Arbeitsminister Heil will «Job-Turbo» für Geflüchtete zünden

| Politik Politik

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Hunderttausende Geflüchtete mit Bleibeperspektive schneller in Arbeit bringen. Schwerpunktmäßig sollen dabei geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer, aber auch Menschen aus anderen Ländern schneller in Jobs vermittelt werden, kündigte Heil am Mittwoch in Berlin an. Manager des geplanten «Job-Motors» soll der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), Daniel Terzenbach, werden.

Dem Bundeskabinett werde er vorschlagen, den 42-jährigen BA-Mann zum Sonderbeauftragten der Regierung für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten zu machen, kündigte Heil an. Terzenbach sagte: «Der Turbo kommt zum richtigen Zeitpunkt.» Denn viele Betroffene verließen jetzt die Sprachkurse.

Potenzial von 400 000 Menschen

Heil sagte, über 100 000 Geflüchtete aus der Ukraine hätten in letzter Zeit einen Integrationskurs für den Spracherwerb abgeschlossen. «100 000 weitere schließen den Kurs in den nächsten Monaten ab.» Hinzu kämen etwa 200 000 Menschen aus anderen Herkunftsländern, für die das ebenso gelte. «Wir reden also über ein Potenzial für unseren Arbeitsmarkt von rund 400 000 Menschen», so Heil. «Diese Menschen wollen und werden wir schneller von der Schulbank der Integrationskurse an den Arbeitsplatz bringen.»

Kooperationspläne mit Jobcentern

Nach Angaben von BA-Chefin Andrea Nahles sind 19 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer, die seit Kriegsausbruch nach Deutschland bekommen sind, bereits in Beschäftigung. Der Schlüssel, um den «Job-Turbo» jetzt breiter zu zünden, sei eine höhere «Kundenkontaktdichte». Heil erläuterte: «In regelmäßigen kürzeren Abständen sollen im Gespräch zwischen Jobcentern und Geflüchteten Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.» Der Abstand zwischen den Gesprächen solle nicht länger als sechs Wochen betragen.

«Viele Geflüchtete aus der Ukraine sind gut qualifiziert und wollen arbeiten», sagte Heil. Klar sei aber, «dass der Weg von der Flüchtlingsunterkunft an den Arbeitsplatz kein Selbstläufer ist». Auf den Sprachkurs solle nicht die Arbeitslosigkeit folgen. «Es braucht Hilfe, es braucht Unterstützung.» In individuellen Kooperationsplänen sollen auch Schritte wie Weiterqualifizierung neben einer Beschäftigung oder weiterer Spracherwerb festgelegt werden. Heil betonte: «Wir erwarten eigene Anstrengungen, und Arbeitsangebote müssen angenommen werden.» Andernfalls sollen Kürzungen beim Bürgergeld folgen.

Wirtschaft soll mitmachen

Auch die Wirtschaft will Heil für verstärktes Engagement gewinnen. Mit den Personalvorständen der großen Unternehmen habe er bereits gesprochen, ein Treffen mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft und den Sozialpartnern solle am 20. November in Berlin folgen, sagte Heil. Das Ziel seien konkrete Verabredungen, Geflüchteten aus den Integrationskursen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Sprachkenntnisse seien dabei wichtig - «aber sie müssen nicht perfekt sein», sagte Heil. Terzenbach sagte, auch Migrantenorganisationen, Kommunen und Länder einbinden zu wollen. Die Betroffenen selbst sollten auch über soziale Netzwerke im Internet angesprochen werden.

Die Kosten sind hoch

Nahles forderte mehr Geld als bisher im Entwurf für den kommenden Bundeshaushalt für die Jobcenter vorgesehen. Geplanten Kürzungen von 700 Millionen Euro stünden Personalkostensteigerungen von 300 Millionen gegenüber. Für die Frage, «wie viel wir an Turbo auch auf die Straße kriegen», seien die anstehenden Haushaltsverhandlungen nicht unwichtig. Heil verwies darauf, dass nächstes Jahr bereits 9,8 Milliarden Euro für die Jobcenter zur Verfügung stehen sollten, er aber im Gespräch über «Verstärkungsmöglichkeiten» sei. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel lobte die Pläne und forderte, dass sich die Regierung von ihren Sparplänen bei den Jobcentern verabschieden solle. «Jobcenter mit neuen und wichtigen Aufgaben zu betrauen und gleichzeitig das Budget um 700 Millionen Euro zusammenzustreichen kann nicht funktionieren», sagte Piel.

