Corona-Lockerungen für Feiertage werden in Frage gestellt

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Angesichts anhaltend hoher Corona-Zahlen steht die vorübergehende Lockerung von Kontaktbeschränkungen über Weihnachten und Neujahr wieder in Frage. Aus den Reihen von Union und SPD mehren sich die Warnungen, kein überflüssiges Risiko einzugehen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Samstag, dank der Fortschritte bei Impfstoffen gebe es «Licht am Ende des Tunnels». Allerdings dürfte sich der Kampf gegen die Pandemie noch über viele Monate hinziehen. Gesundheitsminister Jens Spahn (ebenfalls CDU) erwartet Massenimpfungen in Deutschland bis zum Sommer.

Entgegen vieler Hoffnungen liegt die Zahl der Neuinfektionen auch rund fünf Wochen nach Inkrafttreten des Teil-Lockdowns noch auf hohem Niveau. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Samstag binnen eines einzigen Tages 23 318 neue Infektionen. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 21 695. Mit 483 neuen Todesfällen wurde der Höchststand seit Ausbruch der Pandemie nur knapp verfehlt. Deshalb wächst die Sorge, dass bei einer Lockerung über die Feiertage die Zahlen anschließend in die Höhe schnellen.

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Bärbel Bas sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Sollten die Zahlen bis zum 20. Dezember auf diesem hohen Niveau bleiben, sollten die Maßnahmen über die Feiertage nicht gelockert werden. Es sollte dann bei den jetzt gültigen Beschränkungen bis in den Januar bleiben.» Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte der «Augsburger Allgemeinen», bei vergleichbaren Zahlen solle es zu Silvester keine Lockerungen geben. Das bayerische Kabinett will bereits an diesem Sonntag über Verschärfungen beraten.

Seit Anfang November gelten wieder Kontaktbeschränkungen, zum 1. Dezember wurden sie in fast allen Bundesländern verschärft. Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten sind nun auf fünf Teilnehmer aus maximal zwei Haushalten beschränkt. Kinder bis 14 Jahren sind ausgenommen. Mit Blick auf die Festtage haben Bund und Länder jedoch vereinbart, bei Familientreffen vom 23. Dezember bis 1. Januar zehn Personen plus Kinder zuzulassen. Allerdings machen nicht alle Bundesländer diese Lockerung mit.

Die Hoffnung vieler ruht nun auf baldigen Impfungen. Merkel sagte in ihrem wöchentlichen Video-Podcast: «Nach mehr als einem Dreivierteljahr der Pandemie sehen wir mittlerweile ja Licht am Ende des Tunnels.» Es bestehe die Hoffnung, dass sehr bald ein oder mehrere Impfstoffe zur Verfügung stünden. «Dann können wir Schritt für Schritt das Virus besiegen.» Merkel fügte aber auch hinzu, dies sei keine Sache von wenigen Monaten.

Spahn sagte dem Nachrichtenportal t-online, insgesamt gebe es fünf Impfstoffe, die mit einer «gewissen Wahrscheinlichkeit» bis zur Jahresmitte zugelassen würden. Dazu zählte er neben den Entwicklungen von Biontech/Pfizer und Moderna auch die Produkte von Curevac, Astra Zeneca sowie Johnson & Johnson. Millionen Bundesbürger könnten schon im Frühjahr durch Impfungen immun sein. Auf die Frage, ob Deutschland im Herbst mit dem Gröbsten durch sei, antwortete der Minister: «Wenn möglichst viele das Impfangebot wahrnehmen: ja.»

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte jedoch vor übergroßen Erwartungen. Vorstand Eugen Brysch sagte der Deutschen Presse-Agentur. «Die Botschaft «Wer geimpft ist, kann nicht an Covid-19 erkranken und ist immun» stimmt nicht.» Die Koalition hatte per Gesetz festgelegt, dass die Bundesregierung durch Verordnung die Regeln für die Impfung aufstellen kann. Risikogruppen - also Ältere und Kranke -, Beschäftigte im Gesundheitsdienst und in zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge werden dabei herausgehoben genannt.

Nach einer Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages ist das Impfen gegen das Coronavirus per Verordnung jedoch nicht der richtige Weg. In dem Dokument, das der dpa vorliegt, heißt es: «Der überwiegend vertretenen Auffassung, wonach die Priorisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen beim Zugang zu Impfstoffen eines förmlichen Gesetzes bedarf, das zumindest die wesentlichen Kriterien für die Verteilung eines knappen Impfstoffes regelt, ist zuzustimmen.» (dpa)


 

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