Lauterbach sichert umfassende Vorbereitung für Corona-Herbst zu

| Politik Politik

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat Vorbereitungen für einen umfassenden Corona-Schutz für den Herbst zugesichert. «Die Pandemie wird leider nicht in die Sommerpause gehen», sagte der SPD-Politiker am Donnerstag im Bundestag. Es sei aber auch nicht vorgesehen, dass die Pandemiebekämpfung in die Sommerpause gehe. «Wir dürfen und wir können es uns nicht leisten, ein drittes Mal nicht gut vorbereitet in den Herbst hineinzugehen.» Es werde daher alles Notwendige getan, um der Situation zu begegnen. Die Opposition kritisierte den Corona-Kurs der Koalition scharf.

Lauterbach bekräftigte, dass nach der vorhergesehenen Sommerwelle der Herbst schwierig werde. Zu erwarten sei ein Ringen mit der nunmehr dominanten BA.5-Virusvariante, die auch etwas schwerere Verläufe mit sich bringe als die vorherige Omikron-Varianten BA.1. Die bisherigen Impfstoffe wirkten nicht perfekt zur Vermeidung von Infektionen, sie vermieden aber jeden Tag Todesfälle. «Wenn wir die Impfstoffe nicht hätten, wären wir in einer katastrophalen Situation.»

Die Koalition brachte nun einen ersten Gesetzentwurf mit Vorkehrungen für den Herbst ins Parlament ein. Ermöglicht werden soll damit unter anderem eine Impfkampagne gezielt an Menschen über 60 Jahre - gerade auch für zweite Auffrischimpfungen, wie Lauterbach deutlich machte. Noch im Sommer solle ein schnellerer Einsatz des Medikaments Paxlovid geregelt werden, das die Sterblichkeit und die Wahrscheinlichkeit von Klinikeinweisungen bei Infizierten deutlich senken könne. Von rund einer Million gekauften Dosen seien noch keine 30 000 eingesetzt.

Konkret sollen laut dem Entwurf die Rechtsgrundlagen für Impfungen bis 31. Dezember verlängert werden. Die Länder sollen regeln können, dass in Pflegeheimen Hygienebeauftragte eingesetzt werden. Lauterbach sagte, zu September solle zudem ein «Pandemie-Radar» am Start sein und bessere Daten gewährleisten. So sollen Krankenhäuser außer für Intensivstationen auch freie und belegte Betten auf Normalstationen erfassen und zentral melden. Angestrebt wird zudem eine aktuelle «Vollerfassung» von PCR-Tests - also aller Ergebnisse, auch der negativen. Bisher besteht eine Meldepflicht nur für positive Tests.

Noch nicht im Gesetzentwurf enthalten ist eine Anschlussregelung für die Corona-Bestimmungen im Infektionsschutzgesetz, die zum Frühjahr deutlich zurückgefahren wurden und zum 23. September auslaufen. Lauterbach sagte, er rechne persönlich mit einer schwierigen Lage im Herbst. Es sollten in jedem Fall für unterschiedliche Stufen der Infektionslage die erforderlichen Schutzmaßnahmen am Platz und auch eine gute Vorbereitung auf den Winter gewährleistet sein.

Der Unions-Gesundheitsexperte Tino Sorge (CDU) kritisierte, dass von der Koalition bei der Pandemiebekämpfung für den Herbst zuletzt immer wieder Konfusion zu erleben gewesen sei. Im Gesetzentwurf gebe es keine konkreten Vorschläge, so dass für den Herbst wieder mit heißer Nadel gestrickte Maßnahmen zu vermuten seien. Sorge beklagte zudem ein «Chaos» bei Schnelltests, die nicht mehr für alle gratis sind.

Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht bei Millionen Menschen weiteren Impfbedarf. «Neben dem Beginn der Impfung bei Ungeimpften besteht auch bei den bisher lediglich Grundimmunisierten der Bedarf, Impflücken zu schließen», heißt es in einem neuen Monatsbericht zu Impfungen eines RKI-Teams von Donnerstag. So müssten noch etwa 1,3 Millionen Personen ab 60 Jahren und etwa 7,9 Millionen von 18 bis 59 Jahren ihren Impfschutz mit mindestens einer Impfung auffrischen.

Bei der Impfquote hat sich laut dem Bericht zuletzt hauptsächlich bei der zweiten Auffrischimpfung für ältere Menschen noch etwas getan. Jedoch habe nach Daten bis Ende März die Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen noch keine zweite Auffrischimpfung. Die RKI-Experten bekräftigen, dass Auffrischimpfungen insgesamt eine hohe Effektivität gegen Klinik-Einweisungen wegen Corona aufweisen. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Schweizer Nationalrat hat eine Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungsleistungen bis Ende 2035 abgelehnt. HotellerieSuisse kritisiert die Entscheidung. Nach der Entscheidung des Nationalrates wird sich nun der Ständerat mit der Vorlage befassen.

Marmelade kehrt zurück, Honig wird transparent: Die reformierten EU-Frühstücksrichtlinien bringen ab Juni 2026 neue Kennzeichnungspflichten auf das Buffet. Warum die strengeren Herkunftsangaben beim Honig den Einkauf verändern und neue Chancen für regionale Frühstückskonzepte bieten.

Der Deutsche Tourismusverband fordert anlässlich einer Bundestagsanhörung eine langfristige Absicherung der Finanzierung für die touristische Infrastruktur: Nur mit verlässlichen Förderinstrumenten könnten die Ziele der Nationalen Tourismusstrategie realisiert werden.

Die EU-Kommission hat erstmals Strategien für Inseln und Küstenregionen vorgestellt. Im Fokus stehen touristisch geprägte Gebiete, die mit Klimawandel, Wohnraummangel, saisonalen Arbeitsmärkten und einer hohen Abhängigkeit vom Tourismus konfrontiert sind.

Der Hotelverband Deutschland fordert eine Klarstellung der EU-Kommission zur Auslegung der Verpackungsverordnung PPWR. Nach Ansicht des Verbands könnten Hotels und Gastronomiebetriebe sonst fälschlicherweise als Hersteller von Verpackungen eingestuft werden.

Die Europäische Kommission hat wegen der Registrierungspflicht für Reisende ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien eingeleitet. Die spanischen Hotelverbände FEHM und CEHAT begrüßen den Schritt und fordern die sofortige Aufhebung der Regelung.

Ein Bündnis aus 14 Wirtschaftsverbänden fordert die Bundesregierung zur Modernisierung des Arbeitszeitrechts auf. Im Zentrum steht die Forderung nach einer Umstellung auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.

Der Deutsche Tourismusverband fordert angesichts steigender kommunaler Kosten eine breitere Finanzierungsbasis für touristische Infrastrukturen. Dabei werden insbesondere Gästebeiträge und Tourismusabgaben als Mittel zur Sicherung der regionalen Attraktivität hervorgehoben.

Wie schon 2015 scheitert Hamburg mit seinen Olympia-Plänen am Willen der Bevölkerung. Das ist auch eine Niederlage für den Senat und seinen Bürgermeister Peter Tschentscher. Wirtschaftsverbände bedauerten das Nein zu Olympia.

Urlaub in Deutschland könnte für viele angesichts der angespannten Weltlage eine realistische Option werden. Profitieren dürften nach Ansicht des Tourismus-Koordinators vor allem küstennahe Regionen.