Reaktionen der Koalitionspartner

Der FDP-Arbeitsmarktexperte Pascal Kober forderte eine zügige Umsetzung von Heils Ideen. «Der Erfolg muss sich an den tatsächlichen Integrationszahlen messen lassen, nicht nur an guten Absichten», sagte Kober. «Der Grundsatz unseres Sozialstaates ist, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten für seinen Lebensunterhalt selbst sorgt.» Die Wirksamkeit der Maßnahmen müsse in kurzen Abständen überprüft werden. Der Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch sprach von einem «wichtigen Schritt nach vorn». «Viele Menschen aus der Ukraine arbeiten bereits, wir wollen, dass es noch mehr werden», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Viele Ausländer fanden Jobs

Laut einem neuen Migrationsbericht der Malteser ist die insgesamt positive Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr vor allem auf die ausländische Bevölkerung zurückzuführen. «407 000 Personen dieser Gruppe fanden im Jahr 2022 eine Beschäftigung», so die Malteser. Etwa ein Fünftel aller Unternehmen sei von Personen mit Migrationshintergrund gegründet worden. «Ein Arbeitsplatz schafft zudem gute Voraussetzungen zum Kontakt mit der deutschen Bevölkerung.» Wie Heil wiesen aber auch die Malteser auf die Grenzen der Aufnahmemöglichkeiten vieler Kommunen hin. «Auch die Malteser betreuen im Sommer 2023 in den Gemeinschaftsunterkünften von Ländern und Kommunen so viele Menschen wie nie zuvor.»


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

In der EU bleibt die Zukunft von Namen wie «Tofu-Wurst», «Soja-Schnitzel» oder «Veggie-Burger» für vegetarische Produkte zunächst offen. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments konnten sich nach intensiven Verhandlungen in Brüssel zunächst nicht auf neue Vorgaben einigen. Die Entscheidung wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. 

Beim Kauf von Koteletts soll künftig auch ein amtliches Siegel über die Zustände in den Ställen informieren. Der Start verzögert sich weiter. Für eine Ausdehnung gibt es nun aber ein Datum. Das verpflichtende Logo soll auch für die Außer-Haus-Verpflegung in Restaurants und Gaststätten greifen. 

Sternekoch Alexander Herrmann tritt bei der Kommunalwahl 2026 als CSU-Kandidat für den Kreistag Kulmbach an. Der bekannte Gastronom steht auf dem 50. und damit letzten Listenplatz.

Schleswig-Holsteins schwarz-grüne Landesregierung will der geplanten steuerlichen Entlastung für Pendler, Gastronomen und Ehrenamtler kommende Woche im Bundesrat zustimmen. Die Gastronomie sei zentral für ihr Land als Tourismus-Standort, wirtschaftlich wie kulturell, so Ministerpräsident Daniel Günther.

Nachdem der Bundestag in der vergangenen Woche das Steueränderungsgesetz 2025 verabschiedet hat, liegt die Entscheidung über die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie nun beim Bundesrat. Die Länderkammer muss dem Gesetz am 19. Dezember 2026 zustimmen. Jetzt äußerten sich Ministerpräsidenten.

Die Obergrenze für Arbeitsmigration über die Westbalkanregelung ist für 2025 erreicht, was zu Ablehnungen offener Anträge führt und bei Wirtschaftsverbänden angesichts politischer Pläne zur Kontingentsreduzierung auf 25.000 auf Kritik stößt.

Die Regierungschefs der Bundesländer haben sich zusammen mit Bundeskanzler Friedrich Merz auf ein umfangreiches Reformpaket zur Modernisierung von Staat und Verwaltung geeinigt. Dieses könnte bei konsequenter Umsetzung auch für das Gastgewerbe spürbare Entlastungen bringen.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erwägt ein Subunternehmerverbot für Essenslieferdienste wie Uber Eats, Wolt und Lieferando. Die Maßnahme soll nach einer rbb-Recherche, in der auf mögliche kriminelle Strukturen in der Branche hingewiesen wurde, effektiver gegen zahlreiche Verstöße gegen das Arbeitsrecht vorgehen.

Der Bundestag hat das Steueränderungsgesetz 2025 beschlossen. Das Gesetz setzt die im Koalitionsausschuss vereinbarten steuerlichen Rechtsänderungen um. Zu den zentralen Beschlüssen gehört die dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent.

Gastronomen, Pendler sowie Ehrenamtler sollen steuerlich entlastet werden. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag in Berlin beschlossen. Nun muss noch der Bundesrat den Weg für das Branchenanliegen freimachen.