Kaffeepreise seit Jahreswechsel stark gestiegen

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Die Kaffeepreise sind seit dem Jahreswechsel stark gestiegen. Auf die Frage nach den Gründen verweisen Händler und Experten auf die stark gestiegenen Rohstoffpreise. Ursache sind demnach Trockenheit und schlechte Ernteprognosen, vor allem im wichtigsten Erzeugerland Brasilien. 

163 Liter - so viel Kaffee wurde hierzulande im vergangenen Jahr nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes durchschnittlich pro Kopf getrunken. Die steigenden Preise stellen die Liebe zum Heißgetränk jedoch auf eine ernste Probe. Ein Überblick:

Wie haben sich die Preise entwickelt?

Die Regalpreise für gemahlenen Kaffee oder Kaffeepads von Marken wie Jacobs, Mövenpick, Melitta oder Senseo sind seit dem Jahreswechsel deutlich gestiegen. Sie liegen 9 bis 33 Prozent höher, bei Kaffeebohnen sind es sogar bis zu 43 Prozent. Das zeigt eine Auswertung der Preisvergleichsapp Smhaggle für die Deutsche Presse-Agentur. Die preisgünstigeren Eigenmarken der Lebensmittelhändler wie «Barissimo», «Bellarom», «Gut & Günstig» oder «Ja» kosten 28 bis 30 Prozent mehr als Anfang Januar 2025. 

Kaffee war bereits in den vergangenen Jahren teurer geworden. Besonders stark fiel der Preisanstieg bei Eigenmarken aus. Die Packung Mahlkaffee kostet derzeit fast 84 Prozent mehr als im Januar 2022. 

Warum steigen die Preise?

Dass Kunden mehr für Kaffee zahlen müssen, hatte sich zuletzt bereits abgezeichnet. Seit Anfang 2024 haben sich die Rohkaffeepreise verdoppelt. Erst Frost, dann extreme Trockenheit und Hitze: Grund seien vor allem ungünstige klimatische Bedingungen während der letzten Blütezeit von August bis Oktober, erklärt Ulrike Hardner, Expertin für nachhaltige Landnutzung beim WWF. Die Kaffeepflanze gilt als sehr sensibel.

Die erschwerten Anbaubedingungen führten zu Ernteeinbußen, vor allem bei der Sorte Arabica, sagt Hardner. Betroffen sei insbesondere das Hauptanbauland Brasilien. Dort wird knapp 30 Prozent des weltweiten Kaffees produziert. Für Brasilien wird ein Ernterückgang um etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert. Auch in anderen wichtigen Anbauländern wie Vietnam und Peru fielen die jüngsten Ernten mager aus.

Wird Kaffee im in absehbarer Zeit wieder billiger?

Der Agrarmarkt-Experte Carlos Mera von der Rabobank erwartet das nicht - selbst wenn die Rohkaffeepreise wieder etwas nachgeben sollten. «Es wäre ein deutlicher Preisrückgang über viele Monate nötig, damit die Preise im Einzelhandel wieder sinken.» Dass die Kunden im Laufe des Jahres noch tiefer in die Tasche greifen müssen, glaubt er eher nicht. Es sei unwahrscheinlich, dass Marken, die kürzlich eine Preiserhöhung durchgesetzt hätten, bald eine weitere fordern. 

WWF-Expertin Hardner geht davon aus, dass die Kaffeepreise in den nächsten Jahren hoch bleiben, auch wenn sich die Ernten erholen. Extreme Wetterlagen würden künftig häufiger auftreten. Der Anbau der empfindlichen Arabica-Pflanze in höheren Lagen werde immer schwieriger. 

Wie reagieren die Kunden?

Bei einigen Einzelhändlern kostete das Kilo Bohnen Crema D'oro von Dallmayr Anfang April in der Aktion 12,99 Euro und damit fünf Euro weniger als zum Normalpreis. Die Unterschiede zwischen Aktionspreis und regulärem Preis würden größer, sagt Kai Hudetz vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln. «Wenn Hersteller die Verbraucher mit den Ursprungspreisen erreichen könnten, würden sie keine Rabatte anbieten.»

Kunden greifen häufiger nach Sonderangeboten, wie Daten des Marktforschungsunternehmens YouGov zeigen. 53 Prozent der Kaffeemengen werden aktuell demnach im Sonderangebot verkauft, bei den Markenprodukten sogar 67 Prozent. Bei Sonderangebot-Käufen werde gerne eine Packung mehr mitgenommen, der sogenannte «Hamstereffekt», sagt Florian Herrera Ormaza, Kaffee-Experte bei YouGov. Konsumenten entschieden sich beim Kauf zudem häufiger für die günstigeren Eigenmarken.

Auch im Sonderangebot ist Kaffee in den vergangenen Jahren jedoch teurer geworden. Der Melitta-Mahlkaffee liegt in der Aktion derzeit nur leicht unter dem normalen Regalpreis im Januar 2022. Herrera Ormaza sagt dennoch: «Wenn man sich die Steigerung bei den Rohkaffeepreisen ansieht, kommt hier noch relativ wenig bei den Konsumenten an.» 

Was sagen Händler und Hersteller?

Die Handelsketten sagen zu möglichen weiteren Preissteigerungen nichts. Man müsse sich am Markt orientieren, wenn die Rohstoffkosten deutlich ansteigen, heißt es vom Discounter Aldi Süd. Man gebe nicht alle Preiserhöhungen an Kunden weiter und senke die Preise, wenn sich die Lage entspanne, sagte eine Sprecherin von Lidl. Auch der Kaffeekonzern JDE Peet's versucht nach eigenen Angaben, nur einen Teil der Kostensteigerungen weiterzugeben. 

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Philipp Hennerkes, sagt: «Kakao und Kaffee sind aktuell die zentralen Rohstoffe, die von der Industrie genutzt werden, um ungerechtfertigt Preiserhöhungen durchzudrücken.»

Eckpreisartikel wie Kaffee, Milch oder Butter haben für den Handel eine besondere Zugkraft. Die regelmäßigen Sonderangebote seien ein Lockmittel, um Verbraucher in den Laden zu locken, sagt Lebensmittel-Experte Armin Valet von der Verbraucherzentrale. 

Ist der Kaffee nur in Deutschland teurer geworden?

Nein, die Preise sind in den vergangenen Jahren auch in anderen Ländern gestiegen. Das zeigen Daten des Marktforschungsunternehmens NIQ. In Deutschland zahlten Verbraucher 2024 für gemahlenen Kaffee und Bohnen pro Kilo im Schnitt demnach teilweise deutlich weniger als in Frankreich, Großbritannien und den USA. Die Preise in Italien und Spanien lagen zuletzt hingegen auf einem ähnlichen Niveau wie hierzulande. (Mit dpa)


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