In Österreich gilt jetzt  2G - «Schnitzel-Lockdown» treibt Menschen in die Impfzentren

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In Österreich dürfen Menschen ohne Impfschutz nicht mehr in Restaurants essen gehen, Sportveranstaltungen besuchen oder Skilifte benutzen. Am Montag trat für viele Freizeitaktivitäten die sogenannte 2G-Regel in Kraft und verursachte Schlangen bei Impfzentren im ganzen Land.

Bislang haben mehr als ein Viertel der Menschen in Österreich ab 12 Jahren noch kein Impfzertifikat - das ist einer der Hauptgründe für die steil ansteigenden Fallzahlen und die sich füllenden Krankenhäuser. Die 2G-Regel gilt in Lokalen, bei Veranstaltungen, in Hotels sowie bei sogenannten körpernahen Dienstleistern wie Friseursalons oder Massagestudios.

«Wir gehen schon davon aus, dass das einen starken Beitrag zur Eindämmung des Geschehens leisten kann», sagte Vizekanzler Werner Kogler am Sonntag in einem ORF-Fernsehinterview zur neuen Regelung. «Regional können natürlich zusätzliche Maßnahmen gesetzt werden, wenn es notwendig ist», sagte er im Hinblick auf die extrem hohen Infektionszahlen in manchen Bundesländern. Regionale Lockdowns könnten zwar nur die «allerletzte Konsequenz» sein, meinte er - doch ganz wollte Kogler solch ein Szenario nicht ausschließen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in Österreich zuletzt bei 599,6 - weit über dem deutschen Wert von knapp 191,5. In Oberösterreich und im Salzburger Land hat die Inzidenz schon die Marke von 900 überschritten. Die beiden Bundesländer an der Grenze zu Bayern haben österreichweit die niedrigsten Impfraten.

Am Wochenende wurden aus ganz Österreich steigende Impfzahlen gemeldet. Als Anreiz für Spätentschlossene gibt es eine Übergangsfrist: Vier Wochen lang gilt schon die Erstimpfung zusammen mit einem negativen PCR-Test als 2G-Nachweis. Danach muss der vollständige Impfschutz nachgewiesen werden. Großes Interesse gibt es derzeit auch an Auffrischungsimpfungen, denn zusammen mit der 2G-Regel wurde die Gültigkeitsdauer der zweiten Impfdosis auf neun Monate begrenzt.

Kinder unter 12 Jahren sind grundsätzlich von der 2G-Regel ausgenommen. Für 13- bis 15-Jährige reicht ein negativer Test. Auch wer aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, darf mit ärztlichem Attest und PCR-Test weiter am öffentlichen Leben teilnehmen. In Österreich sind Schnell- und PCR-Tests für alle kostenfrei.

 

 

2G in Österreich: Schlangen bei Impfzentren werden vorher länger

 

 

Die neue 2G-Regel in Österreich zeigt allem Anschein nach bereits Wirkung: Wie von der Regierung erhofft, holten sich viele Menschen am Wochenende sozusagen in letzter Minute ihren ersten Stich. Denn laut einer kurzfristig angekündigten Entscheidung der Regierung dürfen ab Montag nur noch gegen Covid-19 Geimpfte und davon Genesene in Lokale, Hotels, Veranstaltungen und Friseursalons.

 

Angesichts der exponentiell steigenden Corona-Infektionen und der sich füllenden Intensivstationen geht Kanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) nicht davon aus, dass diese Einschränkungen für Ungeimpfte binnen sechs Wochen aufgehoben werden können. «Es wird wohl ein 2-G-Weihnachten werden», sagte der neue konservative Regierungschef der «Kronen Zeitung» (Sonntag). «Allerhöchstwahrscheinlich» werde die Regel auch an Silvester noch in Kraft sein, fügte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) im gemeinsamen Interview hinzu.

Auf die Ankündigung der Regierung am Freitagabend folgten keine Massendemonstrationen, sondern Schlangen bei Impfzentren im ganzen Land. Allein am Samstag meldete das Gesundheitsministerium fast 32 000 Impfungen, wodurch die Wochenstatistik auf 213 000 kletterte - so viele wöchentliche Dosen waren es zuletzt Anfang August. Allerdings machten die Erstimpfungen am Samstag nur ein Drittel der Stiche aus.

Der Druck auf Ungeimpfte und die Impfzahlen stiegen in den letzten Tagen nämlich nicht nur wegen der kommenden 2G-Regel: Seit Anfang November müssen nicht geimpfte oder genesene Arbeitende in ihren Betrieben mehrmals wöchentlich einen Testnachweis mitbringen (3G-Regel). Außerdem holen sich dieser Tage viele Menschen bereits ihre dritte Dosis.

Das Wiener Gratisblatt «Heute» hat die 2G-Regel auf ihren Titelblatt jedenfalls schon mal griffig als «Schnitzel-Lockdown» definiert. Im Leopoldauerhof, einem Wiener Gasthaus nahe der Stadtgrenze, sieht man die Maßnahme pragmatisch: «Man muss das hinnehmen», sagte Geschäftsführer Alen Vinca der Deutschen Presse-Agentur und verwies auf die hohen Corona-Zahlen.

Vinca rechnet allerdings damit, dass nun zehn Prozent der Gäste wegen fehlendem Impfnachweis ausbleiben werden. Außerdem fürchtet er Absagen von Firmen-Weihnachtsfeiern. Gastgewerbe und Tourismus zeigten insgesamt Verständnis: Die Regierung habe wegen der Ansteckungsdynamik keine andere Wahl gehabt, sagte Robert Seeber, der die Sparte in der Wirtschaftskammer vertritt. «Außerdem ist der verantwortungsbewusste Umgang mit dem Infektionsgeschehen ein wichtiges Signal an unsere Herkunftsmärkte, insbesondere gegenüber Deutschland». Es müsse jetzt alles getan werden, um während der Skisaison Reisewarnungen zu verhindern.

«Ich bin dafür, aber es kommt zu spät», sagt Herbert, ein Gast im Leopoldauerhof, über 2G. Im Juli hatte der vorige Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verkündet: «Für jeden, der geimpft ist, ist die Pandemie vorbei». Über die Sommermonate gab es vonseiten der Regierung keine groß angelegten Werbekampagnen für Erstimpfungen.

Nun steht Österreich bei knapp 65 Prozent an Menschen mit vollem Impfschutz - einer der niedrigsten Werte in Westeuropa. Am Samstag erreichte die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen einen Rekordwert von 9943, am Sonntag waren es 8554. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Österreich lag zuletzt bei rund 570.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) gab sich am Sonntag gegenüber der «Kleinen Zeitung» realistisch: Etwa fünfzehn Prozent der Menschen seien absolut gegen eine Impfung, acht Prozent könnten noch überzeugt werden. Jetzt müsse aber nicht nur geimpft, sondern auch die 2G-Regel konsequent umgesetzt werden, forderte er und spielte auf die vielerorts lasche Kontrolle der bisherigen 3G-Regel in Lokalen an. «Wenn es bei uns an manchen Orten mit einer augenzwinkernden Wurschtigkeit weitergeht, wird das nicht funktionieren», sagte er. (dpa)


 

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