Der deutsche Reisemarkt zeigt zum Auftakt der Fachmesse ITB Berlin ein zweigeteiltes Bild. Während die Gesamtzahl der mehrtägigen Urlaubs- und Privatreisen im Touristikjahr 2024/2025 mit 228 Millionen leicht rückläufig war, hat sich die Fernstrecke Ost als dynamischster Wachstumsmarkt erwiesen. Wie aus Daten des Marktforschungsinstituts YouGov und des Sinus-Instituts hervorgeht, stieg das Volumen in diesem Zielgebiet um 12 Prozent auf über vier Millionen Reisen an. Dieser Zuwachs erfolgt vor dem Hintergrund steigender Preise, die dazu führen, dass die Reiseausgaben insgesamt zunehmen, während die Anzahl der Reisen im Gesamtmarkt um ein Prozent sank.
Innerhalb der Region Fernost verzeichnen insbesondere Vietnam, Japan und Indonesien eine verstärkte Nachfrage. Laut Angaben von Ramona Ottmann, Beraterin für den Bereich Reise und Mobilität bei YouGov, wird dieses Wachstum von sehr unterschiedlichen Bedürfnissen getragen. Während für einen Teil der Reisenden die Entdeckung fremder Kulturen und kulinarischer Besonderheiten im Vordergrund steht, suchen andere nach Komfort oder einem vorteilhaften Verhältnis von Preis und Leistung. Die Komplexität der Planung solcher Reisen bietet nach Einschätzung der Expertin zudem erhebliches Potenzial für den organisierten Reisemarkt.
Differenzierte Motivlagen in den gesellschaftlichen Milieus
Die Analyse des Auslandsreiseverhaltens auf Basis der Sinus-Milieus macht deutlich, dass die Zielgebiete in Fernost von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen aus unterschiedlichen Beweggründen angesteuert werden. Jan Hecht, Direktor für Forschung und Beratung beim Sinus-Institut, gibt an, dass vier Milieus einen überdurchschnittlichen Anteil an Reisen in diese Region aufweisen. Das Expeditive Milieu, das zehn Prozent der deutschen Bevölkerung umfasst, nutzt Metropolen wie Tokio, Seoul oder Bangkok vorrangig für inspirierende Städtereisen. Hier stehen die Suche nach kreativen Impulsen, urbaner Dynamik und Trends abseits bekannter Pfade im Fokus.
Im Gegensatz dazu betrachtet die Adaptiv-Pragmatische Mitte, die zwölf Prozent der Bevölkerung stellt, die Fernreise als Investition in gemeinsame Erinnerungen mit der Familie oder dem Partner. Diese Gruppe bevorzugt eine organisierte Mischung aus Erlebnis und Erholung. Für das Konsum-Hedonistische Milieu, welches acht Prozent der Deutschen ausmacht, fungieren Ziele in Vietnam oder Indonesien primär als Kulisse für Bade- und Lebensstilurlaub. Hier werden die Abkehr vom Alltag sowie erschwingliche exotische Angebote als zentrale Motive genannt.
Nachhaltigkeit und Naturerlebnis als Reisefokus
Eine weitere Gruppe, die den Trend zur Fernstrecke Ost stützt, ist das Neo-Ökologische Milieu mit einem Bevölkerungsanteil von acht Prozent. Diese Reisenden konzentrieren sich laut den vorliegenden Daten auf Rundreisen, bei denen Naturerlebnisse und authentische Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung im Mittelpunkt stehen. Die kulturelle Vielfalt und nachhaltige Angebote werden in diesem Segment besonders gewichtet. Die statistische Grundlage dieser Erkenntnisse bildet das YouGov Shopper Panel, welches seit März 2025 durch eine Kooperation mit dem Sinus-Institut eine Verknüpfung von realen Reisedaten mit den jeweiligen Lebenswelten der Haushalte ermöglicht.












