Bundesbürger 2023 wieder in Reiselaune – Jeder vierte will beim Urlaub sparen

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Die Menschen in Deutschland sind in Reiselaune. Die Nachfrage nach den schönsten Wochen des Jahres steigt. Dennoch ist die Stimmung in der Tourismusbranche nicht ganz ungetrübt. Viele Bundesbürger wollen im Urlaub sparen und setzten eher auf abgespeckte Ferien.

Die hartnäckig hohe Inflation scheint die Reiselaune der Menschen in Deutschland derzeit nicht zu trüben - im Gegenteil. Die Nachfrage zieht deutlich an vor der Internationalen Tourismus-Börse ITB (7. bis 9. März). «Reisebüros und Reiseveranstalter sind mit Volldampf in dieses Jahr gestartet», sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig. Das Niveau der Zeit vor der Corona-Krise ist nach seiner Einschätzung in Sichtweite.

Auch bei Hoteliers, Gastronomen und Co. in Deutschland wächst die Hoffnung.

Im Januar buchten die Menschen in Deutschland nach Daten des Analysehauses TDA Veranstalterreisen für mehr als drei Milliarden Euro in Reisebüros oder online auf den klassischen Reiseportalen. Der Buchungsumsatz übertraf das Vorkrisenniveau von Januar 2019 um zwölf Prozent. Der Trend habe auch in den ersten beiden Februarwochen angehalten, berichtet TDA.

Alle Buchungsmonate des laufenden Tourismusjahres zusammengerechnet lag die Sommersaison Ende Januar 16 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Zum selben Zeitpunkt des Vorjahres wurde noch einen Rückstand von 48 Prozent verzeichnet. Die aktuelle Wintersaison hat das Vorkrisenniveau bereits zu 91 Prozent erreicht.

«Wir sehen das große Bedürfnis nach Urlaub insbesondere für den Sommer - die Frühbucher sind zurück», sagt Fiebig. Das stimme Veranstalter und Reisebüros optimistisch. «Unser Ziel: Mindestens auf dem Niveau von 2019 - also Vor-Corona - abschließen. Das haben wir in der vergangenen Sommersaison schon fast geschafft.»

Das laufende Jahr könnte nach Einschätzung der BAT Stiftung für Zukunftsfragen sogar zu einem Rekord-Reisejahr der Bundesbürger werden. Zum Jahreswechsel gaben 60 Prozent von rund 3000 Befragten an, eine mindestens fünftägige Urlaubsreise zu planen. Nur 20 Prozent sind sicher, in diesem Jahr nicht zu verreisen, weitere 20 Prozent sind noch unentschlossen. Die Reisefrequenz 2023 dürfte damit mindestens auf dem Vor-Corona-Niveau liegen - wenn nicht sogar darüber, heißt es Tourismusstudie der Stiftung.

Umfrage: Jeder vierte Deutsche wird beim Urlaub sparen 

In diesem Jahr wird etwa jeder vierte Deutsche beim Urlaub sparen. Das geht aus einer Umfrage des Automobilclubs ADAC unter 5000 Personen hervor, die am Mittwoch (13.00 Uhr) vorgestellt wird und der Deutschen Presse-Agentur in Teilen vorab vorliegt. Demnach sagten 24 Prozent der Befragten, dass sie weniger Geld für eine Reise aufwenden werden oder ganz verzichten. 23 Prozent werden ein größeres Budget und 51 Prozent ungefähr gleich viel Geld für den Urlaub zur Verfügung haben.

Noch 2021 hatten nur 11 Prozent von einem sinkenden Budget berichtet. Hier könnte allerdings auch der Vergleich mit dem ersten Corona-Jahr 2020 das Ergebnis beeinflusst haben, in dem viele Reisen ausfielen. Grundsätzlich ist das Bedürfnis nach Urlaub gewachsen: 32 Prozent sagten aktuell, es sei größer als 2022. Geringer ist es nur bei 6 Prozent. Weitere Details der Umfrage stellt der ADAC am Mittwoch in einer Online-Pressekonferenz vor.

Statt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ganz auf einen Urlaub zu verzichten, setzen die Menschen in Deutschland auch laut BAT-Stiftung eher auf abgespeckte Ferien. Sie wollen sich zum Beispiel beim Shopping einschränken, manche planen Reisen in der Neben- statt in der Hauptsaison oder wählen ein möglichst preiswertes Ziel.

Davon könnte nach Einschätzung des Deutschen Tourismusverbandes auch das Reiseland Deutschland profitieren. «Manche Bundesbürger verzichten möglicherweise auch wegen der hohen Inflation oder aus Klimaschutzgründen auf Fernreisen und machen stattdessen Urlaub in Deutschland», sagt der Präsident des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Reinhard Meyer. Zudem ziehe die Nachfrage von Gästen aus dem Ausland wieder an, davon profitiere insbesondere der Städtetourismus.

«Es ist durchaus möglich, dass wir die Übernachtungszahlen von 2019 erreichen», zeigt sich Meyer zuversichtlich. Eine genaue Prognose sei wegen des kurzfristigen Buchungsverhaltens der Menschen aber schwierig.

Sorgen bereitet der Branche der Fachkräftemangel. «Ohne Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland wird das Angebotsniveau im Tourismus nicht aufrecht zu erhalten sein», mahnt Meyer.

Den Personalmangel im Luftverkehr bekamen Urlauber bereits im vergangenen Jahr teilweise mit Verspätungen, Flugausfällen sowie langen Wartezeiten deutlich zu spüren. Eine durchgreifende Entspannung scheint nicht in Sicht. Die Lufthansa jedenfalls hat ihren Sommerflugplan schon gestutzt. «Aktuell sind in der Branche die Personalengpässe europaweit noch nicht vollständig überwunden», erläuterte ein Sprecher der Konzern-Kernmarke unlängst. Man habe daher lieber jetzt Flüge aus dem Programm genommen, als diese wie im vergangenen Jahr kurzfristig absagen zu müssen. Die Fluggäste könnten so besser planen.

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie trifft sich die Tourismusbranche in diesem Jahr auf der ITB wieder vor Ort in Berlin. Im Gegensatz zu den Vor-Corona-Jahren steht die ITB nun nur noch Fachbesuchern offen.


 

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