ÖHV will  OTAs verklagen

| Politik Politik

Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) hat Deutsche, Schweizer, Südtiroler und Österreicher befragt, wie sie Urlaube in Österreich buchen, und Hotels zu Buchungswegen und der Zusammenarbeit mit den großen Plattformen. [Hier direkt zu den Ergebnissen der Befragung als Grafiken] „Die Gäste sind, mit etwas Verbesserungspotenzial da oder dort, sehr zufrieden mit der Direktbuchung. Ganz anders sieht die Zusammenarbeit mit Plattformen aus: Wir haben sehr konkrete Hinweise, dass OTAs im großen Stil gegen geltendes Recht verstoßen“, nimmt ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer, das wohl kritischste Ergebnis der Befragung vorweg. Gäste bevorzugen Direktbuchung

68,7 Prozent der Aufenthalte in Österreich werden direkt gebucht, so Reitterer, über die Hotel-Website oder E-Mail, über Telefon oder als spontaner „Walk-in“. Über Plattformen kommen aber immerhin 21,2 Prozent. Darauf kann kein Hotel verzichten. Alle anderen Buchungskanäle teilen sich die restlichen 10 Prozent, wobei mit 4,9 Prozent der größte Anteil auf Reisebüros und Reiseveranstalter entfällt.

Der Preis: das Argument für Direktbuchung

Als wichtigstes Motiv für die Direktbuchung nennen die Gäste den günstigeren Preis, gefolgt von detaillierten Informationen zum Hotel und dem direkten Kontakt zum Gastgeber: „Da ist die Direktbuchung natürlich unschlagbar. Mit dem Preisargument können wir aber nur punkten, weil wir das gesetzliche Verbot der Ratenparität durchgesetzt haben. Umso wichtiger ist, dass dieses Gesetz eingehalten wird“, hält Reitterer fest. Weit abgeschlagen als Gründe für die Direktbuchung sind alternative Bezahlmöglichkeiten und Chatbots: „Ihre Zeit kommt erst“, ist sich Reitterer sicher.

Auch wer nicht direkt gebucht hatte, wurde nach den Beweggründen gefragt. Überraschende 30,9 Prozent gaben an, sie hätten diese Möglichkeit gar nicht in Betracht gezogen: „Hotels müssen ihre Gäste noch stärker auf die Möglichkeit der Direktbuchung hinweisen, vielen ist gar nicht bewusst, über welchen Kanal Zimmer gebucht wurden. Aber das haben wir selbst in der Hand“, so Reitterer.

Plattformen in der Kritik: schlechte Zusammenarbeit, hohe Kosten

Gäste zur Direktbuchung zu motivieren sei naheliegend, schließlich betrachtet mehr als jeder fünfte Hotelier die Zusammenarbeit mit OTAs kritisch bis sehr kritisch. 57 Prozent der Hoteliers sehen die Kommissionen als überhöht an. Im Durchschnitt kassieren die OTAs für die vollautomatische Abwicklung des Buchungsprozesses 15,3 Prozent der vom Hotel erwirtschafteten Umsätze: „In den Hotels arbeiten viele Menschen tagelang, die Buchung erledigt ein Server binnen Sekundenbruchteilen. Dazu stehen 15 Prozent der Einnahmen in keinem Verhältnis“, so Reitterer.

ÖHV prüft rechtliche Schritte

Besonders erschreckend: 42,2 Prozent der Befragten gaben an, dass OTAs trotz gesetzlichen Verbots versucht hätten, die Ratenparität durchzusetzen: „Von vereinzelten Vorfällen kann da keine Rede sein. Das sieht nach systematischen Gesetzesverstößen aus. Dagegen wird die ÖHV vorgehen.“ Reitterer wünscht sich politische Unterstützung: „Das Regierungsprogramm beinhaltet etwa Schulungen im Direkt- und Plattformvertrieb und die Entwicklung des Lehrberufs Revenue Manager: Das sollte rasch umgesetzt werden.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigt die Pläne der schwarz-roten Koalition, die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Es sei zwar das Ende der telefonischen Krankschreibung vereinbart, nicht aber die Möglichkeit eines Attests per Video. 

Die Stadt Bamberg will die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen in weiten Teilen des Stadtgebiets künftig verhindern. Neue Bebauungspläne und Veränderungssperren sollen den Wohnungsmarkt langfristig schützen.

Mit den Worten „Die Minijobs bleiben“ hat sich CSU-Chef Markus Söder klar gegen eine Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung ausgesprochen. Seine Aussage erfolgt wenige Tage nach einem Brandbrief von Wirtschaftsverbänden und vor der für den Herbst angekündigten Entscheidung der Bundesregierung.

Eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden, darunter der DEHOGA, hat die Bundesregierung eindringlich davor gewarnt, Minijobs im Zuge der geplanten Sozial- und Rentenreformen faktisch abzuschaffen oder deutlich zu verteuern. In einem Brandbrief fordern sie den Erhalt der Minijobs in ihrer heutigen Form. 

Für die rund 80.000 Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe im Norden beginnen die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft NGG hat mit Forderungen nach einem Lohnplus von fast 6 Prozent vorgelegt.

Die staatlichen Wirtschaftshilfen während der Corona-Pandemie haben nach einer ZEW-Analyse zahlreiche Arbeitsplätze gesichert. Die zunächst befristete Mehrwertsteuersenkung für Speisen in der Gastronomie kam hingegen nicht so gut an bei den Forschern.

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen bald teurer werden – durch einen Aufschlag bei der Steuer. Das soll nicht nur dazu beitragen, den Haushalt zu sanieren.

Die Bundesärztekammer begrüßt die Pläne der Bundesregierung Alkohol, Tabak und gesüßte Getränke stärker zu besteuern - fordert aber noch weitergehende Schritte: Bei Alkohol greife die Beschränkung auf einzelne Produktgruppen wie Spirituosen oder Schaumwein zu kurz.

Mehr Ausgaben und höhere Schulden: Das sind Kernpunkte des Bundeshaushalts 2027. Finanzminister Lars Klingbeil schließt Milliardenlücken, muss dazu aber in eine Rücklage greifen. Zur Konsolidierung des Haushalts plant die Regierung zudem den Abbau von Finanzhilfen.

Branchenverbände sehen in den Koalitionsbeschlüssen ein Signal für den Fortbestand der Minijobs. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte die Entscheidung über den rentenpolitischen Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen jedoch erst für den Herbst an.