Tanzen ohne Maske soll in Baden-Württemberg möglich werden

| Politik Politik

In Baden-Württembergs Clubs und Diskotheken können Gäste demnächst ohne Maske tanzen. Möglich wird das durch ein Muster-Hygienekonzept, das vom Gesundheitsministerium des Landes gemeinsam mit dem Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA sowie mit Vertretern der Clubs und Diskotheken im Land erarbeitet wurde und das von den Betrieben individuell umgesetzt werden muss. Die Umsetzung der Betriebskonzepte, etwa der Wegfall der Maskenpflicht auf der Tanzfläche, erfordert jedoch eine Ausnahmegenehmigung durch das örtlich zuständige Gesundheitsamt. Der Zutritt zu den Betrieben ist unabhängig davon nur Geimpften, Genesenen und Gästen mit negativem PCR-Test gestattet.

Prof. Dr. Uwe Lahl, Amtschef des Sozial- und Gesundheitsministerium erklärt dazu: „Ich freue mich, dass wir zusammen mit der Branche und dem DEHOGA eine gute Lösung gefunden haben. Die Regelungen sind infektiologisch vertretbar und bieten den Clubs klare Kriterien für die Öffnung. Für uns stand die Sicherheit und der Gesundheitsschutz an erster Stelle. Jetzt liegt es an den Clubs die Konzepte vor Ort umzusetzen.“

Auch Fritz Engelhardt, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA im Land, begrüßt die neue Regelung: „Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten gibt es jetzt endlich eine echte Öffnungsperspektive, die den Clubs und Diskotheken im Land einen wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsbetrieb ermöglicht, und zwar ohne Kompromisse beim Gesundheitsschutz für Gäste und Mitarbeiter. Dafür sind wir sehr dankbar.“

Club- und Disko-Feeling ohne Maske, aber auch ohne Kompromisse beim Gesundheitsschutz – wie das funktionieren kann, ist im Muster-Hygienekonzept detailliert für unterschiedliche Betriebstypen ausgeführt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei, neben zahlreichen anderen Hygiene-Auflagen, die Möglichkeit der Frischluftzufuhr: Betriebe, die über ihre Lüftungsanlage eine Frischluftzufuhr von mindestens 40m³ pro Stunde und Person gewährleisten können, dürfen Geimpfte, Genesene und Gäste mit negativem PCR-Test bis zur vollen Kapazitätsauslastung einlassen und ihnen, bei Erfüllung weiterer Hygienestandards, das Tanzen ohne Maske gestatten.

Dort, wo die Lüftungsanlage weniger leistungsstark ist, dürfen nur maximal 70 Prozent der üblicherweise zulässigen Gästezahl eingelassen. Außerdem gilt in diesen Fällen die 2G-Zugangsvoraussetzung. Die Betriebe dürfen also nur vollständig Geimpfte und nachweislich Genesene einlassen. Die Aufstellung von Messgeräten („CO2-Ampeln“) soll zudem Lüftungsbedarf zeitnah signalisieren.

Für Betriebe ohne Lüftungsanlagen ist ersatzweise der Einsatz von Luftreinigungsgeräten vorgeschrieben. Die Frage, für wie viele Gäste der Betrieb unter 3G-Bedingungen öffnen darf, hängt von der erreichten Verringerung der Aerosolbelastung ab.

Mit der Möglichkeit des Wegfalls der Maskenpflicht auf Tanzflächen unter definierten Hygienebedingungen geht Baden-Württemberg weiter als die anderen Bundesländer und kommt damit einem wichtigen Anliegen der von der Corona-Krise besonders hart getroffenen Club- und Diskothekenbetreiber entgegen, die ihrerseits eine aktive Unterstützung der Impfkampagne des Landes angekündigt haben.

Das Muster-Hygienekonzept wurde vom Gesundheitsministerium des Landes gemeinsam mit folgenden Branchenorganisationen erarbeitet: Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Baden-Württemberg, Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe im DEHOGA (BDT), Interessengemeinschaft Clubkultur Baden-Württemberg und Club Kollektiv Stuttgart.

