Deutschland-Abo für 34,30 Euro - Jobticket soll es möglich machen

| Politik Politik | Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Bundesweit gültig, vergleichsweise günstig und vor allem einfach: Das 49-Euro-Ticket soll den Nah- und Regionalverkehr in Deutschland attraktiver machen und zahlreiche neue Fahrgäste in Busse und Bahnen bringen. Für die Millionen Pendlerinnen und Pendler in Deutschland soll es mithilfe einer Jobticket-Regelung noch günstiger werden. 34,30 Euro oder weniger könnte das Monatsabo für sie kosten - wenn der Arbeitgeber mitzieht. Aber ob das dem Öffentlichen Verkehr den notwendigen Schub verleiht, sehen manche Verkehrsexperten skeptisch.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zeigt sich von dem Angebot jedenfalls überzeugt. «Arbeitgeber haben die Möglichkeit, zusätzliche Anreize zu schaffen und ihren Beschäftigten das Deutschlandticket als Jobticket bereitzustellen. Das macht das Angebot auch für Pendler und für den Alltagsverkehr noch einmal interessanter», sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur. Ziel sei, dass sich so viele Menschen wie möglich für den klimafreundlichen Nahverkehr entschieden. Das neue Ticket baue Hürden ab, indem das preiswerter, einfacher und digitaler werde.

Das Deutschlandticket für den bundesweiten Nah- und Regionalverkehr zum Preis von 49 Euro im Monat soll vom 1. Mai an gelten. Offizieller Verkaufsstart ist an diesem Montag. Als Jobticket kann es Beschäftigte nur 34,30 Euro kosten, oder auch weniger. Voraussetzung ist, dass Arbeitgeber mindestens 25 Prozent als Zuschuss geben. Dann gibt es vorerst bis Ende 2024 zusätzlich fünf Prozent Preisabschlag vom Bund dazu. Das Finanzierungsgesetz für das Deutschlandticket hatte der Bundesrat am Freitag besiegelt.

Die Verkehrsbranche sieht in dieser Regelung «einen wichtigen Hebel zur Neukundengewinnung», wie ein Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Samstag mitteilte. Die Zahl der Jobtickets in Deutschland bewegt sich dem VDV zufolge im unteren einstelligen Millionenbereich. Der Branchenverband strebe mithilfe der neuen Jobticket-Regelung eine Verdoppelung bis Verdreifachung an. «Die Verkehrsunternehmen haben dafür einfache Prozesse für die Arbeitgeber aufgesetzt», hieß es. Interessierte Unternehmen sollen sich auf den Seiten der Verkehrsunternehmen schnell zurechtfinden können.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund sprach von einer guten Idee, das neue Ticket als Jobticket anzubieten. «Das macht es attraktiver», sagte Vorstandsmitglied Stefan Körzell der dpa. Jobtickets leisteten einen wichtigen Beitrag für den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn. Ob Betriebe diese Chance für ihre Beschäftigten nutzten, hänge von zusätzlichen Anreizen ab, über die politisch entschieden werden müsse. Der DGB empfehle einen dauerhaften Jobticket-Rabatt von fünf Prozent, wenn Firmen es mit mindestens 25 Prozent bezuschussten. Das Angebot als Jobticket müsse schnell und flächendeckend kommen.

Doch aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn ist der Preis nicht das einzige Kriterium, das Pendlerfahrten in Bussen und Bahnen attraktiv macht. «Dort wo der öffentliche Verkehr gut ist und der Weg zum Arbeitgeber nicht zu weit weg, da kann das Jobticket schon mal ein bisschen Attraktivität steigern», sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der dpa am Samstag.

