Finanzierungslücke trotz neuer Bestmarken im Deutschlandtourismus

| Tourismus Tourismus

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) rechnet für das Geschäftsjahr 2025 mit einem neuen Übernachtungsrekord. Während das Statistische Bundesamt die offiziellen Gesamtzahlen für das vergangene Jahr voraussichtlich in der kommenden Woche vorlegen wird, warnt der Verband vor einer Vernachlässigung der strukturellen Grundlagen. Trotz der positiven Nachfrageentwicklung sieht die Branchenvertretung die Attraktivität des Reiseziels Deutschland durch einen massiven Investitionsstau gefährdet.

Kommunale Haushalte unter finanziellem Druck

Ein zentraler Kritikpunkt des Verbandes ist die prekäre Finanzlage der Städte und Gemeinden. Da die Förderung des Tourismus für Kommunen rechtlich als freiwillige Aufgabe eingestuft wird, geraten diese Mittel bei wachsenden Haushaltsdefiziten unter Kürzungsdruck. DTV-Präsident Reinhard Meyer betont die tragende Rolle der lokalen Ebene für die Instandhaltung der Angebote vor Ort. Laut Meyer sind die Kommunen, die maßgeblich in den Ausbau und die Pflege der Infrastruktur investieren, finanziell vielerorts überlastet.

„Wir stehen aktuell vor einem großen Investitionsstau in der touristischen Infrastruktur“, erläutert Meyer. Die steigenden Defizite in den kommunalen Kassen führten dazu, dass notwendige Mittel für den Tourismus zunehmend fehlten. Der Verband sieht hierin ein Risiko für die langfristige Stabilität der Branche, die mit 2,7 Millionen Beschäftigten und einer Bruttowertschöpfung von 144 Milliarden Euro einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor darstellt.

Forderung nach Umsetzung der Nationalen Tourismusstrategie

Um den drohenden Substanzverlust abzuwenden, nimmt der DTV die Bundespolitik in die Pflicht. Der Verband fordert eine spürbare Entlastung der Kommunen durch Bund und Länder sowie eine Ausweitung der Tourismusförderung. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Nationalen Tourismusstrategie. Deren Ziele und Maßnahmen müssen sich nach Ansicht des Verbandes deutlich im nächsten Bundeshaushalt wiederfinden.

„Wenn der Bund gemeinsam mit den Ländern nicht endlich die Kommunen entlastet und die Tourismusförderung stärkt, wird aus Erfolgsmeldungen schnell Stagnation oder sogar ein Rückgang“, warnt Meyer. Eine Reduzierung der staatlichen Unterstützung würde den Sektor hart treffen. Die Qualität der Reiseziele, die auf Naturlandschaften, kultureller Vielfalt und historischen Sehenswürdigkeiten basiert, bilde das Fundament für die wirtschaftliche Existenz von Hotels, Gastronomiebetrieben und weiteren Dienstleistern.

Bedeutung der touristischen Infrastruktur

Der Verband unterstreicht, dass die touristische Wertschöpfung unmittelbar an eine stabile Finanzierung gekoppelt ist. Die Attraktivität Deutschlands als Reiseland dürfe nicht als Selbstläufer betrachtet werden. „Deutschland ist ein attraktives Reiseland. Gleichzeitig dürfen wir uns auf Erfolgsmeldungen nicht ausruhen“, so Meyer abschließend. Ohne eine verlässliche Förderung und die Instandhaltung der öffentlichen Infrastruktur sei die Wettbewerbsfähigkeit der Destinationen langfristig gefährdet.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Rheinkirmes in Düsseldorf feiert mit Start in die Kirmessaison 125 Jahre Jubiläum auf der Rheinwiese. Das Volksfest bietet immer noch Neuheiten: Der Veranstalter verspricht in diesem Jahr rund 30 neue Angebote.

Vom Meeresrauschen in den Schlaf gewiegt werden und morgens den Sonnenaufgang über der See beobachten: Schlafstrandkörbe sind beliebt. Über eine Erfolgsgeschichte aus dem Norden.

Eine aktuelle Analyse untersucht die Beliebtheit von 30 Alpendestinationen anhand von Instagram-Followerzahlen und Gastronomiebewertungen. Die Ergebnisse zeigen regionale Unterschiede in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz.

Eine Umfrage unter Ferienhausvermietern zeigt, dass neben klassischen Verboten auch kurios anmutende Regeln existieren. Diese spezifischen Vorgaben sollen meist die Unterkunft vor Schäden bewahren und den Aufenthalt für alle Gäste sichern.

Strand, Altstadt oder Sehenswürdigkeit: Im Urlaub ist das Smartphone schnell gezückt. Doch wer die Fotos anschließend in sozialen Medien oder in größeren Chatgruppen teilt, sollte vorher genau hinschauen.

Der Wildes-Wasser-Weg in Bodenmais ist zum schönsten Wanderweg Deutschlands 2026 in der Kategorie Tagestouren gewählt worden. Insgesamt beteiligten sich über 52.000 Personen an der Abstimmung des Wandermagazins.

Das Statistische Bundesamt registriert für das erste Halbjahr 2026 gestiegene Preise für Flugtickets und Pauschalreisen. Dabei zeigen sich je nach Destination teils deutliche regionale Unterschiede bei den Kosten.

Die anhaltende Trockenheit im Hochsommer lässt die Pegelstände des Rheins in Hessen und Rheinland-Pfalz fallen und fallen - für Kabinenschiffe könnte es demnächst eng werden.

Ein aktueller Bericht offenbart wachsende Unterschiede im Reiseverhalten europäischer Nationen. Während Reisende in Deutschland ihre Ausgaben pro Trip erhöhen, setzen britische Urlauber auf eine höhere Frequenz.

Der Deutsche Tourismusverband hat seinen Praxisleitfaden für nachhaltigen Tourismus aktualisiert. Eine Studie zeigt gleichzeitig, dass zwar ein hohes Bewusstsein herrscht, aber oft personelle und finanzielle Kapazitäten fehlen.