Neuer ÖHV-Präsident: Voller Fokus auf Pandemie-Management

| Politik Politik

Nach dem Maximum von drei Funktionsperioden verabschiedete sich Michaela Reitterer bei der 54. Generalversammlung der Österreichischen Hoteliervereinigung als ÖHV-Präsidentin. Ihr folgt Walter Veit (Tageskarte berichtete). 

„Voller Fokus auf das Krisenmanagement!“

Oberste Priorität hat für den neu gewählten Branchensprecher die Bewältigung von Pandemie und Wirtschaftskrise: „Nichts ist dringender.“ Der viele Milliarden Euro schwere wirtschaftliche Schaden durch die Krise konzentriert sich stark auf den Tourismus. „Wir sehen die Bemühungen der Politik. Ohne Entschädigungen gäbe es die Hotellerie heute wohl nicht mehr. Doch vieles bleibt auf der Strecke, dauert extrem lang, ist praxisfremd und überkomplex“, so Veit.

Das beginnt bei den Verordnungen und geht bis hin zur Abwicklung von Entschädigungen. „Kommt die Liquidität erst in den Unternehmen an, wenn der Antragsteller in Konkurs geht, ist es zu spät“, fordert er von der Politik mehr Abstimmung mit der Praxis. Das würde die Prozesse beschleunigen, den Aufwand verringern. „Dass uns die Infektionszahlen nach Silvester um die Ohren fliegen, wenn wir die Gäste um 22 Uhr aus dem kontrollierten Umfeld bei professionellen Gastgebern hinauskomplimentieren, war von Anfang an klar. Da hätten viele Infektionen vermieden werden können“, nennt Veit ein aktuelles Beispiel.

Die Folgen der Fehleinschätzung trägt zum wiederholten Mal der Tourismus: „Die Infektionszahlen steigen ins Endlose, die Hotels sind beinahe leer. Wenn der Bund bei den Förderungen nicht nachjustiert, gibt es ein unschönes Erwachen.“ Jetzt will Veit von der Politik vollen Fokus auf das Krisenmanagement: „Es gibt bessere Zeiten, um in Ministerien Hunderttausende Emails sichten und ordnen zu lassen. Jetzt heißt es Menschenleben und Arbeitsplätze retten“, fordert Veit, Dringendes und Wichtiges rasch richtig zu ordnen.

Luft nach oben bei Krisenbekämpfung

Entscheidend sei neben mehr Impfungen und PCR-Tests nach zwei Pandemie-Jahren neben mehr Praxisnähe bei den Regelungen die raschere Auszahlung von Entschädigungen: „Was wir derzeit bekommen – oder besser gesagt nicht bekommen – ist zum Überleben zu wenig und zum Sterben zu viel. Wir brauchen Hilfen, die helfen“, fordert Veit. Entsprechend viel Luft nach oben gibt es bei der ÖHV-Branchenbefragung bei der Performance der Politik: Die Bundesregierung kommt nach dem Schulnotensystem auf einen Notenschnitt von 3,7. Die Landesregierungen liegen mit 3,6 nur eine Spur besser, zitiert Veit aus der Befragung: „Niemand erwartet Wunder. Aber in Tourismus- und Wirtschaftspolitik sollte sich die Politik von denen einsagen lassen, die die Inhalte aus dem Effeff beherrschen. In der Schule des Lebens ist das erlaubt.“

Ausbildung, Arbeitszeit, Gehälter: Alles soll attraktiver werden, die Lohnnebenkosten sinken

Neben der Krisenbekämpfung will Veit das Hauptaugenmerk auf den Arbeitsmarkt werfen: „Wir werden aufzeigen, was die Branche alles bietet, und überall besser werden: in der Lehre, in den Tourismusschulen, bei den Unterkünften, bei der Arbeitszeit, bei den Gehältern.

