Neue Zahlen Gastgewerbe NRW: Umsätze steigen – Existenzsorgen auch

| Politik Politik

Trotz zuletzt gestiegener Umsätze während der Pandemiezeit wächst der Druck in Gastronomie und Hotellerie. Der Hauptgrund: Den höheren Umsätzen stehen deutlich gestiegene Kosten gegenüber. Zudem ist das Vor-Corona-Niveau von 2019 noch lange nicht erreicht. Die unsichere Energieversorgung und die Personalknappheit setzen dem Gastgewerbe außerdem zu.

Der DEHOGA NRW fordert alle staatlichen Anstrengungen, die Energieversorgung zu sichern und die Kostenexplosion bei Gas und Strom zu begrenzen. Von zentraler Bedeutung bleibt zudem die Geltung der reduzierten Mehrwertsteuer auf Speisen über 2022 hinaus.

„Die Umsätze nähern sich nominal zwar dem Vor-Corona-Niveau an. Die massiven Kostensteigerungen, vor allen Dingen bei Gas, Strom und Lebensmitteln sowie die deutlich gestiegenen Löhne bedeuten aber real deutliche Einschnitte in den Betriebsergebnissen. Die Existenzsorgen wachsen wieder“, beschreibt Patrick Rothkopf, Präsident DEHOGA Nordrhein-Westfalen, die Lage im Gastgewerbe und verweist auf offizielle Zahlen von IT NRW und eigene Erhebungen des DEHOGA NRW (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband).

  • Nach IT NRW stiegen die Umsätze im Vergleich zum Vorjahres-Juni und auch zum Vormonat Mai, allerdings lagen sie real – also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung – immer noch signifikante 12,2 Prozent unter denen von Juni 2019. Das reale Umsatzminus in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zu 2019 addiert sich auf hohe 22,2 Prozent!
  • In einer Umfrage des DEHOGA unter Gastronomen und Hoteliers in NRW zeigt sich das toxische Potenzial der Kostenexplosion, deren Ende nicht absehbar ist: So stiegen die durchschnittlichen Kosten für Gas im Juli gegenüber dem Juli des Vorjahres um 55 Prozent, für Strom um 42 Prozent, für Lebensmittel um 25 Prozent, für Personal um 18 Prozent und für Getränke um 16 Prozent.

„Deutlich höhere Kosten, preissensible Gäste, die unsichere Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten: Das ist eine äußerst brisante Mischung. Vielleicht gibt es Ende des Jahres gar kein Gas mehr? Wie lange brennen Herde und Öfen noch? Die Verunsicherung in der Branche ist mit Händen zu greifen“, stellt Rothkopf fest und bezieht sich auf ein weiteres Umfrageergebnis, nach dem 62,7 Prozent der Befragten (sehr) starke Sorge haben, wegen der Gaskrise in Herbst/Winter den Betrieb zumindest stark einschränken zu müssen.

Energiesicherheit und Energiepreise im Fokus

Der DEHOGA NRW geht davon aus, dass der Staat das Gastgewerbe, wo nötig, unterstützen muss, damit Restaurants, Cafés, Discos, Caterer oder Hotels Herbst und Winter überleben. „Die letzten Jahre hat uns Corona zugesetzt, jetzt sind es die hohen Energiepreise, die die Betriebe nicht werden stemmen können“, bekräftigt Rothkopf. „Wir erwarten, dass der Staat alle Hebel in Bewegung setzt, die Energiesicherheit zu gewährleisten und dafür zu sorgen, dass Energie auch für Unternehmen bezahlbar bleibt.“

7% müssen bleiben

Zentral bleibt darüber hinaus die Forderung, die Fortdauer der reduzierten Mehrwertsteuer auf Speisen jetzt zu beschließen“, bekräftigt der DEHOGA-Präsident und appelliert dabei auch an die Landesregierung, die sich genau dafür im Koalitionsvertrag ausgesprochen hat: „Die Gastronomie steht unter extremem Kostendruck. Wir können die Preise nicht so anpassen, wie es notwendig wäre, ohne unsere Gäste zu überfordern, die ja auch mit Inflation und Unsicherheit konfrontiert sind. Wären ab Januar 2023 aber wieder 19 Prozent zu zahlen, hätte das katastrophale wirtschaftliche Auswirkungen für die Betriebe und würde die Inflation weiter beschleunigen. Dauerhafte sieben Prozent auf Speisen zeigen aber auch die Wertschätzung für die „öffentlichen Wohnzimmer‘ der Gesellschaft“.

