Tierwohl-Kennzeichnung: Ausweitung auf Gastronomie und Kantinen wohl auch ab 2027

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Die Einführung des verpflichtenden staatlichen Tierwohllogos verzögert sich deutlich. Wie Union und SPD im Bundestag beschlossen haben, wird der Start der Kennzeichnungspflicht auf den 1. Januar 2027 verschoben. Diese zusätzliche Zeit soll genutzt werden, um das System grundlegend nachzubessern und bereits ab Mitte 2027 auch auf Restaurants, Kantinen und die allgemeine Gastronomie auszuweiten. Damit reagiert die Politik auf die Forderung nach mehr Transparenz über den Lebensmitteleinzelhandel hinaus.

Nachbesserungen und Einbeziehung von Importen

Die Verschiebung um zehn Monate dient dazu, das seit 2023 gesetzlich geregelte Vorhaben praxistauglicher zu gestalten. Ein entscheidender Punkt der Überarbeitung ist die Einbeziehung von importiertem Fleisch. Bisherige Pläne sahen eine Kennzeichnungspflicht lediglich für inländische Ware vor, was zu Wettbewerbsverzerrungen hätte führen können. Trotz europarechtlicher Hürden strebt die Koalition nun eine Lösung an, die auch Fleisch aus dem Ausland umfasst, um eine einheitliche Information für die Verbraucher sicherzustellen.

Herausforderungen für den Außer-Haus-Markt

Mit der geplanten Ausweitung auf den Außer-Haus-Markt im Sommer 2027 rücken Speisekarten in den Fokus der Regulierung. Bundesagrarminister Alois Rainer mahnte in diesem Zusammenhang zur Verhältnismäßigkeit. Eine ausufernde Bürokratie für Gastronomiebetriebe müsse verhindert werden. Der Minister betonte, dass eine Vielzahl von Logos bei jedem einzelnen Gericht auf der Speisekarte nicht praktikabel sei. Es gelte, einfache und unkomplizierte Lösungen für Gastwirte und Kantinenbetreiber zu finden.

Entwicklung im Handel und neue Anreize

Während die staatliche Kennzeichnung auf sich warten lässt, baut das freiwillige System des Handels seine Präsenz aus. Vor allem bei Rindfleisch ist eine Bewegung hin zu höheren Standards erkennbar. Der Anteil der untersten Haltungsstufe sank hier zuletzt von 75,6 Prozent auf 62,4 Prozent, während die Stufe 3 deutlich zulegte. Um diesen Trend zu unterstützen, plant die Initiative Tierwohl für 2026 neue Programme mit Preisaufschlägen für Landwirte, die die Kriterien der Haltungsstufen 3 und 4 erfüllen.

Kritik der Tierschutzverbände an der Verzögerung

Tierschutzorganisationen betrachten die Verschiebung und die geplanten Anpassungen mit Sorge. Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte, dass das Logo lediglich den aktuellen Zustand dokumentiere, ohne echte Anreize für eine Verbesserung der Tierhaltung zu schaffen. Die Organisation Vier Pfoten warnte davor, die Standards unter dem Vorwand der Praxistauglichkeit für die Gastronomie weiter aufzuweichen. Es dürfe nicht zu einer Aushöhlung der ohnehin als mangelhaft empfundenen Kennzeichnung kommen.


 

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