Der französische Haushaltsgerätekonzern Groupe SEB plant eine umfassende Umstrukturierung, die den Abbau von weltweit bis zu 2100 Arbeitsplätzen vorsieht. Davon entfallen allein 1400 Stellen auf den europäischen Markt. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Écully mitteilte, sollen durch diese Maßnahmen ab Ende 2027 jährlich rund 200 Millionen Euro eingespart werden. Betroffen von den Kürzungen ist insbesondere die Tochtergesellschaft WMF. Das berichten mehrere Medien gleichlautend.
Standortschließungen und Stellenkürzungen in Deutschland
In Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen bis zu 600 Stellen wegfallen - bei einer Belegschaft von derzeit mehr als 4.400 Beschäftigten. Die Maßnahmen berühren die Verwaltung, die Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten, die Stores sowie Teile der Produktion. Zudem ist geplant, die Fertigung von Kochgeschirr, Backformen und Messern an den Standorten Riedlingen, Hayingen (beide Baden-Württemberg) und Diez (Rheinland-Pfalz) einzustellen und dafür bestehende Strukturen an anderen Standorten zu nutzen.
Wirtschaftliche Hintergründe und Marktentwicklung
Der Mutterkonzern begründet den Einschnitt mit einem verschärften Wettbewerb und hohen Energiekosten. Eine Sprecherin verwies zudem auf ein verändertes Verbraucherverhalten, das sich zunehmend auf digitale Kanäle verlagere. Die Groupe SEB, zu der auch Marken wie Rowenta, Tefal, Krups und Moulinex gehören, verzeichnete im Geschäftsjahr 2025 einen Rückgang des operativen Ergebnisses aus der Geschäftstätigkeit (ROPA) um 25 Prozent auf 601 Millionen Euro.
Der Umsatz belief sich 2025 auf 8,17 Milliarden Euro , während der Nettogewinn (Konzernanteil) bei 245 Millionen Euro lag. Analysten von TP ICAP Midcap kritisierten in diesem Zusammenhang eine starre Kostenbasis sowie Defizite im Marketing. Trotz der Krise soll die Dividende für die Aktionäre mit 2,80 Euro je Aktie stabil bleiben. Die Ankündigung der Sparmaßnahmen führte an der Börse in Paris zu einem Kursanstieg der SEB-Aktie um elf Prozent.
Konzern in schwierigem Umfeld
Das abgelaufene Geschäftsjahr war laut Generaldirektor Stanislas de Gramont von einem schwierigen Umfeld geprägt. Zwar konnte der Konzern ein leichtes organisches Umsatzwachstum von 0,3 Prozent erzielen , doch belasteten negative Währungseffekte in Höhe von 40 Millionen Euro sowie US-Zölle in ähnlicher Größenordnung das Ergebnis. Besonders in Deutschland blieben die Verkäufe hinter den Erwartungen zurück, insbesondere im Bereich der elektrischen Kochgeräte.
Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, hat der Konzern den Plan Rebond ins Leben gerufen. Dieser sieht neben dem Stellenabbau eine verstärkte Nutzung von künstlicher Intelligenz im digitalen Marketing und eine Beschleunigung von Produktinnovationen vor. Für das Jahr 2026 prognostiziert die Unternehmensführung wieder eine Steigerung des operativen Gewinns sowie einen normalisierten freien Cashflow.
Stefanie Leiterholt, Geschäftsführerin bei Groupe SEB WMF Shared Services GmbH, erklärte: „Das Wettbewerbsumfeld in unserer Branche verschärft sich weiter. Das Konsumverhalten verlagert sich zunehmend in digitale Kanäle. Um langfristig erfolgreich zu bleiben, müssen wir unsere Organisation vereinfachen, unsere Effizienz steigern und unsere Ressourcen gezielt dort einsetzen, wo sie den größten Mehrwert schaffen. Die Maßnahmen dienen dazu, die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit
Die Gewerkschaft IG Metall reagierte mit scharfer Kritik auf die Pläne. Das Unternehmen gab an, bereits erste Gespräche mit Arbeitnehmervertretern aufgenommen zu haben. Ziel sei es, den Abbau durch natürliche Fluktuation, Vorruhestandsregelungen und freiwillige Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.















