Der Digital-Experte und Co-Gründer des damaligen Kassenherstellers Gastrofix, Stefan Brehm, ruft Gastronomen dazu auf, Onlinebewertungen stärker zu beachten und aktiv darauf zu reagieren. In einem Beitrag auf LinkedIn schreibt Brehm: „Mal ehrlich: Wann hast du das letzte Mal ein Restaurant, dass du noch nicht kanntest besucht, ohne vorher kurz die Bewertungen zu checken?“
Zugleich verweist er auf Aussagen aus der Branche wie: „interessiert mich nicht.. beantworte ich nicht“ und ergänzt: „Ist das euer Ernst?“
Brehm sieht Antworten auf Kritik als entscheidenden Faktor
Im Mittelpunkt seines Beitrags steht weniger die Bewertung selbst als vielmehr der Umgang damit. „Es geht nicht nur darum, Bewertungen zu bekommen. Es geht darum, darauf zu reagieren.“, schreibt Brehm.
Nach seiner Darstellung entsteht der erste Eindruck eines Restaurants häufig bereits vor dem Besuch. „Bevor sie überhaupt einen Fuß in dein Lokal setzen, haben sie schon einen Eindruck – geformt von den Sternen und Kommentaren auf Google, TripAdvisor, Opentable & Co.“
Außerdem verweist Brehm darauf, dass Bewertungen inzwischen auch in Empfehlungen von Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity einfließen würden.
Studien und Algorithmen als Argument für aktive Profile
Zur Begründung nennt Brehm mehrere Punkte. Unter anderem schreibt er: „45 Prozent der Kunden besuchen eher ein Restaurant, das aktiv und professionell auf Kritik reagiert.“
Zudem könnten Antworten auf Bewertungen eine größere Wirkung entfalten als die eigentliche Kritik selbst. „Eine durchdachte Antwort auf eine 2-Sterne-Bewertung erreicht oft mehr Menschen als die Bewertung selbst – nämlich alle stillen Mitleser, die sich gerade fragen, ob sie bei euch reservieren sollen.“
Darüber hinaus thematisiert Brehm die Sichtbarkeit auf Plattformen. „Algorithmen lieben aktive Profile.“ Weiter heißt es: „Google, TripAdvisor und auch die neuen KI-Suchen bewerten nicht nur die Sterne, sondern auch die Aktivität. Wer regelmäßig antwortet, wird sichtbarer. Wer schweigt, verschwindet.“
Bewertungsdurchschnitt allein sei nicht entscheidend
Auch den Umgang mit Bewertungsdurchschnitten spricht Brehm an. „Ein Rating zwischen 4,2 und 4,5 wirkt glaubwürdiger als die makellose 5,0 – und fördert die Kaufabsicht stärker.“ Entscheidend sei daher nicht Perfektion, sondern „Authentizität und ein souveräner Umgang mit Kritik“.
Zum Ende seines Beitrags formuliert Brehm die zentrale Frage: „Wie sorgst du dafür, dass es schnell, konsistent und in deiner Markenstimme passiert?“
Google macht entfernte Rezensionen inzwischen sichtbar
Parallel dazu hat Google Ende April 2026 eine neue Funktion für Unternehmensprofile in Deutschland eingeführt. Seitdem zeigt Google Maps an, wie viele Bewertungen innerhalb der vergangenen zwölf Monate entfernt wurden. (Tageskarte berichtete)
Nach Angaben des Unternehmens werden dabei Bandbreiten wie „2 bis 5“ oder „21 bis 50“ entfernte Rezensionen ausgewiesen. Berücksichtigt werden laut Google ausschließlich Bewertungen, die „aufgrund von Beschwerden wegen verleumderischer Behauptungen nach deutschem Recht“ entfernt wurden.
Google erklärt, die Kennzeichnung solle für mehr Transparenz sorgen. Einen Einfluss auf Ranking oder Sternebewertungen habe die Anzeige nach Angaben des Unternehmens nicht.