Weingut Van Volxem gewinnt Lagen-Cup Weiß 2020

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Mit dem 2019er Riesling „Volz GG“ hat das Weingut Van Volxem an der Saar den „Lagen-Cup Weiß 2020“ gewonnen. Winzer Roman Niewodniczański freute sich über die erreichten 97 von 100 möglichen Punkten.

Die 10-köpfige Jury des LagenCups, bestehend aus Weinjournalisten und Top-Sommeliers, schloss sich freiwillig sechs Tage in Berlin ein, um die angestellten Weine zu verkosten und zu bewerten. Mehr als 200 Top-Weingüter des Landes meldeten 700 Lagenweine beim diesjährigen LagenCup Weiß 2020 an. Aufgeteilt in zwei 5er Teams, verkostete die Jury die Lagenweine blind und nach dem 100-Punkte-Schema. [Hier alle Ergebnisse vom Lagencup]

Bis zum Inkrafttreten des Weingesetzes von 1971 war die schiefrig-steile Parzelle »Vols« eine begehrte Einzellage mit klangvollem Namen und vielgerühmten Rieslingen. 1971 ging sie im Wiltinger Braunfels auf – und ihr Name damit unter. Roman Niewodniczański hat sie zu neuem Leben erweckt und aus dem »s« ein »z« gemacht, um rechtlichem Ungemach ein Schnippchen zu schlagen. Vor rund 20 Jahren hat er das Weingut Van Volxem aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und der Saar seitdem entscheidende Impulse gegeben. Rieslinge von der Saar sind heute beinahe wieder so gefragt, wie sie es vor hundert Jahren bereits einmal waren. Ob der 2019er »Volz« der beste ist, der je unter seiner Ägide erzeugt worden ist, wird sich noch zeigen müssen, denn dass er grandioses Potenzial besitzt, steht außer Frage. Die Jury zeigte sich begeistert von einer »straffen und salzig-mineralischen Struktur« und lobte seine »ebenso feine Frucht wie reife Säure« über den Klee.
 

Wenn heute wieder vermehrt und auch international wahrnehmbar von den Rieslingen der Saar die Rede ist, hat Roman Niewodniczański einen gehörigen Anteil daran. Dabei ist es ihm um die historische Vergangenheit, dieser einst so ruhmreichen und edlen Weinbauregion, ebenso zu tun wie um handwerklich erzeugte Weine auf höchstem Niveau. Wir wissen es noch nicht. Aber womöglich hatten wir es beim 2019er Volz mit dem vorzüglichsten Riesling zu tun, der je auf diesem Weingut erzeugt wurde.  

Zuletzt hat er sich den Geisberg vorgenommen. Der einst so ruhmreiche und steile Weinberg an der Saar geriet in den letzten Jahrzehnten zusehends in Vergessenheit. Dabei gehörten die Rieslinge aus Ockfen vor rund 120 Jahren zu den feinsten Weinen der Welt – auf Augenhöhe mit denen vom Scharzhofberg. Die schweren roten Gewächse aus dem Burgund oder dem Bordelais entsprachen damals nicht unbedingt einem Zeitgeist, der vom industriellen Aufschwung und dem Glauben an unendlichen Fortschritt geprägt war. Goutiert und nicht selten auch besser bezahlt, wurde die schwunghafte Leichtigkeit. Und die brachten die Weine von Mosel, Saar und Ruwer auf unvergleichliche Art und Weise an den Gaumen ihrer Zecher. Die Weine waren en vogue.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als es wieder bergauf ging mit der deutschen Wirtschaft, wuchs sich der Geisberg erst zu einem permanenten Driesch und später zu einem veritablen Wald aus. Deutschland hatte Appetit, aber keinen Geschmack mehr. Werden Reben aus wirtschaftlichen Gründen nicht herausgerissen oder gehen an Pandemien zugrunde, haben sie in der Regel eine deutlich längere Lebenserwartung als Menschen. Darüber hat der studierte Betriebswirt und Wirtschaftsgeograf seine Philosophie begründet.
 

»Make Saar Wine great again«

Aus der Wildnis im Geisberg hat er einen Riesling-Weinberg wiedererschaffen, von dessen Früchten er sicherlich noch zu Lebzeiten kosten wird dürfen, deren Weine allerdings – so steht zu vermuten – erst nach seinen Lebzeiten zu wahrer Größe auflaufen werden. Roman Niewodniczański ist ein Hüne, über zwei Meter misst der Mann. Mit seinem Background und der Bitburger-Dynastie im familiären und finanziellen Rücken könnte man meinen, dass er die Situation stets von oben und bisweilen arrogant beschaut. Nichts ist weniger der Fall.

Als Niewodniczański das Weingut Jordan & Jordan vor rund 20 Jahren übernahm, hat er nicht nur ein heruntergewirtschaftetes Unternehmen übernommen, sondern sich auch für eine Region entschieden, deren Namen dermaleinst für die wertvollsten Weine der Welt standen. Er muss eine Mission gehabt haben. Und die hat er bis heute. Ob Geisberg, Gottesfuß oder Vols: Wenn es um die ruhmreiche Vergangenheit des deutschen Rieslings geht, gibt es hierzulande und vermutlich auf der ganzen Welt keinen beflisseneren Kenner als Niewodniczański. Unzählige Menü- und Kataster-Karten hat er in seiner Bibliothek archiviert. Sie sind nicht nur historisches Zeugnis der hohen Wertschätzung, die damals dem Riesling von der Saar entgegengebracht wurde, sondern auch Romans Antrieb dort aufzubauen, was frühere Generationen zerstört haben. Der Wein konnte nichts dafür. So waren und sind es bis heute besonders die allerältesten Weinberge, die Roman für seine Rieslinge bevorzugt. Der einmalig elegante und dennoch konzentrierte Geschmack seiner Rieslinge hänge unmittelbar auch mit den wurzelechten Reben zusammen, sagte Roman einmal. Darüber wird bereits seit längerer Zeit leidenschaftlich gestritten. Dabei müsste doch die Frage lauten, warum bis zum Inkrafttreten des Weingesetzes von 1971 die schiefrig-steile Parzelle »Vols« eine begehrte Einzellage mit klangvollem Namen und vielgerühmten Rieslingen war und danach in der Versenkung verschwand.

1971 ging sie im Wiltinger Braunfels auf – und ihr Name damit unter. Roman Niewodniczański hat sie zu neuem Leben erweckt und aus dem »s« ein »z« gemacht, um rechtlichem Ungemach zunächst einmal ein Schnippchen zu schlagen. Heute ist das Gewann vom hochangesehenen Verband der deutschen Prädikatsweingüter (VDP) als sogenannte »Grosse Lage« anerkannt. Die mithin besten Weine aus uralten und wurzelechten Reben entstehen aus ihr. Es ist eine ebenso akribische wie leidenschaftliche Arbeit, die Roman an der Saar in den letzten 20 Jahren vollbracht hat und vor allem: immer noch voranbringt. Fast könnte man den Mann als einen Wein-Archelogen beschreiben, der einen Genuss ins Glas des Zechers bringt, der mehr oder weniger fast vergessen war. Und womöglich hatten wir es beim 2019er Volz mit dem vorzüglichsten Riesling zu tun, der je auf diesem Weingut erzeugt wurde. Wer weiß? Time goes on with Niewo.  


 

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