Verbände warnen vor Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung in der Gastronomie

| Politik Politik

Ein breites Verbändebündnis aus Gastronomie, Handwerk und Lebensmittelwirtschaft hat sich laut Mitteilung gegen die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung ausgesprochen. In einem gemeinsamen Schreiben wenden sich die Organisationen an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und fordern, den entsprechenden Gesetzentwurf nicht weiterzuverfolgen. Das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz soll nach aktuellen Planungen am 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Kritik an zusätzlicher Belastung

Nach Angaben des Bundesverbands der Systemgastronomie (BdS) sieht der vorliegende Referentenentwurf eine erhebliche Mehrbelastung für die Branche vor. Der Verband spricht von einem Widerspruch zu den angekündigten Zielen der Bundesregierung, Bürokratie abzubauen und Unternehmen zu entlasten.

„Die geplante Ausweitung würde enorme Kosten und einen massiven organisatorischen Aufwand entlang der gesamten Wertschöpfungskette verursachen - von Herstellern über Großhandel bis hin zu allen gastronomischen Betrieben“, erklärt BdS-Hauptgeschäftsführer Markus Suchert laut Mitteilung. „Gerade unsere überwiegend mittelständisch geprägte Branche steht bereits heute unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.“

Aufwand und Nutzen aus Sicht der Verbände

Das Bündnis geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Umsetzung der Kennzeichnungspflicht tiefgreifende Veränderungen bestehender Abläufe erfordern würde. Genannt werden unter anderem neue IT-Systeme, Anpassungen von Warenströmen sowie zusätzliche Dokumentationspflichten.

Gleichzeitig sehen die Verbände laut Mitteilung keinen entsprechenden Nutzen. „Es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass eine solche Kennzeichnung im Außer-Haus-Markt von Gästen nachgefragt wird oder eine Lenkungswirkung entfaltet“, so Suchert. „Belastung und Nutzen stehen hier in keinem angemessenen Verhältnis.“

Hinweise auf rechtliche Risiken

Neben wirtschaftlichen Auswirkungen verweisen die Verbände auch auf mögliche rechtliche Unsicherheiten. Nach ihren Angaben bestehen Zweifel, ob die im Entwurf vorgesehene Einstufung von Fleischprodukten aus anderen europäischen Ländern das erforderliche EU-Notifizierungsverfahren bestehen würde. In diesem Verfahren prüft die Europäische Union, ob nationale Regelungen mit dem europäischen Recht vereinbar sind und den Wettbewerb im Binnenmarkt nicht beeinträchtigen.

Im Fall einer negativen Bewertung drohe nach Einschätzung der Verbände eine einseitige Belastung deutscher Unternehmen im europäischen Wettbewerb.

Appell an die Bundesregierung

Der BdS sowie weitere beteiligte Organisationen fordern die Bundesregierung laut Mitteilung auf, den Gesetzentwurf zu stoppen. „Wenn Bürokratieabbau ernst gemeint ist, darf neue Bürokratie gar nicht erst entstehen. Die Unternehmen brauchen jetzt Entlastung und keine zusätzlichen Hürden“, sagt Suchert.

An dem Schreiben beteiligt sind neben dem BdS unter anderem der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), das Deutsche Institut für Gemeinschaftsgastronomie (DIG), der Deutsche Fleischer-Verband (DFV), das Deutsche Tiefkühlinstitut (dti), der Großhandelsverband Foodservice (GVF) sowie der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks und Caterer im DEHOGA, wie aus der Mitteilung hervorgeht.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

In Bad Kreuznach sind die Tarifverhandlungen für das rheinland-pfälzische Gastgewerbe vorerst ohne Einigung zu Ende gegangen. Der DEHOGA Rheinland-Pfalz reagierte auf das Scheitern der Gespräche mit deutlicher Kritik an der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Bundesernährungsminister Alois Rainer sieht angesichts der Teuerung bei Nahrungsmitteln keinen Raum für weitere Preisaufschläge etwa für mehr Tierwohl oder auf stark gezuckerte Getränke. «Das kann ich nicht verantworten», sagte Rainer.

Der DEHOGA und die Gewerkschaft NGG haben sich auf einen neuen Entgelt-Tarifvertrag für das baden-württembergische Gastgewerbe geeinigt. Die Übereinkunft umfasst eine Laufzeit bis zum 31. März 2028. Kern der Einigung ist eine schrittweise Erhöhung der Löhne und Gehälter in insgesamt drei Phasen.

Das neue Gesetz zur Modernisierung der Schwarzarbeitsbekämpfung ist in Kraft. Durch digitale Buchprüfungen und automatisierten Datenaustausch will der Zoll illegale Beschäftigung effizienter aufdecken. Während das Gastgewerbe auf weniger Bürokratie hofft, wachsen die Anforderungen an die Dokumentationspflichten der Betriebe.

Der Präsident der Österreichischen Hotelvereinigung übt deutliche Kritik an den Plänen des Finanzministers zur Preisprüfung in der heimischen Gastronomie. Er sieht die Verantwortung für die Inflation bei den hohen Energiekosten sowie staatlichen Abgaben.

Bessere Gesundheit für die Menschen in Deutschland, vielleicht sogar mehr Lebensjahre? Mit solchen Versprechen wirbt der Ärztepräsident für eine neue Abgabe auf bestimmte Produkte.

In Italien war alkoholfreier Wein lange ein Tabu: Traditionalisten fürchteten eine Verwässerung der italienischen Weinkultur. Nach langen Debatten ist der Weg für die inländische Produktion nun frei.

Zum Beginn des neuen Jahres begrüßt der Hotelverband Deutschland (IHA) die Welcome Hotels als neues Mitglied in seinen Reihen. Die Hotelgruppe mit Sitz in Frankfurt am Main ist mit derzeit 14 Häusern in Deutschland vertreten.

In Österreich wird die Handhabung von Trinkgeldern im Hotel- und Gastgewerbe vereinheitlicht. Eine neue Verordnung ersetzt die neun unterschiedlichen Landesregelungen durch bundesweite Pauschalen, schafft Rechtssicherheit und stärkt die Auskunftsrechte der Mitarbeiter.

Mit Blick auf die Finanzierungsprobleme der Rentenkasse hält es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für nötig, dass die Deutschen länger arbeiten und sich seltener und kürzer krankschreiben lassen.