Wichtiger seien Investitionen in die Infrastruktur und in die Qualität des Angebots. Gleichzeitig müsse es unattraktiver werden, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren: «Es wäre mindestens eine ebenso große Jobticketförderung, wenn Parkplätze für Arbeitnehmer grundsätzlich kostenpflichtig wären», schlug Naumann vor. DGB-Vorstandsmitglied Körzell sagte: «Schon heute sind Busse und Bahnen besonders zu den Stoßzeiten rappelvoll, im ländlichen Raum ist das Angebot mickrig, und überall fehlt Personal», betonte er. Oberstes Gebot sei deshalb, für den öffentlichen Nahverkehr genug Geld bereitzustellen.

Zahlreiche Verkehrsunternehmen haben bereits Vorbestellungen angenommen, am Montag beginnt der Verkauf des neuen 49-Euro-Tickets auch offiziell. Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) geht davon aus, dass etwa 5,6 Millionen Menschen durch das Deutschlandticket zu neuen Abonnenten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden. Darüber hinaus erwartet der VDV, dass 11 Millionen der aktuell rund 12 bis 14 Millionen Menschen mit einem Nahverkehrs-Abo auf das Deutschlandticket wechseln werden.

200 Euro weniger zwischen den Hauptbahnhöfen Köln und Düsseldorf

Die Ersparnis für Pendlerinnen und Pendler durch den neuen Fahrschein für 49 Euro im Monat beziehungsweise 588 Euro im Jahr fällt sehr unterschiedlich, aber für beliebte Pendlerstrecken durchweg üppig aus. Wer zum Beispiel zwischen Köln Hauptbahnhof und Düsseldorf Hauptbahnhof pendelt, muss derzeit für die 40-minütige Fahrt regulär rund 250 Euro für das Monatsticket im Abo zahlen. Zwischen Bremen und Hamburg kostet das Monatsticket im Abo 229,30 Euro, zwischen Hannover und Göttingen 226,90.

Im Verkehrsverbund Stuttgart kostet das Monatsticket als Abo-Variante/Jahresticket 205,83 Euro pro Monat. Das Netz ist in acht Zonen aufgeteilt, wer nicht alle Zonen braucht, kommt günstiger davon. Städte wie Böblingen oder Ludwigsburg gehören zum Verbundgebiet dazu. Wer aber beispielsweise von Karlsruhe, Aalen oder Tübingen nach Stuttgart pendelt, muss mehr zahlen.

Pendeln nach München, Berlin, Frankfurt deutlich günstiger

Wer in Bayern von Dachau mit der Isarcard des Münchner Verkehrsverbunds MVV nach München pendelt, zahlt für eine Jahreskarte für den Großraum aktuell 966 Euro. Aus Fürstenfeldbruck oder Starnberg werden 1197 Euro fällig, aus Herrsching am Ammersee 1497 Euro, aus Freising, Erding oder Wolfratshausen 1761 Euro.

Für Fernpendler, die mit dem Zug fahren, lohnt sich das 49-Euro-Ticket noch mehr: Die Deutsche Bahn bietet das digitale Jahresabo mit Nahverkehrszügen für die Strecke Augsburg - München für 2595 Euro an, die Strecke Rosenheim - München kostet 2620 Euro und die Strecke Ingolstadt - München sogar 2734 Euro.

Für Pendlerinnen und Pendler in Berlin und Brandenburg sind die Ersparnisse im Vergleich dazu noch gering. Für die Strecke Potsdam - Berlin werden seit dem 1. April für ein Abo mit jährlicher Abbuchung 1038 Euro fällig. Wer von Frankfurt (Oder) nach Berlin pendelt, muss im Jahr 1714 Euro zahlen.

Ein wahrer Pendler-Magnet ist das hessische Frankfurt. Zwischen 9 und 17 Uhr ist die Stadt deutlich voller als zu anderen Zeiten. Viele Arbeitnehmer kommen aus Wiesbaden in die Main-Metropole - laut dem Rhein-Main-Verkehrsverbund kostet für diese Pendlerinnen und Pendler die Jahreskarte mit einmaliger Abbuchung 1902 Euro. Gleiches gilt für die Strecke Mainz - Frankfurt am Main.