„Diese Maßnahme ist leider nicht allein die Lösung für alle existierenden Probleme: Sie ist „nur“ die erst einmal wichtigste Voraussetzung für eine vitale und überlebensfähige Gastronomie in NRW. Deshalb brauchen wir die Verlängerung - jetzt!“, so Rothkopf abschließend.


Zurück

Vielleicht auch interessant

In der EU bleibt die Zukunft von Namen wie «Tofu-Wurst», «Soja-Schnitzel» oder «Veggie-Burger» für vegetarische Produkte zunächst offen. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments konnten sich nach intensiven Verhandlungen in Brüssel zunächst nicht auf neue Vorgaben einigen. Die Entscheidung wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. 

Beim Kauf von Koteletts soll künftig auch ein amtliches Siegel über die Zustände in den Ställen informieren. Der Start verzögert sich weiter. Für eine Ausdehnung gibt es nun aber ein Datum. Das verpflichtende Logo soll auch für die Außer-Haus-Verpflegung in Restaurants und Gaststätten greifen. 

Sternekoch Alexander Herrmann tritt bei der Kommunalwahl 2026 als CSU-Kandidat für den Kreistag Kulmbach an. Der bekannte Gastronom steht auf dem 50. und damit letzten Listenplatz.

Schleswig-Holsteins schwarz-grüne Landesregierung will der geplanten steuerlichen Entlastung für Pendler, Gastronomen und Ehrenamtler kommende Woche im Bundesrat zustimmen. Die Gastronomie sei zentral für ihr Land als Tourismus-Standort, wirtschaftlich wie kulturell, so Ministerpräsident Daniel Günther.

Nachdem der Bundestag in der vergangenen Woche das Steueränderungsgesetz 2025 verabschiedet hat, liegt die Entscheidung über die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie nun beim Bundesrat. Die Länderkammer muss dem Gesetz am 19. Dezember 2026 zustimmen. Jetzt äußerten sich Ministerpräsidenten.

Die Obergrenze für Arbeitsmigration über die Westbalkanregelung ist für 2025 erreicht, was zu Ablehnungen offener Anträge führt und bei Wirtschaftsverbänden angesichts politischer Pläne zur Kontingentsreduzierung auf 25.000 auf Kritik stößt.

Die Regierungschefs der Bundesländer haben sich zusammen mit Bundeskanzler Friedrich Merz auf ein umfangreiches Reformpaket zur Modernisierung von Staat und Verwaltung geeinigt. Dieses könnte bei konsequenter Umsetzung auch für das Gastgewerbe spürbare Entlastungen bringen.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) erwägt ein Subunternehmerverbot für Essenslieferdienste wie Uber Eats, Wolt und Lieferando. Die Maßnahme soll nach einer rbb-Recherche, in der auf mögliche kriminelle Strukturen in der Branche hingewiesen wurde, effektiver gegen zahlreiche Verstöße gegen das Arbeitsrecht vorgehen.

Der Bundestag hat das Steueränderungsgesetz 2025 beschlossen. Das Gesetz setzt die im Koalitionsausschuss vereinbarten steuerlichen Rechtsänderungen um. Zu den zentralen Beschlüssen gehört die dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent.

Gastronomen, Pendler sowie Ehrenamtler sollen steuerlich entlastet werden. Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag in Berlin beschlossen. Nun muss noch der Bundesrat den Weg für das Branchenanliegen freimachen.