Vinum Weinguide zeichnet die besten Weingüter und Weine Deutschlands aus

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Beinahe 12.000 verkostete und bewertete Weine, rund 1.000 Weingüter in Einzelporträts, ausführliche Informationen zu den 13 Anbaugebieten sowie Trends und Entwicklungen der deutschen Weinszene: Die neue Ausgabe des Vinum Weinguides Deutschland bietet jede Menge Infos für alle Liebhaber deutscher Weine. 

Winzer des Jahres 2020

Für die neue Ausgabe von Deutschlands «roter Weinbibel» hat Chefredakteur Joel B. Payne mit seinem Expertenteam monatelang Weine aus allen deutschen Anbaugebieten in zahlreichen Einzel-und Vergleichsproben verkostet. Gesamturteil: Auch wenn die Erntemengen in einigen Anbaugebieten eher ergiebig ausfielen, zählt zweifelsohne der 2018er Jahrgang «qualitativ zu den herausragenden der jüngeren Zeit», meinen auch die stellvertretenden Chefredakteure Matthias Mangold und Harald Scholl.

Insgesamt 103 Weingüter wurden im neuen Weinguide mit den begehrten Höchstwertungen von vier (68), 4,5 (23) und fünf (12) Sternen ausgezeichnet, sozusagen das Cum Laude der deutschen Weinszene. Zu ihnen zählt das Weingut Aldinger aus Württemberg, dessen Inhaber Hansjörg und Matthias Aldinger für Vinum die Winzer des Jahres 2020 sind. «Der Tradition zwar noch verbunden, aber immer nach vorne schauend, haben sie längst den Blickwinkel des ‹Ländle› verlassen», begründet Joel B. Payne das Urteil. «Hier geht die Post ab.»
 

Aufsteiger des Jahres 2020

Kaum weniger beeindruckend findet die Redaktion die Leistung von Carl Ehrhard, dem frisch gekürten Aufsteiger des Jahres. Mit seinem gleichnamigen Weingut in Rüdesheim (Rheingau) hat er eine Blitzkarriere hingelegt. «Fast im Zeitraffertempo ist Carl Ehrhard zu einer festen Größe in der deutschen Winzerszene geworden. Dabei lässt er seine Rieslinge geduldig heranreifen, ohne Zeitdruck und im positiv traditionellen Stil», so Joel B. Payne, der selbst mehrmals als bester deutscher Sommelier ausgezeichnet wurde.

Entdeckung des Jahres 2020

Besonderen Fokus legt Vinum auf die Entdeckung und Förderung von Talenten, seien es engagierte Quereinsteiger oder gut ausgebildete Nachwuchskräfte etablierter Güter. Die herausragendste Leistung in dieser Kategorie erbrachte in diesem Jahr Carsten Saalwächter. Das Familienweingut Paul Christian Saalwächter in Ingelheim (Rheinhessen) wurde als Neueinsteiger auf Anhieb mit zwei Sternen im neuen Guide ausgezeichnet. Vom Expertenteam um Payne, Mangold und Scholl erhielt er den Titel Entdeckung des Jahres. Seit 2017 trägt der junge Mann die Verantwortung in dem von seinem Urgroßvater 1893 gegründeten Weingut. Alte Reben, Spontangärung, Holzfass, keine Filtration – das nennt sich dann gerne «so wenig wie möglich tun», heißt es in der Begründung der Jury.

Weinkarte des Jahres

Für das zweite Mal würdigt Vinum auch die Weinkarte des Jahres. Die diesjährige Auszeichnung geht an die Wein.Kultur.Bar in Dresden und an deren Macher Silvio Nietzsche. «Mit dem Wort ‹Legende›sollte man vorsichtig sein», so Carsten Henn, der Chefredakteur der Zeitschrift Vinum , in seiner Laudatio, «doch auf diese Karte trifft es zu.» Mit rund 2.900 Positionen, davon stolze 50 Weine im offenen Ausschank, ist die Liste eher ein Buch zum Stöbern. Die günstigste Flasche kostet gerade einmal zwölf Euro – dafür bekommt man in anderen Häusern kaum ein Glas Wein.

