Verbändebündnis gegen Tierhaltungslogo in Restaurants

| Politik Politik

Ein breites Verbändebündnis aus Gastronomie, Handwerk und Industrie hat sich mit einem Positionspapier gegen die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung ausgesprochen. Wie aus einer gemeinsamen Mitteilung vom 23. April 2026 hervorgeht, richtet sich das Schreiben an politische Entscheidungsträger in Bund und Ländern und bezieht sich auf einen Gesetzentwurf der Bundesregierung.

Bundesregierung plant verpflichtende Kennzeichnung auch in Restaurants und Kantinen

Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sieht ein Referentenentwurf vor, die Tierhaltungskennzeichnung künftig auch auf die Außer-Haus-Verpflegung auszuweiten. Damit sollen erstmals auch Restaurants, Kantinen und Imbisse einbezogen werden. Ziel ist es laut Entwurf, Verbrauchern auch außerhalb des Einzelhandels Informationen zu den Haltungsbedingungen von Tieren bereitzustellen.

Weiter heißt es im Entwurf, dass 71 Prozent der Verbraucher mindestens einmal im Monat außer Haus essen. Die geplante Regelung solle es ermöglichen, auch in der Gastronomie eine informierte Kaufentscheidung zu treffen. Zudem ist vorgesehen, die Kennzeichnungspflicht auf verarbeitete Lebensmittel sowie ausländische Produkte tierischen Ursprungs auszuweiten.

Bündnis lehnt Ausweitung auf Gastronomie und verarbeitete Produkte ab

Das Bündnis lehnt diese Pläne laut Mitteilung ab und spricht sich gegen eine verpflichtende Ausweitung auf die Außer-Haus-Verpflegung und verarbeitete tierische Lebensmittel aus. Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), der Bundesverband der Systemgastronomie sowie weitere Branchenorganisationen.

Nach Angaben des Bündnisses würden die neuen Kennzeichnungspflichten zu erheblichen zusätzlichen Kosten und bürokratischem Aufwand führen. Diese Kosten müssten von den Unternehmen getragen und könnten an Verbraucher weitergegeben werden. Besonders betroffen seien Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung wie Schulen, Kitas oder Kliniken.

Unternehmen sehen zusätzlichen Aufwand durch IT-Systeme und Dokumentationspflichten

Laut Mitteilung wäre zur Umsetzung der geplanten Regelungen der Aufbau neuer IT-Systeme, eine lückenlose Chargenrückverfolgung sowie eine getrennte Lagerung nach Tierhaltungsformen erforderlich. Zudem müssten Speisekarten, Anwendungen und Bestellsysteme angepasst werden. Dies gehe mit umfangreichen Dokumentationspflichten einher.

Das Bündnis geht nach eigenen Angaben davon aus, dass dadurch Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe entstehen könnten. Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe seien davon betroffen.

Im Gesetzentwurf selbst wird der zusätzliche jährliche Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft mit rund 12.268.000 Euro angegeben. Hinzu komme ein einmaliger Aufwand von etwa 2.247.000 Euro.

Verbände warnen vor möglichen Auswirkungen auf Tierwohlstandards

Das Bündnis erklärt laut Mitteilung, dass die geplante Regelung nicht zu einer Verbesserung des Tierwohls führe, sondern vor allem zusätzliche Bürokratie schaffe. Zudem wird darauf hingewiesen, dass steigende Kosten entlang der Wertschöpfungskette dazu führen könnten, dass Betriebe verstärkt auf günstigere Produkte zurückgreifen.

Appell an politische Entscheidungsträger zur Überarbeitung des Gesetzentwurfs

In dem Positionspapier appellieren die beteiligten Verbände an die Politik, die geplante Ausweitung der Kennzeichnungspflicht nicht weiterzuverfolgen und aus dem Gesetzentwurf zu streichen. Stattdessen sollten laut Mitteilung praxistaugliche Lösungen und Anreize für mehr Tierwohl im Dialog mit den Beteiligten entwickelt werden.

Der DEHOGA hatte sich bereits zuvor gegen eine Ausweitung der Kennzeichnungspflicht ausgesprochen und argumentiert, dass diese einen unverhältnismäßigen bürokratischen Mehraufwand verursache und für Betriebe sowie Kontrollbehörden schwer umsetzbar sei.



Zurück

Vielleicht auch interessant

Während 60,4 Millionen Übernachtungen über Portale den Wohnraum unter Druck setzen, warnt Hotelier Marco Nussbaum vor der Lobby-Macht der Plattformen. Der Hotelverband IHA liefert mit einem neuen Leitfaden die Werkzeuge für Kommunen, um für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

Die Ära der kleinen Kosmetikfläschchen in Hotelzimmern geht zu Ende. Ab 2030 untersagt eine neue EU-Verordnung Einwegverpackungen für Hygieneartikel im Beherbergungssektor. Während Hotels auf nachfüllbare Spendersysteme umstellen, bleibt der Verkauf von Reisegrößen im Einzelhandel vorerst erlaubt.

Die erste Tarifrunde für die Beschäftigten im niedersächsischen Gastgewerbe endete in Hannover ohne Abschluss. Während der Dehoga eine zweistufige Erhöhung um insgesamt 5 Prozent anbot, lehnte die Gewerkschaft NGG die Vorschläge ab. Die Verhandlungen werden im März fortgesetzt.

Die stellvertretende NGG-Vorsitzende Claudia Tiedge kritisiert Forderungen nach einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags und warnt vor negativen Folgen für die Gleichstellung von Frauen.

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an.

Der DEHOGA setzt sich mit einer Kampagne für die Ablösung der täglichen Höchstarbeitszeit ein. Durch eine Umstellung auf die Wochenarbeitszeit sollen Betriebe sowie deren Beschäftigte von mehr Flexibilität profitieren. Die Bundesregierung braucht der Verband allerdings nicht mehr zu überzeugen. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit ist längst in Planung.

Der CDU-Parteitag hat eine Steuer auf gezuckerte Getränke abgelehnt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will aber noch nicht aufgeben und hat jetzt andere Pläne.

Mehrkosten fürs Mitnehmen? Potsdam will dem Beispiel Tübingen folgen und eine Verpackungssteuer einführen. Die Wirtschaft befürchtet, dass es am Ende der Kunde zu spüren bekommt.

Der Hotelverband Deutschland (IHA) knüpft die Unterstützung für den Digitalen Euro an klare Bedingungen. Für den Erfolg in Hotellerie und Gastronomie fordert der Verband Gebührenfreiheit bei Kleinbeträgen und feste Transaktionsgebühren statt prozentualer Kosten.

Knausern viele Wirte beim Lohn? Der Dehoga Bayern weist Vorwürfe der Gewerkschaft NGG entschieden zurück und betont, dass die Mehrwertsteuersenkung direkt in Lohnsteigerungen und Beschäftigungssicherung fließt.