch Kenntnisse über Weinproduktion und Weinrecht.

Was bleibt? «Ich hätte gerne Tagebuch geführt. Aber ich bin nicht der Typ, der sich abends noch mal hinsetzt und schreibt. Ich habe jedoch viel fotografiert und werde mir ein schönes Album zusammenstellen», sagte die scheidende Weinkönigin. Insgesamt freue sie sich darauf, wieder mit Freunden zusammenzusitzen, ohne dass der nächste Termin drängt. Und - sie darf Alkohol trinken. Bei vielen offiziellen Veranstaltungen habe sie nur mit einem Weinglas dabei gestanden. «Erstens musste ich danach noch Auto fahren, und zweitens hat man eine Vorbildfunktion», meinte Klöckner. Jeder müsse sein Maß kennen. «Ein Problem war das nie, im Gegenteil. Es gab eine große Akzeptanz.»

Zurück

Vielleicht auch interessant

Wein in 0,75-Liter-Mehrwegflaschen: Das System soll auch national ausgerollt werden. Binnen zwölf Monaten peilen die Initiatoren 2,5 bis 3 Millionen Flaschen an – doch der Handel bremst noch.

Der Tag des Deutschen Bieres geht auf das am 23. April 1516 erlassene Reinheitsgebot zurück. Bier ist aber längst kein Selbstläufer mehr. Die schlechte Kauflaune ist nur ein Grund.

Coca-Cola ist ein weltweit agierender Getränkegigant. Im Vergleich dazu sind deutsche Brauereien Zwerge. Das hält sie aber nicht davon ab, dem Riesen die Stirn zu bieten.

Die Bierexporte aus Baden-Württemberg sind im Jahr 2025 deutlich zurückgegangen. Wie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg mitteilt, sank die exportierte Menge um 26,6 Prozent auf über 1,0 Millionen Hektoliter.

Die Bierproduktion in Nordrhein-Westfalen ist 2025 erneut gesunken, während alkoholfreie Varianten weiter zulegen. Neue Daten zeigen deutliche Unterschiede in Entwicklung und Absatzwert.

Die deutschen Prädikatsweingüter spüren die steigenden Kosten von Energie, Löhnen, Glas und Verpackung sowie die Zurückhaltung der Konsumenten. Sie sehen sich dennoch gut aufgestellt.

Der Gewürzhändler Ankerkraut hatte die Mehrheit der Firma zum Ärger vieler Fans 2022 an Nestlé verkauft. Nun verlässt das Hamburger Unternehmen den weltgrößten Lebensmittelkonzern wieder.

Pressemitteilung

Die Deutsche Hotelakademie und wein.plus starten eine Kooperation, um die berufliche Weiterbildung in der Wein-, Gastronomie- und Hospitalitybranche zu fördern. Ziel der Partnerschaft: Fach- und Führungskräften sowie ambitionierten Brancheninteressierten den Zugang zu qualifizierten Weiterbildungen rund um Wein, Gastronomie und Management zu eröffnen.

Unilever Food Solutions hat seinen Future Menus Report 2026 veröffentlicht und erstmals ein KI-gestütztes Tool vorgestellt. Das System soll gastronomische Betriebe bei der Umsetzung aktueller Trends unterstützen.

Mit einem verstärkten Anbau neuer, robuster Rebsorten stellen sich die deutschen Winzerinnen und Winzern zunehmend auf die Herausforderungen des Klimawandels und einen nachhaltigeren Weinbau ein.