NRW-Landtag lehnt Verbot kommunaler Verpackungssteuern ab

| Politik Politik

Der Landtag Nordrhein-Westfalen hat am 8. Mai 2026 einen Antrag der FDP-Fraktion gegen kommunale Verpackungssteuern abgelehnt. Damit können Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen weiterhin eigene Abgaben auf Einwegverpackungen einführen.

Nach Angaben der Initiative Verpackungswende sollen solche Steuern dazu beitragen, Einwegmüll im öffentlichen Raum zu reduzieren und Mehrwegsysteme zu fördern. Die Initiative ist ein Zusammenschluss aus 25 Umweltorganisationen, Verbänden und Unternehmen der Mehrwegwirtschaft. Zu den beteiligten Organisationen gehören laut Mitteilung unter anderem die Deutsche Umwelthilfe, WWF Deutschland, der Mehrwegverband Deutschland sowie die Unternehmen „Recup“ und „Vytal“.

Initiative Verpackungswende verweist auf kommunale Selbstverwaltung

Nach Auffassung der Initiative hätte ein landesweites Verbot kommunaler Verpackungssteuern die kommunale Selbstverwaltung eingeschränkt. Zudem hätte ein solcher Schritt nach Angaben der Initiative die Weiterentwicklung kommunaler Abfallpolitik behindert.

Die Deutsche Umwelthilfe verwies in diesem Zusammenhang auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 22. Januar 2025. Das Gericht hatte damals die Tübinger Verpackungssteuer nach einer Beschwerde von „McDonald’s“ bestätigt. Die Tübinger Regelung gilt nach Angaben der DUH bundesweit als Referenzmodell für kommunale Einwegabgaben.

Bundesverband der Systemgastronomie kritisiert Entscheidung des Landtags

Der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) kritisierte die Entscheidung des Landtags und sprach von zusätzlichen Belastungen für Unternehmen und Verbraucher. Der Verband hatte den FDP-Gesetzentwurf gemeinsam mit Vertretern aus Handel, Handwerk und der IHK Köln unterstützt.

Mit dem Gesetzentwurf sollte nach Angaben des BdS verhindert werden, dass einzelne Kommunen eigene Verpackungssteuern einführen. Der Verband sieht darin zusätzliche bürokratische Belastungen für Unternehmen und Verwaltungen.

Kristina Harrer-Kouliev, Leiterin der Rechtsabteilung des BdS, erklärte laut Mitteilung: „Die Ablehnung des Gesetzentwurfs ist aus Sicht der betroffenen Betriebe ein falsches Signal. Gerade in der aktuell angespannten wirtschaftlichen Lage sind zusätzliche finanzielle und bürokratische Belastungen nicht das Mittel der Wahl.“

Weiter sagte Harrer-Kouliev: „Zugleich wurde die große Chance verpasst, ein klares politisches Zeichen gegen immer neue Bürokratie und zusätzliche Belastungen für Unternehmen und Verbraucher zu setzen.“

Verband warnt vor unterschiedlichen Regelungen in den Kommunen

Nach Angaben des BdS führten unterschiedliche kommunale Regelungen zu einem „Flickenteppich“, der zusätzlichen organisatorischen Aufwand und Rechtsunsicherheit verursache. Der Verband erklärte zudem, Erfahrungen aus Kommunen mit bereits eingeführten Verpackungssteuern hätten gezeigt, dass Außer-Haus-Angebote teurer würden.

Einen nachweisbaren Lenkungseffekt oder eine deutliche Steigerung der Mehrwegquote sieht der Verband nach eigenen Angaben bislang nicht.

Harrer-Kouliev erklärte weiter: „Unsere Unternehmen engagieren sich bereits heute mit zahlreichen Maßnahmen für saubere und lebenswerte Städte und Kommunen. Zusätzliche kommunale Verpackungssteuern schaffen jedoch vor allem neue Bürokratie, verteuern den Alltag der Menschen und belasten die Betriebe weiter.“

Der BdS sprach sich stattdessen für Lösungen gemeinsam mit Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft aus. Diese sollten nach Angaben des Verbands ohne zusätzliche finanzielle Belastungen für Unternehmen, Städte und Bürger auskommen.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Europäische Kommission will Mitgliedstaaten und Kommunen mit dem geplanten Affordable Housing Act zusätzliche Instrumente gegen Wohnungsdruck an die Hand geben. Ein Schwerpunkt des Vorhabens sind Maßnahmen im Zusammenhang mit Kurzzeitvermietungen wie Airbnb.

Die geplante stärkere Besteuerung alkoholischer Getränke stößt einer Umfrage zufolge bei einer großen Mehrheit der Bürger auf Zustimmung. Knapp zwei Drittel gaben in der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa an, dass sie diesen Vorstoß der Bundesregierung für sinnvoll halten.

Die Bundesregierung plant, die Mittel für die Tourismusförderung im Bundeshaushalt 2027 um 449.000 Euro zu reduzieren. Die Grünen kritisieren die Kürzung und fordern Änderungen im weiteren Haushaltsverfahren.

Was steht oben, wenn Nutzer WM-Spiele, Hotels oder Routen googeln? Zu oft nur Googles eigene Angebote, urteilt Brüssel. Die Millionenstrafe könnte US-Präsident Donald Trump verärgern. Der Hotelverband freut sich, dass die Kommission Zähne zeige.

Die EU hat den Weg für die Destillation von Rot- und Roséweinen freigemacht. Damit kann aus Wein Industriealkohol werden. Der wird unter anderem für Reinigungsmittel verwendet.

Die Chefin der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, Gitta Connemann, hat sich gegen die vom Bundesfinanzministerium geplante Erhöhung der Schaumweinsteuer gestellt. Das Bundeskabinett hat jüngst auch ein Paket zur Anhebung von Verbrauchsteuern auf alkoholhaltige Getränke auf den Weg gebracht.

Wer die Korken knallen lassen will, muss nach den Plänen des Bundeskabinetts und Finanzminister Klingbeil kommendes Jahr höhere Steuern zahlen. Aus der Union kommt Widerstand.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigt die Pläne der schwarz-roten Koalition, die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Es sei zwar das Ende der telefonischen Krankschreibung vereinbart, nicht aber die Möglichkeit eines Attests per Video. 

Die Stadt Bamberg will die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen in weiten Teilen des Stadtgebiets künftig verhindern. Neue Bebauungspläne und Veränderungssperren sollen den Wohnungsmarkt langfristig schützen.

Mit den Worten „Die Minijobs bleiben“ hat sich CSU-Chef Markus Söder klar gegen eine Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung ausgesprochen. Seine Aussage erfolgt wenige Tage nach einem Brandbrief von Wirtschaftsverbänden und vor der für den Herbst angekündigten Entscheidung der Bundesregierung.