Streit ums Etikett - Muss ein Bräu brauen?

| Industrie Industrie

Darf eine Biermarke Wunderbraeu heißen, obwohl sie selbst nicht braut? Und darf das Bier auf der Flasche ohne große Erläuterung als CO2-positiv beworben werden? Diese und weitere Fragen haben am Mittwoch das Landgericht München beschäftigt, und am Ende könnte die Antwort teils, teils heißen. Darauf deuten zumindest die vorläufigen Einschätzungen hin, die die vorsitzende Richterin in der Verhandlung abgab.

Konkret klagt die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs gegen WunderDrinks, ein Unternehmen aus München, das unter der Marke Wunderbraeu Bier verkauft. Sie stören dabei mehrere Punkte, beginnend mit dem Namen Wunderbraeu. Dieser suggeriere, dass selbst gebraut werde, da Bräu zumindest in München Brauer oder Brauerei bedeute. WunderDrinks lässt das Bier aber lediglich brauen. In diesem Punkt stehen die Chancen des Klägers allerdings schlecht. Die Richterin geht - so die vorläufige Einschätzung - von einer doppeldeutigen Fantasiebezeichung aus. WunderDrinks hatte ähnlich argumentiert.

Bessere Chancen hat die Zentrale an anderer Stelle. Sie stört sich an der Adressangabe Wunderbraeu, Hopfenstraße 8 in München. Diese suggeriere, dass das Bier in München entstehe, doch dort gebe es nur einen Briefkasten, sagte der Klägeranwalt, der daher von einer «Phantombrauerei» spricht. Das Bier selbst wird im Auftrag von WunderDrinks unter anderem von einer Brauerei im Chiemgau hergestellt.

Ein Anwalt des Unternehmens widersprach zwar: Auch bei Eigenmarken von Supermärkten stehe die Adresse des Händlers und nicht der Erzeugunsort auf dem Etikett. Das Gericht schien davon aber nicht überzeugt: Dass auf dem Etikett bei der Adressangabe der Biername Wunderbraeu und nicht der Name des Unternehmens WunderDrinks stehe, sei irreführend, so die vorläufige Einschätzung der Richterin.

Und auch bei der Aussage CO2-positiv sieht es eher schlecht für WunderDrinks aus. Dem Gericht mangelt es hier an näherer Erläuterung, was damit gemeint ist. Nach vorläufiger Einschätzung könnte auch dieser Punkt also unzulässig sein. Seine Entscheidung wird das Gericht am 8. Dezember verkünden. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die deutschen Prädikatsweingüter spüren die steigenden Kosten von Energie, Löhnen, Glas und Verpackung sowie die Zurückhaltung der Konsumenten. Sie sehen sich dennoch gut aufgestellt.

Der Gewürzhändler Ankerkraut hatte die Mehrheit der Firma zum Ärger vieler Fans 2022 an Nestlé verkauft. Nun verlässt das Hamburger Unternehmen den weltgrößten Lebensmittelkonzern wieder.

Pressemitteilung

Die Deutsche Hotelakademie und wein.plus starten eine Kooperation, um die berufliche Weiterbildung in der Wein-, Gastronomie- und Hospitalitybranche zu fördern. Ziel der Partnerschaft: Fach- und Führungskräften sowie ambitionierten Brancheninteressierten den Zugang zu qualifizierten Weiterbildungen rund um Wein, Gastronomie und Management zu eröffnen.

Unilever Food Solutions hat seinen Future Menus Report 2026 veröffentlicht und erstmals ein KI-gestütztes Tool vorgestellt. Das System soll gastronomische Betriebe bei der Umsetzung aktueller Trends unterstützen.

Mit einem verstärkten Anbau neuer, robuster Rebsorten stellen sich die deutschen Winzerinnen und Winzern zunehmend auf die Herausforderungen des Klimawandels und einen nachhaltigeren Weinbau ein.

2024 war die Ernte für die Winzer an Saale und Unstrut wegen Frösten fast ein Totalausfall. Im vergangenen Jahr lief es besser - trotz negativem Bundestrend. Wie ist die Situation?

Alkoholfrei auf dem Etikett – doch Promille drin? Eine bayerische Brauerei ruft ihr alkoholfreies Hefeweizen zurück. Welche Chargen betroffen sind und was Verbraucher jetzt tun sollten.

Unilever und McCormick legen ihre Lebensmittelsparten zusammen. Die Transaktion beinhaltet eine Barzahlung von 15,7 Milliarden US-Dollar und eine Mehrheitsbeteiligung der Unilever-Aktionäre an der neuen Gesellschaft.

Die Weinproduktion in Deutschland ist 2025 laut Statistischem Bundesamt um 2,6 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist der Anteil von Prädikatswein deutlich gestiegen, während Rheinhessen und Pfalz Rückgänge verzeichneten.

Die Investmentgesellschaft Argos übernimmt die Bäckereikette Kamps von der Le Duff Group. Geplant ist der Aufbau einer bundesweiten Bäckereigruppe mit mehr als 400 Standorten.