Siegerweine des Jahres

Die besten Weine der Ausgabe 2020 wurden vom redaktionellen Expertenteam auf einer mehrtägigen Finalprobe gekürt. Die zwölf Spitzenreiter werden vom Winzersekt des Jahres angeführt. Volker Raumland aus Rheinhessen ist in dieser Kategorie (fast) nicht zu schlagen. In der Ausgabe 2020 stellt er insgesamt vier der zehn besten Sekte, darunter auch den diesjährigen Sieger, den 2010er »X. Triumvirat Grande Cuvée« Sekt Brut (95 Punkte). «Ein wahrhaft tiefgründiger Schaumwein, getragen von einer tänzelnden Leichtigkeit», schwärmt die Jury. «Mehr geht nicht – höchstens anders.»

In der Kategorie Spätburgunder 2017 stammt der Sieger von einem klitzekleinen Weingut aus der Südpfalz, das schon im Vorjahr als Überraschung Gold einheimste. Mit 96 Punkten tänzelt der 2017er Pinot Noir l’Artiste von Hans-Erich Dausch (Pfalz) «zwischen Frucht und Struktur. Dabei hat der Spätburgunder des Jahres immense Länge und Tiefe.» Sein größter Konkurrent in diesem Jahr war er selbst, denn sein «einfacher» Pinot Noir landete vor Knipser, Koch, Huber, Fürst und Rebholz gleich auf Platz zwei.

Nicht zu schlagen war das Weingut Ökonomierat Rebholz (Pfalz) hingegen bei den weißen Burgundersorten: Mit 95 Punkten setzte sich im zweiten Jahr in Folge der 2018 Birkweiler Mandelberg Großes Gewächs von der Konkurrenz ab. «Hansjörg Rebholz bringt Eleganz und Harmonie in allen Belangen in die Flasche», lobt Matthias Mangold den weißen Burgunder des Jahres. «Frucht, Spiel und Würze – alle Elemente sind in perfekter Balance.»

Zum ersten Mal würdigt die Jury Rotweine, die keine Spätburgunder sind, mit einer eigenen Siegerkategorie. Der Weg zu dieser Liste führt über heimische wie internationale Rebsorten, was die Verkostung spannend – und auch herausfordernd – machte. Am Ende hatte Hanspeter Ziereisen (Baden) mit seinem 2016er Syrah «Jaspis» die Nase vorn. «Dem Glas entströmt ein Duft wie bei den großen Vorbildern aus dem Rhonetal», heißt es in der Würdigung. «Kühl, Graphit und mit einer Spur schwarzem Pfeffer, der Siegerwein setzt komplett auf Struktur, Charakter und Individualität.»

Bei Vinum nimmt der Silvaner schön länger seinen «angestammten Platz unter den großen deutschen Weißweinsorten ein». Der herausragendste Wein in dieser Kategorie – und damit Silvaner des Jahres – ist nach dem Urteil der Experten unter Leitung von Harald Scholl mit 93 Punkten der 2018 Sulzfelder Creutz vom Weingut Zehnthof Luckert (Franken), der schon im Vorjahr auf dem Siegerpodest stand. Die rund 400 wurzelechten Rebstöcke, gepflanzt Ende des 19. Jahrhunderts, ergeben immer einen Wein von großer Finesse und Eleganz. «Der 2018er beginnt sich erst nach Tagen wirklich zu öffnen», so das Urteil der Jury. «Der Versuch lohnt sich!»

In die Fußstapfen ihres Vaters

In der Kategorie Riesling trocken hat Theresa Breuer (Rheingau) mit ihrem 2018er Rüdesheimer Berg Rottland (97 Punkte) «einen außergewöhnlichen Riesling aus einem sonst schwierigen Jahr geschaffen», meint Joel B. Payne. «Rasse und Kraft zugleich, feines Holz, innere Dichte, toller Zug, salziger Nachhall – Chapeau, Madame!», führt er seine Lobeshymne fort. Es ist schon lange her, dass ein Rheingauer an der Spitze stand. Damit tritt Theresa Breuer in die Fußstapfen ihres Vaters Bernhard, eines der Pioniere der neuen trockenen Welle in Deutschland.

