Porzellan-Hersteller Kahla stellt erneut Insolvenzantrag

| Industrie Industrie

Die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH hat beim Amtsgericht Gera einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Wie das Unternehmen mitteilt, dient dieser rechtliche Schritt dazu, die finanzielle Struktur des Betriebes neu zu ordnen und den Produktionsstandort langfristig zu sichern. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Thomas Jacobs aus der bundesweit tätigen Kanzlei Brinkmann und Partner bestellt. Laut Angaben der Beteiligten haben bereits erste Gespräche zwischen der Geschäftsführung, dem vorläufigen Insolvenzverwalter und dem Betriebsrat stattgefunden. Die Belegschaft wurde im Rahmen einer Betriebsversammlung persönlich über das Antragsverfahren informiert.

Historische Bedeutung und personeller Wandel am Standort

In Kahla, südlich von Jena, wird seit mehr als 170 Jahren industriell Porzellan hergestellt. Zu Zeiten der DDR war die Stadt Sitz des VEB Feinkeramik, zu dem insgesamt 17 Betriebe mit rund 18.000 Beschäftigten gehörten. Nach der Wiedervereinigung endete die Privatisierung zunächst in einer Pleite, woraufhin im Jahr 1994 die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH neu gegründet wurde. Das Unternehmen blickt auf eine bewegte jüngere Geschichte zurück: Bereits im Jahr 2020 musste nach einem geplatzten Großauftrag Insolvenz angemeldet werden. Im Zuge der darauffolgenden Übernahme durch den heutigen Geschäftsführer Daniel Jeschonowski und der fortschreitenden Restrukturierung reduzierte sich die Mitarbeiterzahl deutlich. Waren vor sechs Jahren noch etwa 250 Menschen in der Manufaktur tätig, hat sich die Belegschaft mit aktuell 120 Mitarbeitern seither mehr als halbiert.

Fortführung des operativen Geschäftsbetriebs gesichert

Trotz des erneuten Ganges zum Insolvenzgericht wird der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang weitergeführt. Nach Informationen der Manufaktur bleiben Produktion, Auftragsbearbeitung und Auslieferung regulär bestehen. Kunden und Geschäftspartner können weiterhin mit der Ausführung bestehender sowie neuer Aufträge rechnen. Die Absicherung der verbliebenen Belegschaft erfolgt über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit, für das die entsprechende Vorfinanzierung bereits eingeleitet wurde. Der vorläufige Insolvenzverwalter Thomas Jacobs erklärte dazu wörtlich: „Mein erster Eindruck ist, dass Geschäftsführung und Belegschaft fest hinter der Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen stehen. Das ist wichtig, um die Produktion und Auslieferung im Antragsverfahren wie geplant fortzuführen und einen Plan für die Zukunft zu entwickeln.“

Ursachenforschung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Das Unternehmen nennt mehrere Faktoren als Gründe für den aktuellen Antrag. Insbesondere die allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung in Deutschland sowie eine schwache Messe- und Ordersaison hätten die Situation belastet. Hinzu komme eine deutliche Kaufzurückhaltung im Bereich der Gastronomie. Als energieintensiver Produktionsbetrieb leidet die Manufaktur zudem unter den stark gestiegenen Energiekosten, die infolge der geopolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg voraussichtlich weiter zunehmen werden. Seit dem Jahr 2020 durchlief der Betrieb bereits eine umfassende Umstrukturierung, in deren Verlauf Prozesse vereinfacht und das Internetgeschäft ausgebaut wurden.

