Gewerkschaft NGG unterstützt Vorstoß zur Abschaffung von Minijobs

| Politik Politik

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unterstützt die Vorschläge der Rentenkommission zur Abschaffung des steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobs. Wie die Gewerkschaft mitteilte, sollten Beschäftigte vom ersten verdienten Euro an sozial abgesichert sein. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) lehnt die Vorschläge hingegen ab und warnt vor erheblichen Folgen für das Gastgewerbe.

Nach den bekannt gewordenen Empfehlungen der Rentenkommission soll der Sonderstatus von Minijobs künftig nur noch für Schüler gelten. Während die NGG darin einen Schritt zu mehr sozialer Absicherung sieht, spricht der DEHOGA von einer Gefährdung eines zentralen Beschäftigungsinstruments der Branche.

NGG sieht Minijobs als Ursache für unsichere Beschäftigung

NGG-Vorsitzender Guido Zeitler erklärt, Minijobs hätten sich nicht als Brücke in reguläre Beschäftigung bewährt, sondern würden für Millionen Menschen prekäre Arbeitsverhältnisse verfestigen. Sie förderten nach seiner Darstellung niedrige Einkommen, fehlende Rentenansprüche und erhöhten das Risiko von Altersarmut, insbesondere für Frauen.

Mit Blick auf die Kritik des DEHOGA entgegnet Zeitler, Minijobs führten viele Menschen über Jahre in eine berufliche Sackgasse. Wer arbeite, müsse von seiner Arbeit leben können und vom ersten Euro an gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter abgesichert sein.

Nach Angaben der NGG ist im Gastgewerbe nahezu jedes zweite Beschäftigungsverhältnis ein Minijob. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass der Sonderstatus aus ihrer Sicht falsche Anreize setze und reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erschwere. Ziel seien Arbeitsverhältnisse mit fairen Löhnen, verlässlichen Rentenansprüchen und umfassender sozialer Absicherung.

DEHOGA warnt vor Folgen für Betriebe und Beschäftigung

Der DEHOGA Bundesverband hatte vor den Empfehlungen der Rentenkommission gewarnt. DEHOGA-Präsident Guido Zöllick bezeichnete die Vorschläge als realitätsfern und erklärte, sie würden das Gastgewerbe erheblich belasten.

Nach Angaben des Verbandes gibt es im Gastgewerbe rund 1,1 Millionen geringfügig Beschäftigte. Minijobs seien insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen wichtig, um Abend- und Wochenendschichten, Veranstaltungen sowie saisonale Nachfragespitzen abzudecken.

Zöllick betont, Minijobs entsprächen häufig den Wünschen der Beschäftigten, ermöglichten flexible Arbeitszeiten und könnten Schwarzarbeit bei Nebenbeschäftigungen entgegenwirken. Zudem verweist der Verband darauf, dass eine Beschränkung auf Schüler aus seiner Sicht an den gesetzlichen Vorgaben für Minderjährige scheitere, die insbesondere Einsätze am Abend und an Wochenenden begrenzten.

Der DEHOGA argumentiert außerdem, Minijobs verdrängten keine sozialversicherungspflichtigen Stellen, sondern stützten diese. Eine Umwandlung in reguläre Beschäftigung sei wegen des geringen Stundenumfangs vielfach nicht möglich.

Die Vorschläge der Rentenkommission werden derzeit politisch diskutiert. Ob und in welcher Form sie umgesetzt werden, ist bislang offen.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Europäische Union hat sich vorläufig auf eine Reform der Koordinierung der Sozialversicherungssysteme verständigt. Wie aus einer Mitteilung des Geschäftsreiseverbades BT4Europe hervorgeht, betrifft die Einigung insbesondere die Abschaffung der A1-Bescheinigung für kurzfristige grenzüberschreitende Geschäftsreisen.

Caroline von Kretschmann äußert sich zur Entlastungsprämie und nennt eine Beispielrechnung: Für die Auszahlung an alle Mitarbeiter wären 3,3 Millionen Euro zusätzlicher Umsatz erforderlich. Auch der DEHOGA Hessen kritisiert das Maßnahmenpaket der Bundesregierung.

Als Reaktion auf gestiegene Kosten durch den Iran-Krieg ermöglicht die Koalition eine steuerfreie Krisenprämie für Arbeitnehmer. Die Wirtschaft hat aber schon verhalten reagiert.

Der Kanzler hat mit einer Äußerung zur gesetzlichen Rente für Empörung gesorgt. Auf dem CDA-Kongress versucht er, die Gemüter zu beruhigen. Und er hat eine Botschaft für den Koalitionspartner.

Sollten Steueraufschläge für Cola und Limo kommen, um Anreize für gesündere Ernährung zu setzen? Die Gesundheitsministerin ist dafür. Doch das letzte Wort in der Regierung ist noch nicht gesprochen.

Ein Verbändebündnis warnt vor einer Ausweitung der Kennzeichnung der Tierhaltung auf verarbeitete Lebensmittel und die Gastronomie. Die Verbände befürchten steigende Preise für Verbraucher und einen bürokratischen Mehraufwand für die Betriebe.

Der Hotelverband Deutschland plant mit „IHA Inside 2026“ ein Branchentreffen am Nürburgring. Auf dem Programm stehen Fachvorträge, Wettbewerbe und ein begleitendes Rahmenangebot.

Ein Verbändebündnis warnt vor einer Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf verarbeitete Lebensmittel und die Gastronomie. Die Verbände befürchten steigende Preise für Verbraucher und einen bürokratischen Mehraufwand für die Betriebe.

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat einen Referentenentwurf zur Änderung des Gesetzes Tierhaltungskennzeichnung vorgelegt. Ziel ist laut Entwurf eine grundlegende Reform und Ausweitung der Kennzeichnungspflichten, insbesondere auf die Außer-Haus-Verpflegung wie Restaurants, Kantinen und Imbisse.

Das lange geplante staatliche Tierhaltungslogo für Fleisch soll nach Plänen des Bundesagrarministeriums im nächsten Jahr mit mehreren Änderungen eingeführt werden - und zwar außer in Supermärkten auch in Restaurants und Kantinen.