Auch den besten Gutsriesling hat die Jury in diesem Jahr erstmals ausgelobt. Diese Weine sind die Visitenkarte eines jeden Winzers, also die «einfachen» Tropfen, vor denen man sich beim Trinken wirklich nicht hinknien muss – und in vielen Fällen sind sie noch erfreulich günstig. In diesem Jahr war einer auch erstaunlich gut! Mit 90 Punkten steht der 2018er Schieferterrassen vom Weingut Heymann Löwenstein (Mosel) im Buch. Obwohl der kleinste Riesling dieses Gutes, sagt diese Ehrung viel über die anderen, noch höherwertigen Rieslinge des Hauses aus. «Hier kann der Konsument blind kaufen», empfiehlt die Chefredaktion.

«Ein besonderes Händchen für die Kategorie Riesling feinherb» attestiert Harald Scholl der Familie Weber vom Hofgut Falkenstein (Saar). Ihr 2018er Niedermenninger Herrenberg Spätlese – 21 – belegte mit 94 Punkten Platz eins in der Siegerliste. Der gleichnamige Wein mit der Fassnummer vier erreichte mit 93 Punkten – hinter Molitor und Loewen – Platz vier.

In der Kategorie Riesling Kabinett sind in diesem Jahr die Winzer des Anbaugebiets Mosel wieder unter sich: Alle zehn Spitzenweine stammen von Weingütern an der Mosel, Saar und Ruwer. Als «Gedicht» bezeichnen die Verkoster den Sieger, den 2018er Kanzemer Altenberg, Versteigerungswein des Saarweingutes von Othegraven (94 Punkte), das heute im Besitz des bekannten Fernsehmoderators, Günther Jauch, steht.

«Ein durchaus hedonistischer Wein, rauchig und gelbfruchtig zugleich», lobt die Jury. «Er ist saftig, hat Druck und Zug ohne Ende. Was will man mehr?», fragen die Experten. Kaum weniger beeindruckt zeigt man sich von der Nummer eins in der Kategorie Riesling Spätlese, dem 2018er Enkircher Ellergrub (95 Punkte) vom Weingut Weiser-Künstler (Mosel): «Die EllergrubSpätlese aus diesem Hause war schon immer gut», heißt es in der Beschreibung der Redaktion.

«Diesmal ist sie nahezu perfekt. Verdichtet und kraftvoll, frisch wie ein klarer Gebirgsbach!» Konnten deutsche Winzer früher höchstens zwei-, dreimal pro Jahrzehnt Rieslinge der Prädikatsstufe «Auslese» erzeugen, so gelingen diese exquisiten Tropfen aus goldgelben, voll  ausgereiften Trauben dank Klimaerwärmung inzwischen fast in jedem Jahr. Auch in dieser Disziplin dominiert das Anbaugebiet Mosel: Die beste Riesling-Auslese des Jahrgangs 2018 zeigte Egon Müller (Saar) mit seinem Scharzhofberger Goldkapsel Versteigerungswein (98 Punkte), knapp vor der gleich hoch bewerteten Konkurrenz von Selbach-Oster.

Selbach-Oster (Mosel) hat mit seiner Trockenbeerenauslese zudem den ersten Platz in der Königsklasse der edelsüßen Rieslinge eingeheimst. Als «Elixier von unendlicher Lagerfähigkeit» bezeichnet Joel B. Payne die «atemberaubende Trockenbeerenauslese» aus der Zeltinger Sonnenuhr. Nach Meinung der kritischen Jury ist sie mit 100 Punkten einer der ganz seltenen perfekten Weine! Mit einer zweiten Trockenbeerenauslese aus der gleichen Lage hat Johannes Selbach mit 99 Punkten auch noch Bronze nach Hause getragen.


 

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