Stimmen zur Neuausrichtung

Geschäftsführer Daniel Jeschonowski sieht in dem Verfahren eine notwendige Maßnahme zur strukturellen Aufstellung. Er gab zu Protokoll: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir als Kahla-Team viel geleistet und ein hervorragendes Markenerlebnis geschaffen. Wir sind unternehmerisch auf dem richtigen Weg, werden aber in Zukunft mehr Wachstum erreichen müssen.“ Unterstützung kommt auch von der Arbeitnehmerseite. Der Betriebsratsvorsitzende Stefan Schau betonte, dass die Belegschaft zusammenstehe, um den Standort zu erhalten. Die Insolvenz biete laut Schau die Chance, das Unternehmen neu aufzustellen. Als Zeichen der Handlungsfähigkeit plant der Hersteller vom 7. bis zum 12. April einen Porzellanmarkt direkt am Standort in Kahla, um die Leistungsfähigkeit der heimischen Produktion zu demonstrieren.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Pressemitteilung

Über 320 Gäste erlebten im JW Marriott Berlin eine eindrucksvolle Award Night im Rahmen des GreenSign Future Lab. Die hohe Beteiligung am öffentlichen Voting und ein abwechslungsreiches Programm prägten die Verleihung als einen der Höhepunkte des Branchentreffens.

Der Chef des Coca-Cola-Abfüllers bemängelt die Bürokratie und komplizierte Verhältnisse für Unternehmen. Schon kleinere Vorhaben dauerten lange, weil statt einer Behörde oft mehrere Stellen zuständig seien. Er findet jedoch auch positive Worte für Deutschland.

Die in die Insolvenz in Eigenverwaltung geratene Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim hat die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, einen Investor zu finden. Das Ziel ist es, den Fortbestand der traditionsreichen Brauerei zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Marktansprache durch das M&A-Team von Roland Berger habe bereits begonnen.

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Preise für Schokoladen und Pralinen kurz vor dem Weihnachtsgeschäft massiv angezogen haben. Hintergrund sind die hohen Preise für die Rohstoffe Kakao und Zucker.

Pressemitteilung

Nachhaltigkeit ist für Supreme Sports Hospitality (Supreme) ein zentrales Anliegen. Im Deutsche Bank Park in Frankfurt sowie im Weserstadion in Bremen setzt der Stadioncaterer daher seit diesem Jahr verstärkt auf digitale Innovation und effiziente Prozesse zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen. Auch am neu übernommenen Standort, dem Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden, wird der nachhaltige Ansatz nach Abschluss der Implementierungsphase weiterverfolgt.

Die BHS tabletop AG plant, ihre Produktion am Standort Schönwald spätestens Ende 2027 einzustellen. Das Unternehmen, das Marken wie Bauscher und Schönwald führt, begründet die Entscheidung mit massiv steigenden Standortkosten, komplexen Prozessen und stagnierenden Märkten.

In der Pfalz, an der Mosel, der Hessischen Bergstraße sowie in Franken, Sachsen und dem Anbaugebiet Saale-Unstrut haben mehrere Winzer Eiswein-Trauben geerntet. Eine Besonderheit im November.

Pressemitteilung

Seit dem Jahr 2000 revolutioniert Salto, wie Menschen Türen öffnen und Räume weltweit sichern. Aus einem kleinen Start-up in Spanien ist ein globaler Technologieführer geworden, der mit seinem intelligenten Zutrittsökosystem Türen zu neuen Chancen, Verbindungen und Wachstum öffnet.

Pressemitteilung

​​​​​​​Auf der Intergastra präsentiert Winterhalter unter dem Leitmotiv „Don’t worry. Just wash.“ seine bewährten Spülsysteme und ergänzt diese um zukunftsweisende Services mit zahlreichen Vorteilen für Kunden. Mit EasyAccess, Remote Services und EcoPilot zeigt das Unternehmen, wie sich Spülprozesse künftig noch einfacher, sicherer und wirtschaftlicher gestalten lassen.

Pressemitteilung

Rund 3.000 junge Bäume wurden im Waldgebiet Schauener Holz nahe Wernigerode gesetzt und ergänzen die jährlich insgesamt 10.000 neuen Bäume, mit denen das GreenSign Institut die Harzer Wälder kontinuierlich unterstützt.