Arbeitgeberpräsident gegen Lohn am ersten Krankheitstag

| Politik Politik

Arbeitnehmer sollen am ersten Krankheitstag nach Ansicht von Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger keinen Lohn erhalten. Das sagte Dulger dem Nachrichtenportal «t-online» und erklärte: «Die aktuell hohen Krankenstände sind ein echtes Problem.» Alles, was missbräuchliche Krankmeldungen erschwere, sei deshalb hilfreich. 

«Eine Idee wäre die Einführung eines Karenztages, sodass der Arbeitgeber den Lohn im Krankheitsfall erst ab dem zweiten Krankheitstag zahlt», erklärte der Arbeitgeberpräsident.

Sogenannte Karenztage und die Einschränkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall schlägt Dulger nicht zum ersten Mal vor. Seiner Meinung nach würde ein solches Modell dazu beitragen, «die Zahl sehr kurzfristiger Fehlzeiten weiter zu reduzieren und den Fokus stärker auf tatsächlich notwendige Ausfallzeiten zu lenken». Er sieht darin den Vorteil, dass diejenigen, die wirklich krank seien und lange ausfielen, dieselben Leistungen bekämen wie auch jetzt.

Linken-Chef Jan van Aken reagierte empört auf den Vorstoß. «Wir sind hier nicht in den USA: Wer krank ist, soll zu Hause bleiben – ohne Lohnkürzung», sagte van Aken «t-online». Demnach ergänzte van Aken: «Das gilt für Schnösel wie den Arbeitgeberpräsidenten genauso wie für die hart arbeitende Mehrheit hier im Land. Ich finde das widerlich.»

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage krank gemeldet – ein Anstieg um 3,6 Krankheitstagen im Vergleich zu 2021. Union und Arbeitgeberverbände fordern schon länger, zum Beispiel telefonische Krankschreibung wieder abzuschaffen.

Nach früheren Angaben der Krankenkasse AOK führt die telefonische Krankschreibung nicht dazu, dass sich Menschen häufiger krankschreiben lassen. Einen Einfluss auf die steigenden Zahlen kann der Kasse zufolge dagegen die Einführung der elektronischen Krankmeldung 2022 haben. Sie führe zu einer vollständigeren Erfassung der Fehlzeiten. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Wegen des hohen Krankenstands in Deutschland nimmt Bundeskanzler Friedrich Merz erneut die telefonische Krankschreibung ins Visier. Darüber müsse man mit dem Koalitionspartner SPD sprechen, so der CDU-Chef.

Unternehmen, die in Baden-Württemberg Corona-Hilfen zurückzahlen mussten, können jetzt auf eine Erstattung hoffen. Was das für 62.200 Betriebe und 437 Millionen Euro bedeutet – und warum das Finanzministerium jetzt am Zug ist.

Die Österreichische Hotelvereinigung weist die Forderungen des Bauernbundes nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung zurück. ÖHV-Präsident Walter Veit fordert stattdessen einen stärkeren Fokus auf Qualität und Tierwohl in der landwirtschaftlichen Produktion.

Andere Länder haben mit einer Zuckersteuer bereits gute Erfahrungen gemacht. Experten der Akademie der Wissenschaften ermuntern zur Einführung auch in Deutschland.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert die Bundesregierung zu umfassenden Reformen auf. Wenn die Koalition ihre Mehrheit im Bundestag nicht nutze, sei dies schon «hart an der Grenze zur Verantwortungslosigkeit».

Werden Arbeitnehmer in Deutschland zu oft krankgeschrieben? Ja, befand Kanzler Merz schon am Wochenende. Er bekam dafür auch Kritik zu hören. Doch er bleibt bei seiner Position.

Wegen des hohen Krankenstands in Deutschland nimmt Bundeskanzler Friedrich Merz erneut die telefonische Krankschreibung ins Visier. Darüber müsse man mit dem Koalitionspartner SPD sprechen, sagte der CDU-Chef.

Die Einführung des verpflichtenden staatlichen Tierwohllogos verzögert sich deutlich. Wie Union und SPD im Bundestag beschlossen haben, wird der Start der Kennzeichnungspflicht auf den 1. Januar 2027 verschoben. Diese zusätzliche Zeit soll genutzt werden, um das System grundlegend nachzubessern und bereits ab Mitte 2027 auch auf Restaurants, Kantinen und die allgemeine Gastronomie auszuweiten.

Die Pläne der SPD zur Neugestaltung der Erbschaft- und Schenkungsteuer stoßen bei Wirtschaftsverbänden auf deutliche Ablehnung. Sowohl der DEHOGA Bundesverband als auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände warnen vor massiven Folgen für den deutschen Mittelstand und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.

Die erste Tarifrunde im hessischen Gastgewerbe endet ohne Ergebnis. Während die Gewerkschaft NGG das Arbeitgeberangebot als respektlosen Reallohnverlust kritisiert, pocht der DEHOGA auf die notwendige Stabilisierung der Betriebe durch die Mehrwertsteuersenkung.