Neue Trinkgeldregelung in Österreich: Bundesweite Pauschalen ab 2026

| Politik Politik

Am 1. Januar 2026 ist in Österreich eine bundesweit einheitliche Regelung für Trinkgeldpauschalen im Hotel- und Gastgewerbe in Kraft getreten. Der Generaldirektor der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) hat die entsprechenden Festsetzungen nun finalisiert. Damit werden die bisherigen neun unterschiedlichen Landesregelungen durch ein einheitliches Modell ersetzt, um die Rechtssicherheit für Betriebe und Beschäftigte zu erhöhen.

Ablöse der Landesregelungen und Ende von Nachzahlungsrisiken

Bisher war das System der Trinkgeldbesteuerung und Sozialversicherungsabgaben durch regionale Unterschiede und hohen administrativen Aufwand geprägt. Laut den Fachverbänden Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) führte die Zersplitterung häufig zu Unsicherheiten und dem Risiko von Beitragsnachzahlungen. Mit der neuen Verordnung sind Trinkgelder, auch aus Verteilungssystemen, grundsätzlich steuerfrei. Die Sozialversicherungsabgaben werden pauschal abgegolten.

„Die neue Regelung sorgt vom Neusiedler See bis zum Bodensee für Rechtssicherheit – sowohl für Betriebe als auch für Mitarbeiter“, erklären Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie, und Georg Imlauer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie. Ein wesentlicher Aspekt der Reform ist der Wegfall von Nachzahlungen, falls das tatsächliche Trinkgeld die Pauschalen übersteigt. Zudem verjähren mit dem Stichtag 1. Januar 2026 offene Nachforderungen aus den alten Trinkgeldverordnungen.

Differenzierung nach Aufgabenbereichen

Die neue Verordnung sieht drei verschiedene Pauschalstufen vor, um die unterschiedlichen Realitäten im Servicealltag abzubilden. Es wird zwischen Mitarbeitern mit Inkassotätigkeit, Mitarbeitern ohne Inkasso sowie Lehrlingen und Praktikanten unterschieden. Diese Pauschalen gelten unabhängig davon, ob der Gast das Trinkgeld bar oder bargeldlos per Karte bezahlt.

Für Beschäftigte, die kein Trinkgeld erhalten, besteht die Option, aus der Pauschalregelung auszusteigen. Sollte das tatsächlich erhaltene Trinkgeld die festgesetzten Pauschalen wesentlich unterschreiten, kann die Berechnung der Abgaben auf Basis der realen Beträge erfolgen. Die Fachverbände betonten, dass die Höhe der Pauschalen in einem angemessenen Ausmaß festgesetzt wurde, um die finanzielle Belastung für Dienstnehmer und Unternehmer zu begrenzen.

Transparenz und Informationsrechte für Mitarbeiter

Ein weiterer Kernpunkt der Reform ist die Stärkung der Transparenz innerhalb der Betriebe. Mitarbeiter erhalten ein gesetzliches Informations- und Auskunftsrecht. Dies bezieht sich sowohl auf betriebsinterne Systeme zur Trinkgeldverteilung als auch auf die Abrechnung von bargeldlosen Trinkgeldzahlungen.

Nach Ansicht der WKÖ-Vertreter stellt die Verordnung einen wichtigen Schritt zur Entlastung der Betriebe dar, während gleichzeitig die Planungssicherheit für das Personal verbessert wird. Das Modell soll die Komplexität der bisherigen Verwaltung deutlich reduzieren und eine faire Basis für die gesamte Branche schaffen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Mehr Eigenverantwortung, weniger unnötige Praxis-Besuche: Der Kassenärzte-Chef möchte die Regeln zur Krankschreibung gelockert sehen. Das soll Arbeitnehmer, Eltern und Praxen entlasten.

Finanzminister Heere will Steuertricks in der Gastronomie erschweren – auch, um Steuerausfälle bei einer Senkung der Umsatzsteuer für die Branche zu kompensieren.

Auf dem Hauptstadtkongress des Deutschen Reiseverbandes hat DRV-Präsident Norbert Fiebig eine klare politische Kurskorrektur gefordert. Angesichts schwacher Konjunkturaussichten, steigender Preise und einer zunehmenden Bürokratielast sei die wirtschaftliche Lage der Branche ernst.

Das Europaparlament will Bezeichnungen wie «Veggie-Burger» oder «Soja-Schnitzel» verbieten lassen. Auch Begriffe wie «Steak» oder «Wurst» sollen dem Willen einer Mehrheit der Abgeordneten zufolge künftig nur noch für tierische Lebensmittel verwendet werden dürfen.

Der Vorsitzende der Partei Die Linke, Jan van Aken, hat sich für die verpflichtende und kostenfreie Abgabe von Leitungswasser in Restaurants ausgesprochen. Seiner Ansicht nach ist dies eine einfache und längst überfällige Maßnahme, um Menschen mit geringem Einkommen die Teilhabe am gesellschaftlichen Alltag zu ermöglichen.

Dürfen vegetarische und vegane Produkte bald nicht mehr «Schnitzel» oder «Wurst» heißen? Im Europaparlament steht eine entscheidende Abstimmung an, das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen.

Die Österreichische Hotelvereinigung fordert angesichts der massiv gestiegenen Kosten die sofortige Halbierung der Mehrwertsteuer von 10 auf 5 Prozent, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Konsum sowie Konjunktur anzukurbeln.

Verbraucherschützer sprechen sich deutlich gegen ein mögliches Verbot von Bezeichnungen wie «Tofu-Wurst» oder «Soja-Schnitzel» aus. Das Europaparlament will am Mittwoch über ein entsprechendes Vorhaben abstimmen.

Die niederländische Tourismusbranche steht vor einer möglichen drastischen Änderung: Die Regierung in Den Haag plant, die Mehrwertsteuer auf Übernachtungen von derzeit 9 auf 21 Prozent anzuheben. Die Maßnahme soll laut Medienberichten ab dem 1. Januar 2026 in Kraft treten. Branchenvertreter warnen vor drastischen Folgen.

 

Die Neuköllner Kulturkneipe «Bajszel» ist erneut Ziel antisemitischer Anfeindungen geworden. Rund um die Schenke brachten unbekannte Flugblätter an, auf denen die drei Betreiber abgebildet sind und wegen angeblicher Unterstützung Israels persönlich bedroht werden.