Impulstag Gastgewerbe in NRW: Erwartungen der Branche vor der Landtagswahl

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Das Gastgewerbe im bevölkerungsreichsten Bundesland befindet sich trotz dem seit Sonntag geltenden Wegfall der Corona-Beschränkungen immer noch im Ausnahmezustand. Viele „Corona-Probleme“ sind geblieben: hohe Umsatzverluste, zurückzuzahlende Kredite, dramatische Beschäftigtenentwicklung, verunsicherte Unternehmer, Beschäftigte und Gäste sowie die Ungewissheit über die weitere pandemische Entwicklung.

"Mit neuen Herausforderungen wie den Folgen des Ukraine-Krieges und der stark steigenden Lebensmittel- und Energiepreise ist die Branche zusätzlich konfrontiert" unterstrich Patrick Rothkopf, Regionalpräsident des DEHOGA NRW, anlässlich des Impulstages Gastgewerbe, der diese Woche in Neuss stattfand.

Der Hotel- und Gaststättenverband hatte wenige Wochen vor der Landtagswahl zum politischen Austausch mit Gastronomen und Hoteliers geladen. Gekommen waren die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten von Bündnis90/Grünen Mona Neubaur, von der FDP Dr. Joachim Stamp, von der SPD Thomas Kutschaty und für die CDU Ina Scharrenbach, NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. An der Veranstaltung nahmen in Präsenz und Online knapp 2.000 Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Gastgewerbe teil.

Kostenanstieg und Corona-Auswirkungen

Wie sehr das Thema „Kostenanstieg“ die Branche momentan bewegt, zeigt eine aktuelle bundesweite Umfrage des DEHOGA, an der sich auch rund 500 Gastronomen und Hoteliers aus NRW beteiligten. Standen in den letzten beiden Jahren die wirtschaftlichen und personellen Auswirkungen der Corona-Pandemie immer auf den vordersten Plätzen, sind für die Unternehmer im Gastgewerbe jetzt Steigerungen bei „Energiekosten“ (87,4%), Lebensmittelpreisen (86,7%) und Personalkosten (72,2%) die größten Herausforderungen gefolgt von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie (68,2%) und dem akuten Mitarbeitermangel (57,9%). Das aktuelle Jahr wird nach Einschätzung des DEHOGA NRW deshalb zum Härtetest für viele der rund 45.000 Gastronomen und Hoteliers und die Entwicklung des Gastgewerbes zwischen Rhein und Weser. „Wir wollen anknüpfen an die Vor-Corona-Jahre. Wir wollen wieder Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Wir wollen wieder in unsere Betriebe und damit in die Zukunft der Branche investieren. Wir wollen durchstarten mit und ohne Corona! Dazu brauchen wir bei den jetzigen Gegebenheiten die Unterstützung durch die Politik, auch wenn wir lieber Rechnungen schreiben als Förderanträge!“, gab sich Patrick Rothkopf, Regionalpräsident des DEHOGA NRW, kämpferisch.

Forderungen und Antworten

Der DEHOGA erwartet deshalb neben dem reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Speisen und Getränke, dass der Staat Betriebe und Beschäftigte, die immer noch von der Pandemie betroffen sind, weiterhin unterstützt und zudem jetzt die notwendigen Maßnahmen ergreift, einen dritten Corona-Herbst mit verheerenden Konsequenzen für die Branche zu verhindern. „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind auch mit Wegfall der Beschränkungen für Gastronomie und Hotellerie lange nicht vorbei“, so Rothkopf. Wichtige Botschaft für Gastronomen und Hoteliers: In der politischen Diskussion war man sich genau darüber im Klaren und versprach auch künftig staatliche Unterstützungen für das Gastgewerbe, wollte aber zum Beispiel in Bezug auf eine Entfristung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf Speisen nichts versprechen, was angesichts des Ukraine-Krieges und seinen Auswirkungen nicht eingehalten werden könne. An dieser Stelle betonte Rothkopf, dass die Entfristung des reduzierten Satzes für Speisen und die Ausweitung auf Getränke die wichtigste Maßnahme zur Zukunftssicherung der Branche sei.

Rothkopf richtete den Blick zudem auf Themen, die vom „Überthema“ Corona lange Zeit überlagert worden waren. „Wir haben zwei Jahre verloren, in denen wir unsere Betriebe nicht weiterentwickeln konnten und viele Investitionen, auch in Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit oder Digitalisierung, hintanstehen mussten. Da müssen und wollen wir jetzt ran, und der Staat kann uns mit Beratungsprogrammen und anderen Fördermaßnahmen unterstützen.“ Eine umfassende Stärkung des Geschäfts- wie des Freizeittourismus durch eine stärkere Bewerbung des Marktes NRW, belebtere Innenstädte, eine bessere Infrastruktur und moderne Mobilitätskonzepte stehen ebenfalls oben auf der Agenda des Gastgewerbes. Große Einigkeit bestand in der Politikerrunde darin, dass Nordrhein-Westfalen seine touristischen Potenziale bei weitem noch nicht ausreichend ausschöpfe und sich deshalb besser und mit mehr Selbstbewusstsein vermarkten müsse. Eine Schlüsselfunktion würde Gastronomie und Hotellerie auch bei der Weiterentwicklung und Belebung der Innenstädte zukommen. 

Am Ende des Impulstages machte Rothkopf deutlich, dass der DEHOGA mit Unterstützung der Politik die Branche wieder zu dem machen möchte, was sie vor der Krise war: einem der wichtigsten Job-, Integration und Wirtschaftsmotoren in Nordrhein-Westfalen.


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