Merkel will Lockdown für Wintersport in ganz Europa – Widerstand aus den Alpen

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Angesichts der anstehenden Skisaison ist eine Diskussion über Wintersport in der Corona-Krise entbrannt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich mit Blick auf Winterurlaube dafür aus, dass alle Skigebiete in Europa schließen. «Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten», sagte Merkel am Donnerstag im Bundestag. «Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen.»

Widerstand kam auch aus der Schweiz und von den Liftbetreibern in Deutschland. Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal und zudem unverständlich, sagte Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS), am Donnerstag. Bewegung an der frischen Luft sei gesund und das Infektionsgeschehen in Ischgl sei nicht vom Skibetrieb ausgegangen. «Es kommt nicht vom Skisport. Wir wollen bei uns kein Halligalli.»

Ein Wintersportverbot würde viele Betreiber an ihre Grenzen bringen. «Das ist für unsere Betriebe existenzbedrohend», sagte Stauch. «Wenn uns jetzt zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem 10. Januar das Geschäft wegbricht, ist das katastrophal.» Die Liftbetreiber forderten eine einheitliche Regelung. «Es muss eine europäische Lösung geben: Dass alle aufmachen oder alle zu bleiben.» Die Gesundheit von Gästen und Mitarbeitern stehe an erster Stelle. Die Betriebe hätten aber im Sommer gezeigt, dass ihre Maßnahmen funktionierten.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte wegen der Pandemie vorgeschlagen, Skigebiete mindestens bis zum 10. Januar geschlossen zu halten und damit einen Streit unter den Alpenländern ausgelöst.

So wehrt sich Österreich vehement gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete. Öffnungsschritte in allen Bereichen, darunter der Sport, würden von den Staaten unterschiedlich gehandhabt, sagte Kanzler Sebastian Kurz am Mittwoch. «Das hängt immer mit den Infektionszahlen zusammen, und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich. «Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet», so Kurz. Anhand dieser Gesichtspunkte müsse man Entscheidungen treffen.

Österreichs Finanzminister Gernot Blümel hatte Entschädigungen in Milliardenhöhe von der EU gefordert, falls Skilifte über die Weihnachtsferien stillstehen sollen. Österreich rechne dadurch mit einem Umsatzausfall von 800 Millionen Euro für jede der Ferienwochen.

Widerstand gegen eine Schließung der Skigebiete kam auch aus der Schweiz. «In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg - für den Moment - richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann», sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus, am Donnerstag.

Das Thema sei nicht neu. «Der Ansatz einer europaweit koordinierten Betriebszeit/Saisoneröffnung der Wintersportdestinationen wurde im Kreise der Alpenländer informell bereits im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiter verfolgt», so Berger. «Wir gehen davon aus, dass dieser Ansatz auch jetzt nicht mehr Erfolg haben wird.» Wie Schweiz Tourismus äußert sich auch das Skigebiet Grindelwald. Die Zermatt Bergbahnen lehnen den Vorstoß von Merkel ebenfalls ab.

In der Schweiz sind deutsche Urlauber immens wichtig für die Skisaison. Von den 7,8 Millionen Gästen in der Wintersaison 2018/2019 kamen knapp zehn Prozent aus Deutschland. Ähnlich ist die Lage in Österreich. «Die deutschen Gäste sind einfach die wichtigste Gruppe von ausländischen Gästen und insofern ist es ganz wichtig, dass sie sich am Winterurlaub in Österreich beteiligen, unbeschränkt nach Österreich einreisen und hier Urlaub machen könnten», sagte Oliver Fritz, Tourismusexperte am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Ö1-«Mittagsjournal» des ORF-Radios.

In Frankreich sollen die Skilifte unterdessen während der Festtage stillstehen, die Wintersportorte selbst aber sollen offen sein. «Natürlich wird es für jeden (...) möglich sein, in die Ferienorte zu gehen, um die reine Luft unserer schönen Berge, die Geschäfte, die geöffnet sein werden - außer Bars und Restaurants -, zu genießen», sagte Premierminister Jean Castex am Donnerstag. Es sei aber ganz einfach: «Alle Skilifte und öffentlichen Einrichtungen werden für die Öffentlichkeit geschlossen sein.»

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unterstützt den italienischen Vorstoß für eine Schließung der Skigebiete. Der Freistaat schob am Donnerstag dem Skifahren in Nachbarländern einen Riegel vor. Wer in ein Risikogebiet reist, als das gegenwärtig unter anderem die Alpenländer Österreich, Schweiz und Liechtenstein eingestuft sind, muss bei der Rückkehr nach Bayern zehn Tage in Quarantäne. Das gilt ab Dezember auch für Tagestouristen, eine bisher noch geltende Ausnahmegenehmigung soll ab Dezember entfallen. Das beschloss das bayerische Kabinett nach Angaben der Staatskanzlei. (dpa)


 

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