Gemeinsam mit Politik, Schulen und Gewerkschaft. Wir gehen auf alle zu. Das Branchenbashing muss aufhören. Denn fehlen Mitarbeiter:innen überall, nicht nur bei uns: Techniker:innen, deren Bezahlung man uns als Benchmark für Hilfskräfte hinknallt, akademisch ausgebildete Apotheker:innen, Lehrer:innen mit komplett anderen Arbeitszeiten als jenen, die man uns vorhält, wechseln die Branche.“

Konkret will Veit merkliche Verbesserungen bei Praktika und das Ende des unbefristeten Feststellungsbescheids durchsetzen: „Die schwarzen Schafe müssen weg.“ Gemeinsam mit Vertretern anderer Sparten will er sich für eine merkliche Senkung der Lohnnebenkosten einsetzen: „Da erwarte ich und mit mir viele, viele Arbeitgeber:innen von Regierung und Wirtschaftskammer mehr als Sonntagsreden. Wir brauchen handfeste Ergebnisse. Ein bisschen Bewegung bei den Nachkommastellen ist zu wenig.“


Zurück

Vielleicht auch interessant

In Italien war alkoholfreier Wein lange ein Tabu: Traditionalisten fürchteten eine Verwässerung der italienischen Weinkultur. Nach langen Debatten ist der Weg für die inländische Produktion nun frei.

Zum Beginn des neuen Jahres begrüßt der Hotelverband Deutschland (IHA) die Welcome Hotels als neues Mitglied in seinen Reihen. Die Hotelgruppe mit Sitz in Frankfurt am Main ist mit derzeit 14 Häusern in Deutschland vertreten.

In Österreich wird die Handhabung von Trinkgeldern im Hotel- und Gastgewerbe vereinheitlicht. Eine neue Verordnung ersetzt die neun unterschiedlichen Landesregelungen durch bundesweite Pauschalen, schafft Rechtssicherheit und stärkt die Auskunftsrechte der Mitarbeiter.

Mit Blick auf die Finanzierungsprobleme der Rentenkasse hält es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für nötig, dass die Deutschen länger arbeiten und sich seltener und kürzer krankschreiben lassen.

Der Jahreswechsel 2026 markiert für das deutsche Gastgewerbe einen Wendepunkt bei den steuerlichen Rahmenbedingungen. Während eine dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer auf Speisen die Betriebe entlastet, fordern neue gesetzliche Vorgaben beim Mindestlohn, höhere CO2-Preise und digitale Verwaltungsprozesse die Branche heraus.

Ab Januar 2026 müssen Gastronomen in Freiburg für Einwegverpackungen eine kommunale Steuer entrichten. Damit wird Freiburg nach Städten wie Konstanz ein weiterer Standort im Südwesten, der Einwegverpackungen mit einer lokalen Verbrauchssteuer belegt. In anderen Bundesländern bleibt die Lage hingegen uneinheitlich.

Spätestens zum 31. Dezember 2026 muss die Evaluierung des aktuellen Glücksspielstaatsvertrags in Deutschland abgeschlossen sein. Sie soll festhalten, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichend sind, wie wirkungsvoll sie sich zeigen und wo Nachbesserungsbedarf ist. Neue Maßnahmen könnten dann ab 2028 in Kraft treten, denn solange läuft die bisherige Version des Glücksspielstaatsvertrags.

Die Bundesregierung hat das neue EinfachMachen-Portal freigeschaltet. Damit existiert erstmals eine zentrale Anlaufstelle auf Bundesebene, über die Bürger, Unternehmen, Verbände und Verwaltungsangestellte bürokratische Hindernisse direkt melden können.

Das OVG Münster bestätigt Rückforderungen von Corona-Hilfen im Bereich der Eventorganisation. Während das Gericht die strengen EU-Vorgaben für Entschädigungen betont, stellt der DEHOGA klar, dass das Urteil keinen großen Anlass zur Besorgnis für das Gastgewerbe bietet.

Der Bundesrat hat am 19. Dezember 2025 dem Steueränderungsgesetz zugestimmt und damit den Weg für eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen frei gemacht. Ab dem 1. Januar 2026 gilt für den Verzehr von Speisen in Restaurants und Cafés unbefristet der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent.