Dehoga: „Aktuelle Belastungen für die Branche sind gewaltig. Politik muss gegensteuern“

| Politik Politik

Nachhaltige Energiebeschaffung und Klimaschutz gehören zu den drängendsten Themen der Zeit. Die Kosten für Strom, Heizöl und Gas schnellen in ungekannte Höhen. Das Gastgewerbe ist davon besonders hart getroffen. Darüber hinaus wächst bei Gastronomen und Hoteliers die Angst vor Versorgungslücken.

„Die Kostenexplosionen bei Energie führen immer mehr zu existenziellen Nöten im Gastgewerbe“, sagt Patrick Rothkopf, der Vorsitzende des neuen DEHOGA-Bundesausschusses für Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit. „Ich erwarte, dass die Politik alles unternimmt, um die daraus resultierenden Belastungen für unsere Betriebe einzudämmen.“ Es verstehe sich von selbst, dass die Unternehmen bereits in erheblichem Umfang in Energiesparmaßnahmen investieren. „Aber eine Vervielfachung der Energiekosten kann nicht über Preisanpassungen kompensiert werden, denn auch unsere Gäste sind davon betroffen. Um die Belastungen abzufedern, muss seitens der Politik gegengesteuert werden.“

Dem Austausch, der Beratung und Aufbereitung energie- und nachhaltigkeitsrelevanter Themen für die Branche kommt eine immer größer werdende Bedeutung zu. Zusätzlich zu den aktuellen Entwicklungen sind die vielfältigen Aspekte des Umwelt- und Klimaschutzes bei Unternehmen wie Gästen bereits in den letzten Jahren stärker in den Fokus gerückt. Um der gestiegenen Relevanz auch innerverbandlich Rechnung zu tragen, wurde der DEHOGA-Arbeitskreis Umwelt umgewandelt in den „DEHOGA-Bundesausschuss für Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit.“

Am 30. August traf sich der neue Ausschuss zu seiner konstituierenden Sitzung in Berlin. An die Spitze des neuen Bundesausschusses gewählt wurde Patrick Rothkopf vom Hotel Restaurant Rothkopf in Euskirchen und Präsident des DEHOGA NRW. Zu seinen Stellvertretern beriefen die Mitglieder Jasmin Ohlendorf vom Renthof Kassel in Kassel und Vorstandsmitglied des DEHOGA Kreisverbandes Kassel, sowie Klaus-Günther Wiesler vom Seehotel Wiesler in Titisee-Neustadt und Vorsitzender der Fachgruppe Tourismus und Hotellerie des DEHOGA Baden-Württemberg.

Vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen seien die Herausforderungen für die Branche gewaltig. „Mehr denn je gilt es, dass der DEHOGA Kräfte und Kompetenzen bündelt und sich als Stimme der Branche im Interesse der Unternehmer positioniert, Einfluss nimmt und tatkräftige Unterstützung anbietet“, erklärt Rothkopf.

Auch mit Blick auf immer neue klimapolitische Verpflichtungen der Betriebe und damit verbundene neue Kosten drängt der Ausschussvorsitzende auf die Verhältnismäßigkeit und Kostenverträglichkeit der Maßnahmen – das gelte bei Konzepten zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen genauso wie bei der Einführung von Mehrwegsystemen.

Umweltschutz sei für das Gastgewerbe im Übrigen nichts Neues und schon seit langer Zeit ein Verkaufsargument. Gerade Gastronomie und Hotellerie seien auf eine intakte Umwelt angewiesen wären. Das habe der DEHOGA bereits vor Jahrzehnten erkannt und Verantwortung übernommen, so Rothkopf und verwies auf die DEHOGA-Energiekampagne Gastgewerbe, den DEHOGA-Umweltcheck, das Gütesiegel Viabono sowie die zahlreichen Verbandspublikationen und Initiativen. „Wir wollen unseren Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leisten“, betont Rothkopf. „Dabei kämpfen wir für intelligente, effiziente und praxistaugliche Neuregelungen, die die gastgewerblichen Betriebe nicht über Gebühr belasten.“

Dem neuen DEHOGA-Bundesausschuss für Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit gehören 33 gastgewerbliche Unternehmer und Vertreter aus den DEHOGA-Landesverbänden an.


Zurück

Vielleicht auch interessant

In der EU bleibt die Zukunft von Namen wie «Tofu-Wurst», «Soja-Schnitzel» oder «Veggie-Burger» für vegetarische Produkte zunächst offen. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments konnten sich nach intensiven Verhandlungen in Brüssel zunächst nicht auf neue Vorgaben einigen. Die Entscheidung wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. 

Beim Kauf von Koteletts soll künftig auch ein amtliches Siegel über die Zustände in den Ställen informieren. Der Start verzögert sich weiter. Für eine Ausdehnung gibt es nun aber ein Datum. Das verpflichtende Logo soll auch für die Außer-Haus-Verpflegung in Restaurants und Gaststätten greifen. 

Sternekoch Alexander Herrmann tritt bei der Kommunalwahl 2026 als CSU-Kandidat für den Kreistag Kulmbach an. Der bekannte Gastronom steht auf dem 50. und damit letzten Listenplatz.

Schleswig-Holsteins schwarz-grüne Landesregierung will der geplanten steuerlichen Entlastung für Pendler, Gastronomen und Ehrenamtler kommende Woche im Bundesrat zustimmen. Die Gastronomie sei zentral für ihr Land als Tourismus-Standort, wirtschaftlich wie kulturell, so Ministerpräsident Daniel Günther.

Nachdem der Bundestag in der vergangenen Woche das Steueränderungsgesetz 2025 verabschiedet hat, liegt die Entscheidung über die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie nun beim Bundesrat. Die Länderkammer muss dem Gesetz am 19. Dezember 2026 zustimmen. Jetzt äußerten sich Ministerpräsidenten.

Die Obergrenze für Arbeitsmigration über die Westbalkanregelung ist für 2025 erreicht, was zu Ablehnungen offener Anträge führt und bei Wirtschaftsverbänden angesichts politischer Pläne zur Kontingentsreduzierung auf 25.000 auf Kritik stößt.

Die Regierungschefs der Bundesländer haben sich zusammen mit Bundeskanzler Friedrich Merz auf ein umfangreiches Reformpaket zur Modernisierung von Staat und Verwaltung geeinigt. Dieses könnte bei konsequenter Umsetzung auch für das Gastgewerbe spürbare Entlastungen bringen.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erwägt ein Subunternehmerverbot für Essenslieferdienste wie Uber Eats, Wolt und Lieferando. Die Maßnahme soll nach einer rbb-Recherche, in der auf mögliche kriminelle Strukturen in der Branche hingewiesen wurde, effektiver gegen zahlreiche Verstöße gegen das Arbeitsrecht vorgehen.

Der Bundestag hat das Steueränderungsgesetz 2025 beschlossen. Das Gesetz setzt die im Koalitionsausschuss vereinbarten steuerlichen Rechtsänderungen um. Zu den zentralen Beschlüssen gehört die dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent.

Gastronomen, Pendler sowie Ehrenamtler sollen steuerlich entlastet werden. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag in Berlin beschlossen. Nun muss noch der Bundesrat den Weg für das Branchenanliegen freimachen.