Verbände kritisieren Halbierung des Westbalkankontingents

| Politik Politik

Einen Tag nach dem Kabinettsbeschluss zur Halbierung des Westbalkankontingents haben der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) und der DEHOGA Bundesverband die Entscheidung öffentlich kritisiert. Die Bundesregierung hatte am Mittwoch beschlossen, die jährliche Zahl der Zustimmungen von 50.000 auf 25.000 zu reduzieren. (Tageskarte berichtete) Die beiden Verbände fordern, die bisherige Obergrenze beizubehalten.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung vom warnen BTW und DEHOGA vor zusätzlichen Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung. Die Westbalkanregelung sei für die Arbeits- und Fachkräftesicherung in der Tourismuswirtschaft von Bedeutung. Das betreffe neben Hotellerie und Gastronomie auch die Freizeit- und Campingwirtschaft sowie den Busverkehr.

Verbände warnen vor zusätzlichen Hürden bei der Personalgewinnung im Tourismus

Die Westbalkanregelung setzt ein verbindliches Arbeitsplatzangebot voraus. Die Bundesagentur für Arbeit prüft die Arbeitsbedingungen und den Vorrang bevorrechtigter Bewerber. Nach Darstellung der Verbände könne die Begrenzung auf 25.000 Zustimmungen auch Einstellungen verhindern, für die keine bevorrechtigten Bewerber zur Verfügung stünden.

Besonders betroffen seien kleine und mittlere Betriebe, die nur über geringe Personalreserven verfügten.

BTW verweist auf Untersuchungen des IAB und die Bundesagentur für Arbeit

BTW und DEHOGA verweisen in ihrer Erklärung auf die Bundesregierung, die die Westbalkanregelung selbst als „etabliert und bewährt“ bezeichne. Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegten nach Angaben der Verbände stabile Beschäftigungsverhältnisse.

Auch die Bundesagentur für Arbeit spreche sich dafür aus, das jährliche Kontingent bei 50.000 Zustimmungen zu belassen. Eine belastbare Begründung für die Kürzung, die über den Verweis auf den Koalitionsvertrag hinausgehe, liege nach Auffassung der Verbände nicht vor. Ebenso fehle eine Wirkungsanalyse für die Tourismuswirtschaft.

Sven Liebert, Generalseekretär des BTW, kritisiert die Entscheidung: „Wir halbieren eine Regelung, die nachweislich funktioniert, und das mitten im Arbeits- und Fachkräftemangel. Das ist das falsche Signal. Wo Personal fehlt, bleiben Angebote auf der Strecke, vom Hotel über die Gastronomie bis zum Busbetrieb. Wir brauchen ein Kontingent, das sich am Bedarf orientiert, und schnellere, digitale Verfahren statt einer pauschalen Beschränkung.“

DEHOGA fordert stärkere Berücksichtigung des Arbeitskräftebedarfs bei der Steuerung der Erwerbsmigration

Auch Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbandes, wendet sich gegen die beschlossene Reduzierung. Sie verweist auf die Beschäftigung internationaler Arbeitskräfte in Hotels und Restaurants.

„Das Gastgewerbe braucht Arbeitskräfte, keine neuen Hürden. Ohne internationale Teams läuft in vielen Hotels und Restaurants nichts. Wer jetzt bewährte Wege in reguläre Beschäftigung halbiert, verschärft den Personalmangel und schwächt unsere Wirtschaft. Entscheidend ist eine kluge Steuerung der Erwerbsmigration, die den Arbeitskräftebedarf berücksichtigt, Beschäftigung und Wachstum stärkt und zugleich klare Regeln und wirksame Kontrollen sicherstellt.“

BTW und DEHOGA fordern Beibehaltung von mindestens 50.000 jährlichen Zustimmungen

In ihrer gemeinsamen Erklärung fordern die Verbände, das Westbalkankontingent bei mindestens 50.000 Zustimmungen jährlich zu belassen. Perspektivisch solle die Regelung bedarfsgerecht weiterentwickelt werden.

Zugleich sprechen sich BTW und DEHOGA für wirksame Kontrollen und bessere Informationen zur Verhinderung von Missbrauch aus. Eine pauschale Mengenbegrenzung lehnen sie als Instrument zur Missbrauchsbekämpfung ab.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Das NRW-Bündnis für gutes Kita- und Schulessen fordert mit einem neuen Positionspapier bessere Standards und verlässliche Strukturen für die Verpflegung in Kitas und Schulen.

Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft warnt vor wirtschaftlichen Folgen zentraler AfD-Positionen. Im Mittelpunkt stehen Zuwanderung, offene Grenzen und eine mögliche Abkehr vom Euro.

Der Schweizer Ständerat hat einer Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungen um acht Jahre zugestimmt. HotellerieSuisse fordert nun den Nationalrat zum Mitziehen auf.

Eine Preisstudie im Auftrag der NGG zeigt nach der Mehrwertsteuersenkung zum Jahresbeginn kaum günstigere Restaurantgerichte. Die Gewerkschaft sieht die Entlastung der Gäste als ausgeblieben an. Der DEHOGA widerspricht: Die Steuersenkung sei kein Preissenkungsprogramm, sondern sichere Betriebe und stabilisiere Preise.

Das Schweizer Parlament will freiwillige Trinkgelder von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen ausnehmen – auch bei elektronischer Zahlung. Der Bundesrat lehnt eine generelle Ausnahme ab und warnt vor möglichen Folgen für die soziale Absicherung.

Die Bundesregierung plant neue Vorgaben für das Bezahlen in Deutschland. Geschäfte, Restaurants und Dienstleister sollen ab 2027 neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten. Welche Verfahren akzeptiert werden müssen und welche Ausnahmen vorgesehen sind.

Die britische Regierung will Regionalbürgermeistern in England künftig die Möglichkeit geben, eine Abgabe auf Übernachtungen zu erheben. Entsprechende Pläne für die sogenannte Touristensteuer stellte nun Wohnungsbauministerin Angela Rayner vor.

Ein politischer Appell des DEHOGA Sachsen-Anhalt, im Nachgang der Landtagswahlen, sorgt für heftigen Streit: Rund 1.700 Kommentare haben sich unter dem Facebook-Beitrag gesammelt. Während einige Nutzer ankündigen, das Bundesland als Reiseziel zu meiden, werfen andere dem Verband vor, Hotellerie und Tourismus zu schaden.

Ferienwohnungen für Touristen, steigende Mieten für Einheimische: In vielen europäischen Städten wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Die Europäische Kommission will Kommunen und Behörden deshalb einen rechtssicheren Rahmen an die Hand geben, um Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb und Booking stärker zu begrenzen. 

Klare Ansage der Potsdamer Wirtschaft: 85 Prozent der 110 teilnehmenden Unternehmen lehnen die Einführung der kommunalen Verpackungssteuer ab. Das ist das zentrale Ergebnis einer gemeinsamen Mitgliederbefragung verschiedener Verbände.