Vertreter:innen der Club- und Diskothekenbetreiber äußern sich zufrieden mit der jetzt erreichten Lösung: „Mit der Befreiung von der Maskenpflicht auf der Tanzfläche und einer Öffnung unabhängig der Inzidenzen ermöglicht die Landesregierung endlich wieder Clubkultur in Baden-Württemberg“, betont Theresa Kern, Vorstand der IG Clubkultur und des Club Kollektiv Stuttgart. Kern fügt hinzu: „Der Weg aus der Pandemie geht nur gemeinsam, deshalb bitten wir die Betreiber:innen von Clubs und Diskotheken, den Infektionsschutz ernst zu nehmen und die Gäste, sich impfen zu lassen.“

Auch BDT-Vorstandsmitglied Michael Presinger betont: „Wir müssen Musik, Tanzen und Feiern wieder in die bewährten und kontrollierbaren Betriebe zurückbringen und den Betreibern die Sicherheit geben, dass keine erneuten Schließungen drohen.“

Das Muster-Hygienekonzept für den Wegfall der Maskenpflicht auf der Tanzfläche sowie ein Formular für den entsprechenden Antrag beim Gesundheitsamt steht Club- und Diskothekenbetreibern auf der Website des DEHOGA Baden-Württemberg unter www.dehogabw.de/clubs zum Download zur Verfügung.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der DEHOGA kritisiert Pläne der Rentenkommission, den Sonderstatus von Minijobs künftig auf Schüler zu beschränken. Der Verband warnt vor erheblichen Folgen für die Personalplanung in Hotellerie und Gastronomie.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat ein neues Landesgaststättengesetz beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem längere Öffnungszeiten für die Außengastronomie in künftig festzulegenden Ausgehvierteln.

Die Rentenkommission will beitragsfreie Minijobs künftig auf Schüler beschränken. Besonders das Gastgewerbe könnte von der geplanten Änderung betroffen sein: Jeder zweite Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie arbeitet auf Minijob-Basis.

München will die Vermietung von Ferienwohnungen künftig stärker kontrollieren. Der Sozialausschuss des Stadtrats hat eine Registrierungspflicht beschlossen und weitere Änderungen bei der Zweckentfremdung von Wohnraum auf den Weg gebracht.

Die Chefin der «Wirtschaftsweisen» wirbt für einen Abbau von Subventionen. Steigende Preise und Kosten könnten nicht immer wieder abgefedert werden. Deutschland lebe auf Pump. insbesondere fordert Monika Schnitzer die Rücknahme der Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie.

Die Chefin der «Wirtschaftsweisen» wirbt für einen Abbau von Subventionen. Steigende Preise und Kosten könnten nicht immer wieder abgefedert werden. Deutschland lebe auf Pump.

50 Cent extra pro Einwegbecher? Die Wirtschaft in Potsdam reagierte verärgert. Jetzt soll die Verpackungssteuer auf Einweggeschirr in der Landeshauptstadt später kommen als vorgesehen.

Der Entwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes sorgt für Kritik aus Wirtschaft, Hotellerie und Politik. Streitpunkt sind vor allem die geplante Tarifbindung bei flexibleren Arbeitszeiten sowie die verpflichtende elektronische Zeiterfassung. Branchenvertreter des Gastgewerbes sind auf der Zinne.

Die Arbeitszeitregeln sollen gelockert werden, das hatten Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart. Wie sehr, ist noch offen. Ein erster Entwurf hält grundsätzlich am Achtstundentag fest.

Das Europäische Parlament hat neue Vorgaben für die Bezeichnung pflanzlicher Lebensmittel gebilligt. Während Begriffe wie „Veggie-Burger“ erlaubt bleiben sollen, könnten Bezeichnungen wie „Veggie-Hühnchen“ oder „veganer Speck“ künftig untersagt werden.