Thüringens Gastgewerbe: Lange halten wir das nicht mehr aus

| Politik Politik

Viele Thüringer Gastronomen und Hoteliers sind nach Einschätzung des Hotel- und Gaststättenverbandes wirtschaftlich am Limit. Die Entscheidung von Bund und Ländern, dass Restaurants und Gaststätten wegen der Corona-Pandemie weiter geschlossen bleiben müssen, sei eine herbe Enttäuschung, sagte der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes, Dirk Ellinger, der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. «Viele werden das nicht mehr lange durchhalten.»

Nach der wochenlangen Schließung gingen die staatlichen Soforthilfen zur Neige. Sollte der Zustand mit zugesperrten Gasthäusern und Hotels noch länger andauern, müsste zumindest über weitere Hilfen für die Branche nachgedacht werden, forderte der Dehoga-Geschäftsführer. Der Anteil der Familienbetriebe liege im Thüringer Gastgewerbe bei 85 Prozent.

«Es gibt erste Anzeichen, dass Mitarbeiter gekündigt werden müssen und über eine Schließung nachgedacht wird», so Ellinger. Nun fehlten Gastronomen und Hoteliers nicht nur die Einnahmen des Ostergeschäfts, sondern auch das des langen Wochenendes Anfang Mai. Allein das Geschäft in den vierzehntägigen Osterferien mache bei manchen Betrieben sechs bis acht Prozent des Jahresumsatzes aus. «Das ist nicht wieder aufzuholen.»

Ellinger bezeichnete es als unverständlich, dass nach der Entscheidung von Mittwoch Läden bis 800 Quadratmetern Fläche wieder öffnen dürften, Restaurant oder Biergärten aber nicht. Diese Entscheidung sollte geprüft werden. Die Einhaltung des Infektionsschutzes könnte auch in der Gastronomie gesichert werden. Allein mit dem Geschäft außer Haus könne sich keine Gaststätte auf Dauer halten. Das gelte auch für Hotels, die weiterhin keine Touristen, nur Geschäftsreisende beherbergen dürften.

Thüringens Gastgewerbe mit rund 5000 mehrheitlich vom Inhaber geführten Betrieben erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehr als 1,2 Milliarden Euro. Es hat schwierige Jahre hinter sich. Nach Dehoga-Angaben schloss seit 2008 etwa jeder vierte Betrieb - weil Umsatz und Ertrag zu gering waren, keine Mitarbeiter zu finden waren, oder sich kein Nachfolger fand. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Schweizer Nationalrat hat eine Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungsleistungen bis Ende 2035 abgelehnt. HotellerieSuisse kritisiert die Entscheidung. Nach der Entscheidung des Nationalrates wird sich nun der Ständerat mit der Vorlage befassen.

Marmelade kehrt zurück, Honig wird transparent: Die reformierten EU-Frühstücksrichtlinien bringen ab Juni 2026 neue Kennzeichnungspflichten auf das Buffet. Warum die strengeren Herkunftsangaben beim Honig den Einkauf verändern und neue Chancen für regionale Frühstückskonzepte bieten.

Der Deutsche Tourismusverband fordert anlässlich einer Bundestagsanhörung eine langfristige Absicherung der Finanzierung für die touristische Infrastruktur: Nur mit verlässlichen Förderinstrumenten könnten die Ziele der Nationalen Tourismusstrategie realisiert werden.

Die EU-Kommission hat erstmals Strategien für Inseln und Küstenregionen vorgestellt. Im Fokus stehen touristisch geprägte Gebiete, die mit Klimawandel, Wohnraummangel, saisonalen Arbeitsmärkten und einer hohen Abhängigkeit vom Tourismus konfrontiert sind.

Der Hotelverband Deutschland fordert eine Klarstellung der EU-Kommission zur Auslegung der Verpackungsverordnung PPWR. Nach Ansicht des Verbands könnten Hotels und Gastronomiebetriebe sonst fälschlicherweise als Hersteller von Verpackungen eingestuft werden.

Die Europäische Kommission hat wegen der Registrierungspflicht für Reisende ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien eingeleitet. Die spanischen Hotelverbände FEHM und CEHAT begrüßen den Schritt und fordern die sofortige Aufhebung der Regelung.

Ein Bündnis aus 14 Wirtschaftsverbänden fordert die Bundesregierung zur Modernisierung des Arbeitszeitrechts auf. Im Zentrum steht die Forderung nach einer Umstellung auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit.

Der Deutsche Tourismusverband fordert angesichts steigender kommunaler Kosten eine breitere Finanzierungsbasis für touristische Infrastrukturen. Dabei werden insbesondere Gästebeiträge und Tourismusabgaben als Mittel zur Sicherung der regionalen Attraktivität hervorgehoben.

Wie schon 2015 scheitert Hamburg mit seinen Olympia-Plänen am Willen der Bevölkerung. Das ist auch eine Niederlage für den Senat und seinen Bürgermeister Peter Tschentscher. Wirtschaftsverbände bedauerten das Nein zu Olympia.

Urlaub in Deutschland könnte für viele angesichts der angespannten Weltlage eine realistische Option werden. Profitieren dürften nach Ansicht des Tourismus-Koordinators vor allem küstennahe Regionen.