Neuer Fonds soll Pauschalreisen absichern

| Politik Politik

Pauschalurlauber sollen über einen millionenschweren Fonds besser gegen eine Pleite des Reiseveranstalters abgesichert sein. Der Bundestag beschloss in der Nacht zum Freitag die Einrichtung eines Sicherungsfonds, in den die Veranstalter selbst einzahlen müssen. Hintergrund ist die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019. Die Versicherung hatte damals nur einen Bruchteil der Kosten ersetzt, weshalb schließlich der Staat einsprang.

Der Fonds soll Vorauszahlungen der Kunden, den Rücktransport gestrandeter Urlauber und deren Unterbringung bis zum Rücktransport garantieren. Er löst grundsätzlich die bisherige Absicherung durch Versicherungen oder Bankbürgschaften ab. Von der Pflicht, in den Reisesicherungsfonds einzuzahlen, werden nur kleinere Unternehmen ausgenommen. Die Umsatzgrenze für diese Ausnahmeregelung wurde in den parlamentarischen Beratungen von den ursprünglich vorgesehenen drei Millionen Euro noch auf einen Jahresumsatz von zehn Millionen Euro angehoben.

Aus der Tourismusbranche kam teilweise Kritik. «Die Interessen von Veranstaltern im Deutschlandtourismus, wie Freizeitparks oder Tourismusorganisationen, deren Schadensrisiko gering ist, wurden nicht ausreichend berücksichtigt», bemängelte Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). «Teure und aufwendige Rückholaktionen spielen innerhalb Deutschlands keine große Rolle.» Freizeitparks bieten teilweise Übernachtungen oder Kombi-Tickets mit Anreise an und zählen in diesem Fall zu den Pauschalreiseanbietern. Kunz befürchtet nun zum Teil deutlich höhere Kosten für die Insolvenzversicherung.

Der Reiseverband DRV, der Veranstalter und Reisebüros vertritt, begrüßte die Verabschiedung vor dem Ende der Legislaturperiode. «Somit ist der Verbraucherschutz der Kunden umfassend sichergestellt und die Unternehmen der Reisewirtschaft haben jetzt Planungssicherheit», sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Die neue Kundengeldabsicherung bedeute allerdings eine massive wirtschaftliche Herausforderung - «gerade jetzt, wo die Unternehmen mit den dramatischen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben.»

Der Fonds soll ab November einspringen und bis Ende Oktober 2027 gefüllt werden, um einschließlich Sicherheiten eine Gesamtabdeckung von 750 Millionen Euro zu gewährleisten. Während der Aufbauphase unterstützt der Staat den Fonds durch eine Kreditlinie.

Der DRV will gemeinsam mit dem Reiseverband asr, dem Bustouristikverband RDA und Verband Internet Reisevertrieb (VIR) den Fonds betreiben und dafür eine entsprechende Erlaubnis beantragen.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Arbeitgeber wollen Debatte über Verlängerung der Lebensarbeitszeit

Deutschlands Arbeitgeber haben eine Debatte über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit in Deutschland gefordert. Das Rentensystem werde nicht dauerhaft in seiner heutigen Form bestehen können, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.

Bundesregierung verabschiedet neue Regeln für Einreise-Testpflicht / Ein Überblick

Vor der Heimreise aus den Ferien im Ausland ist für viele Deutsche künftig neben dem Kofferpacken noch etwas anderes zu erledigen: ein Corona-Test. Das Bundeskabinett beschloss am Freitag eine entsprechende Verordnung von Gesundheitsminister Jens Spahn. Ein Überblick über weitere konkrete Regeln bei Einreisen.

RKI meldet zunehmend Corona-Fälle nach Reisen

Robert Koch-Institut (RKI) eine zunehmende Rolle beim Infektionsgeschehen in Deutschland. Das schreibt das RKI in seinem wöchentlichen Lagebericht vom Donnerstagabend.

Einreise-Testpflicht und weitere Änderungen sollen ab Sonntag gelten

Das Ende der Sommerferien rückt näher, und viele Urlauber kehren aus aller Welt zurück. Die Regierung bereitet eine deutliche Ausweitung von Corona-Testvorgaben vor - und noch weitere Änderungen.

MPK-Chef Müller will Inzidenzwert neu gewichten

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat sich dafür ausgesprochen, bei der Entscheidung über Corona-Maßnahmen stärker weitere Faktoren neben der Sieben-Tage-Inzidenz zu berücksichtigen.

Gastgewerbe und Tourismus in NRW fordern Wechsel in der Corona-Politik

In einem offenen Brief an die Landesregierung fordern DEHOGA NRW und Tourismus NRW einen Paradigmenwechsel in der Corona-Politik. Dabei steht die Forderung im Mittelpunkt, politische Entscheidungen nicht mehr nur von Inzidenzwerten abhängig zu machen.

Entwurf: Generelle Testpflicht bei Einreisen ab 1. August?

Die vorgesehene generelle Testpflicht bei Einreisen nach Deutschland soll nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums eine neue raschere Corona-Ausbreitung bremsen. Der Entwurf sieht ein Inkrafttreten der Verordnung am 1. August vor.

Ministerpräsidenten für Testpflicht bei Reiserückkehrern

Wann kommt die Testpflicht für Urlaubsheimkehrer? Viele Ministerpräsidenten wollen sie, der Bund gerät in Zeitdruck. Änderungsbedarf sehen viele Politiker auch bei der Neubewertung des Inzidenzwertes für Corona-Maßnahmen.

Testpflicht für Urlaubsheimkehrer rückt näher

Viele Bundesbürger kommen nach und nach aus den Ferien in aller Welt wieder - deswegen sollen Corona-Tests auf breiter Front zur Pflicht werden. Doch wie schnell kommt der zusätzliche Schutz zustande?

267 Betriebe durch DEHOGA-Initiative „TOP-Ausbildungsbetrieb“ zertifiziert

Im Januar 2020 und damit unmittelbar vor dem ersten Lockdown war mit „TOP-Ausbildungsbetrieb“ die erste bundesweite Zertifizierung der Ausbildungsqualität in Hotellerie und Gastronomie an den Start gegangen. Nun sind bereits 267 Betriebe deutschlandweit zertifiziert.