Nettoersatzquote und Kapitalrente: Was die Begriffe bedeuten

| Politik Politik

Die Rentenkommission hat eine Reihe von Vorschlägen zur Zukunft der Alterssicherung vorgelegt – inklusive zahlreicher Fachbegriffe. Was dahintersteckt:

Nettoersatzquote

Die Nettoersatzquote gibt an, wie stark das Einkommen beim Übergang vom Beruf in den Ruhestand sinkt – also welcher Anteil des letzten Einkommens durch Rente und weitere Alterseinkünfte ersetzt wird. Die Rentenkommission empfiehlt als Zielgröße eine Quote von mindestens 70 Prozent nach Abzug von Steuern. Das wären zum Beispiel bei einem Netto-Monatseinkommen von 2.000 Euro kurz vor der Rente dann im Ruhestand 1.400 Euro.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung ist ein statistischer Durchschnittswert dafür, wie alt Menschen voraussichtlich werden. Eine steigende Lebenserwartung in der Bevölkerung bedeutet meist, dass Renten länger gezahlt werden müssen. Die Rentenkommission empfiehlt, Renteneintritt und Lebenserwartung zu koppeln – aufgeteilt im Verhältnis zwei zu eins auf Erwerbsphase und Rentenphase.

Renteneintrittsfenster

Das ist der Zeitraum, in dem langjährig Rentenversicherte schon vor der regulären Altersgrenze mit Abschlägen in Rente gehen können. Die Kommission empfiehlt ein Renteneintrittsfenster von gleichbleibend drei Jahren. Das heißt zum Beispiel, dass Versicherte bei einer Regelaltersgrenze von 67 Jahren erst ab 64 Jahren in Rente gehen können - bisher ist das ab 63 möglich. Bei steigender Regelaltersgrenze soll sich parallel der frühestmögliche Renteneintritt erhöhen.

Erwerbstätigenversicherung 

Gemeint ist eine gesetzliche Rentenversicherung, in die neben abhängig Beschäftigten auch Selbstständige, Beamte, Abgeordnete und Vorstände von Aktiengesellschaften einzahlen. Die Rentenkommission bezeichnet dies als «Idealbild der Alterssicherung» und schlägt Schritte in diese Richtung vor: Beamte bleiben demnach zunächst außen vor, für viele aktuell Selbstständige soll es eine Wahlmöglichkeit geben. Die Beiträge sollen allerdings – wie bisher – nur bis zu einem bestimmten Einkommen fällig werden. Verdienst, der jenseits der bekannten Beitragsbemessungsgrenze (derzeit 8.450 Euro brutto im Monat) liegt, bliebe auch künftig beitragsfrei.

Gesetzliche Kapitalrente

Das bestehende reine Umlageverfahren der Rentenversicherung, bei der aktuelle Arbeitnehmer für aktuelle Renten aufkommen, soll aufgeweicht werden. Ab 2028 soll eine kapitalgedeckte Renten-Komponente für alle Beitragszahler Pflicht werden. Für individuelle Kapitalkonten würden dann zusätzlich schrittweise bis zu zwei Prozent des Einkommens – jeweils hälftig zu zahlen von Arbeitgebern und Beschäftigten – zentral verwaltet und am Kapitalmarkt angelegt. Ein steuerfinanzierter Übergangsfaktor soll verhindern, dass diejenigen schlechter gestellt sind, die in den 2030er Jahren in Rente gehen und bis dahin kaum noch Kapital aufbauen können. (dpa)

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Europäische Kommission will Mitgliedstaaten und Kommunen mit dem geplanten Affordable Housing Act zusätzliche Instrumente gegen Wohnungsdruck an die Hand geben. Ein Schwerpunkt des Vorhabens sind Maßnahmen im Zusammenhang mit Kurzzeitvermietungen wie Airbnb.

Die geplante stärkere Besteuerung alkoholischer Getränke stößt einer Umfrage zufolge bei einer großen Mehrheit der Bürger auf Zustimmung. Knapp zwei Drittel gaben in der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa an, dass sie diesen Vorstoß der Bundesregierung für sinnvoll halten.

Die Bundesregierung plant, die Mittel für die Tourismusförderung im Bundeshaushalt 2027 um 449.000 Euro zu reduzieren. Die Grünen kritisieren die Kürzung und fordern Änderungen im weiteren Haushaltsverfahren.

Was steht oben, wenn Nutzer WM-Spiele, Hotels oder Routen googeln? Zu oft nur Googles eigene Angebote, urteilt Brüssel. Die Millionenstrafe könnte US-Präsident Donald Trump verärgern. Der Hotelverband freut sich, dass die Kommission Zähne zeige.

Die EU hat den Weg für die Destillation von Rot- und Roséweinen freigemacht. Damit kann aus Wein Industriealkohol werden. Der wird unter anderem für Reinigungsmittel verwendet.

Die Chefin der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Gitta Connemann, hat sich gegen die vom Bundesfinanzministerium geplante Erhöhung der Schaumweinsteuer gestellt. Das Bundeskabinett hat jüngst auch ein Paket zur Anhebung von Verbrauchsteuern auf alkoholhaltige Getränke auf den Weg gebracht.

Wer die Korken knallen lassen will, muss nach den Plänen des Bundeskabinetts und Finanzminister Klingbeil kommendes Jahr höhere Steuern zahlen. Aus der Union kommt Widerstand.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigt die Pläne der schwarz-roten Koalition, die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Es sei zwar das Ende der telefonischen Krankschreibung vereinbart, nicht aber die Möglichkeit eines Attests per Video. 

Die Stadt Bamberg will die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen in weiten Teilen des Stadtgebiets künftig verhindern. Neue Bebauungspläne und Veränderungssperren sollen den Wohnungsmarkt langfristig schützen.

Mit den Worten „Die Minijobs bleiben“ hat sich CSU-Chef Markus Söder klar gegen eine Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung ausgesprochen. Seine Aussage erfolgt wenige Tage nach einem Brandbrief von Wirtschaftsverbänden und vor der für den Herbst angekündigten Entscheidung der Bundesregierung.