Gastgewerbe fordert Verlängerung der Corona-Hilfen

| Politik Politik

Die Lage im Gastgewerbe spitzt sich trotz geöffneter Betriebe wieder zu. Das geht aus einer aktuellen Branchenumfrage hervor, die der DEHOGA Bayern Mitte November durchgeführt hat und an der 1.043 Betriebe teilgenommen haben. Daraus geht auch hervor, dass die aktuelle Infektionslage und das Signal, das durch die 2G-Regelung gesendet wurde, das Gästeverhalten derzeit stark beeinflussen. So gibt es bereits jetzt 96,8 Prozent an coronabedingten Absagen von Weihnachtsfeiern in den Betrieben. Die Stornierungen betreffen auch den Bereich Veranstaltungen und Tagungen (94,7 Prozent) und Übernachtungen (57,2 Prozent).

„Wir erleben, dass die gastgewerblichen Betriebe zwar offen sind, aber keiner mehr kommt,“ so DEHOGA Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer. Dabei gilt der Besuch in den gastgewerblichen Betrieben durch die strengen Hygienevorgaben nach wie vor als sicher. Das Gastgewerbe war nie Pandemietreiber, sondern bietet einen geschützten Raum für notwendige soziale Kontakte. „Verzweiflung und starke Betroffenheit auch bei unseren Mitarbeitern macht sich breit. Wir haben in weiten Teilen alles getan, dass Menschen sicher sind, und sie sind es auch weiter. Nur kommt jetzt die Angst auf und dagegen sind wir machtlos,“ beklagt Inselkammer.

„Wir wollen jetzt nicht schwarzsehen, aber vom Licht am Ende des Tunnels – das uns durch die Impfungen gegeben wurde – entfernen wir uns wieder mehr und mehr,“ so Inselkammer weiter. Laut Umfrage hat sich der Umsatz seit dem 1. November 2021 im Vergleich zum Vorkrisenniveau (Jahr 2019) um 40 Prozent ins Minus entwickelt.

Der Landesgeschäftsführer des DEHOGA Bayern Dr. Thomas Geppert fordert deshalb auch weiterhin finanzielle Unterstützung durch die nun hervorgerufenen Umsatzausfälle: „Die Betriebe haben laufende Kosten, die Gäste aber bleiben größtenteils fern“. Die Überbrückungshilfe III Plus müsse unbedingt erweitert und verlängert werden. Ebenso sei die Entfristung der Mehrwertsteuersenkung unter einem Einbezug von Getränken wesentlich. „Vor allem den getränkegeprägten Betrieben, die am meisten von der Krise betroffen waren, wäre damit nachhaltig geholfen“, so Geppert.
 
Mit den Krisenfolgen wird die Branche noch lange zu ringen haben. Zu den finanziell größten Herausforderungen für die Betriebe zählen die Rückzahlung von Hausbank- und KfW-Krediten, sowie fällige Zahlungen gestundeter Mieten und Pachten, von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. „Vor diesem Hintergrund und der sich erneut zuspitzenden Situation brauchen wir dringend finanzielle Zusicherungen,“ betont Geppert. Der Landesgeschäftsführer begrüßt in diesem Zusammenhang auch die Verlängerung des Rahmens für staatliche Beihilfen durch die Europäische Kommission sowie insbesondere, dass die Obergrenzen für Kleinbeihilfen und Fixkostenhilfen erneut erhöht wurden.

Dazu Geppert: „Damit ist die Grundlage geschaffen, um Betrieben vielfach überhaupt noch helfen zu können, da ihr Rahmen bereits ausgeschöpft war.“ Die derzeitige Verschärfung der Regelungen auf größtenteils 2G sei wegen der derzeit akut drohenden Überlastung des Gesundheitssystems, insbesondere durch Ungeimpfte, unvermeidbar und vorhersehbar gewesen, dennoch dürften jetzt keine weiteren Einschränkungen mehr folgen. „Das würde für viele gastgewerbliche Betriebe endgültig das Aus bedeuten,“ so Geppert.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft warnt vor wirtschaftlichen Folgen zentraler AfD-Positionen. Im Mittelpunkt stehen Zuwanderung, offene Grenzen und eine mögliche Abkehr vom Euro.

Der Schweizer Ständerat hat einer Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungen um acht Jahre zugestimmt. HotellerieSuisse fordert nun den Nationalrat zum Mitziehen auf.

Eine Preisstudie im Auftrag der NGG zeigt nach der Mehrwertsteuersenkung zum Jahresbeginn kaum günstigere Restaurantgerichte. Die Gewerkschaft sieht die Entlastung der Gäste als ausgeblieben an. Der DEHOGA widerspricht: Die Steuersenkung sei kein Preissenkungsprogramm, sondern sichere Betriebe und stabilisiere Preise.

Das Schweizer Parlament will freiwillige Trinkgelder von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausnehmen – auch bei elektronischer Zahlung. Der Bundesrat lehnt eine generelle Ausnahme ab und warnt vor möglichen Folgen für die soziale Absicherung.

Die Bundesregierung plant neue Vorgaben für das Bezahlen in Deutschland. Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen ab 2027 neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten. Welche Verfahren akzeptiert werden müssen und welche Ausnahmen vorgesehen sind.

Die britische Regierung will Regionalbürgermeistern in England künftig die Möglichkeit geben, eine Abgabe auf Übernachtungen zu erheben. Entsprechende Pläne für die sogenannte Touristensteuer stellte nun Wohnungsbauministerin Angela Rayner vor.

Ein politischer Appell des DEHOGA Sachsen-Anhalt, im Nachgang der Landtagswahlen, sorgt für heftigen Streit: Rund 1.700 Kommentare haben sich unter dem Facebook-Beitrag gesammelt. Während einige Nutzer ankündigen, das Bundesland als Reiseziel zu meiden, werfen andere dem Verband vor, Hotellerie und Tourismus zu schaden.

Ferienwohnungen für Touristen, steigende Mieten für Einheimische: In vielen europäischen Städten wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Die Europäische Kommission will Kommunen und Behörden deshalb einen rechtssicheren Rahmen an die Hand geben, um Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb und Booking stärker zu begrenzen. 

Klare Ansage der Potsdamer Wirtschaft: 85 Prozent der 110 teilnehmenden Unternehmen lehnen die Einführung der kommunalen Verpackungssteuer ab. Das ist das zentrale Ergebnis einer gemeinsamen Mitgliederbefragung verschiedener Verbände.

Hürden für einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben müssen abgebaut werden, sagt der Gewerkschaftsbund. Auch auf hohe Lebenshaltungskosten müsse reagiert werden. Wie sich der DGB das vorstellt.