Aber: Beim Deutschlandticket in der Regel keine Mitnahme erlaubt

Im Preis ist das Deutschlandticket für alle genannten Strecken also unschlagbar, in einigen Fällen lohnt es sich bereits nach zwei Fahrten - zwischen Hamburg und Bremen etwa kostet der Einzelfahrschein aktuell 25 Euro. Aber: Das Deutschlandticket ist personengebunden und bietet in der Regel keine Möglichkeit zur Mitnahme anderer Menschen. Die oben aufgeführten Zeitkarten ermöglichen zum Teil zumindest zu bestimmten Zeiten die Mitnahme oder sind übertragbar. Ein genauer Blick auf die Details des aktuellen Tarifs kann sicher nicht schaden.

Deutschlandticket als Jobticket möglich

Bereits jetzt sorgen zudem Jobtickets auf vielen Strecken für deutlich günstigere Monatspreise. Diese Tickets sind allerdings in ihren Regularien, Zuzahlungsvarianten und Gültigkeiten sehr unterschiedlich aufgebaut und lassen sich kaum vergleichen.

Das Deutschlandticket kann ebenfalls als Jobticket bezogen werden. Wenn der Arbeitgeber mindestens 25 Prozent der Kosten trägt, gibt es einen Rabatt von weiteren 5 Prozent. Das heißt: Zahlt der Arbeitgeber den Mindestbetrag von 12,25 Euro zu, kostet das Deutschlandticket den Verbraucher lediglich 34,30 Euro. (dpa)

Zurück

Vielleicht auch interessant

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigt die Pläne der schwarz-roten Koalition, die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Es sei zwar das Ende der telefonischen Krankschreibung vereinbart, nicht aber die Möglichkeit eines Attests per Video. 

Die Stadt Bamberg will die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen in weiten Teilen des Stadtgebiets künftig verhindern. Neue Bebauungspläne und Veränderungssperren sollen den Wohnungsmarkt langfristig schützen.

Mit den Worten „Die Minijobs bleiben“ hat sich CSU-Chef Markus Söder klar gegen eine Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung ausgesprochen. Seine Aussage erfolgt wenige Tage nach einem Brandbrief von Wirtschaftsverbänden und vor der für den Herbst angekündigten Entscheidung der Bundesregierung.

Eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden, darunter der DEHOGA, hat die Bundesregierung eindringlich davor gewarnt, Minijobs im Zuge der geplanten Sozial- und Rentenreformen faktisch abzuschaffen oder deutlich zu verteuern. In einem Brandbrief fordern sie den Erhalt der Minijobs in ihrer heutigen Form. 

Für die rund 80.000 Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe im Norden beginnen die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft NGG hat mit Forderungen nach einem Lohnplus von fast 6 Prozent vorgelegt.

Die staatlichen Wirtschaftshilfen während der Corona-Pandemie haben nach einer ZEW-Analyse zahlreiche Arbeitsplätze gesichert. Die zunächst befristete Mehrwertsteuersenkung für Speisen in der Gastronomie kam hingegen nicht so gut an bei den Forschern.

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen bald teurer werden – durch einen Aufschlag bei der Steuer. Das soll nicht nur dazu beitragen, den Haushalt zu sanieren.

Die Bundesärztekammer begrüßt die Pläne der Bundesregierung Alkohol, Tabak und gesüßte Getränke stärker zu besteuern - fordert aber noch weitergehende Schritte: Bei Alkohol greife die Beschränkung auf einzelne Produktgruppen wie Spirituosen oder Schaumwein zu kurz.

Mehr Ausgaben und höhere Schulden: Das sind Kernpunkte des Bundeshaushalts 2027. Finanzminister Lars Klingbeil schließt Milliardenlücken, muss dazu aber in eine Rücklage greifen. Zur Konsolidierung des Haushalts plant die Regierung zudem den Abbau von Finanzhilfen.

Branchenverbände sehen in den Koalitionsbeschlüssen ein Signal für den Fortbestand der Minijobs. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte die Entscheidung über den rentenpolitischen Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen jedoch erst für den Herbst an.