Hamburger Tourismusverband fordert Masterplan

| Tourismus Tourismus

Hamburgs Tourismusverband hat angesichts der Corona-Pandemie vom Senat ein weit reichendes Konzept für Wege aus der Branchenkrise gefordert. «Wir brauchen einen touristischen Masterplan, der für die nächsten drei, vier, fünf Jahre festsetzt, wen wollen wir, was wollen wir und in welche Richtung soll es gehen», sagte der Verbandsvorsitzende Wolfgang Raike am Donnerstag in Hamburg. Es gebe einen Masterplan für den Hafen, es gebe Cluster für Gesundheit und die Luftfahrt. Der Tourismus sei da immer etwas zu kurz gekommen. Der Plan müsse sehr weit reichen, da der Tourismus als Querschnittsbranche die Stadtplanung, den Verkehr und viele andere Bereiche betreffe.

Nach Angaben des Statistikamts Nord sind die Gäste- und Übernachtungszahlen in Hamburg nach Ausbruch der Corona-Pandemie im April eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl der Gäste um 96,8 Prozent auf nur noch 21 000. Die Zahl der Übernachtungen ging um 94,1 Prozent auf 80 000 zurück. In die Statistik gingen 261 geöffnete Beherbergungsstätten mit 37 600 Betten ein. Die durchschnittliche Bettenbelegung lag bei knapp 8 Prozent. «Und auch heute ist die Krise nicht überwunden», sagte Raike mit Blick auf die Gastronomie, die Bars und die Veranstaltungen.

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) zeigte großes Verständnis für die Branche. Die Pandemie sei für den Tourismus ein «Schlag in die Magengrube» gewesen, sagte sie und kündigte in den nächsten Wochen «einen sehr viel intensiveren Dialog» an. Zu sprechen sei etwa über den deutlichen und wohl auch noch lange anhaltenden Rückgang der Geschäftsreisen. Aus ihrer Sicht muss die Branche künftig schneller reagieren und sich viel stärker auf Tagestouristen einstellen.

Das bedinge aber auch, dass sich die Innenstadt verändere, sagte Fegebank. Die üblichen Mode- und Drogerie-Ketten gebe es in fast jeder Stadt. «Warum soll ich dafür nach Hamburg kommen», sagte die Zweite Bürgermeisterin. Auch für Familien mit kleinen Kindern sei die Innenstadt nicht wirklich attraktiv, so gebe es nicht einmal einen Spielplatz. «Ich bin der ganz, ganz festen Auffassung, dass wir unsere Innenstadt (...) komplett umkrempeln müssen, dass wir überlegen müssen, wie beleben wir sie am Abend, was können wir tun, um am Wochenende die Attraktivität zu steigern.»

Problematisch sei auch die Konkurrenz durch das Umland und die Küste, die wegen der Corona-Pandemie bei Touristen zum Nachteil Hamburgs deutlich an Beliebtheit zugelegt hätten. Sorge mache sie sich auch um die Gastronomie. Zuletzt sei es zwar mit der vergrößerten Außengastronomie wieder besser gelaufen. «Aber ich bin da schon etwas sorgenvoll, wenn ich jetzt auf den Herbst und den Winter gucke.» Noch schlimmer sei es jedoch bei den vielen ausgefallenen Veranstaltungen. Das sei eine «ganz bittere Kiste». «Da weiß man gar nicht, was man da sagen soll. Das ist einfach dramatisch», sagte Fegebank. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Meta hat mit Muse einen persönlichen KI-Agenten gestartet, der in den USA unter anderem Reisen suchen und buchen kann. Für Flüge greift Muse über Duffel auf Angebote von mehr als 500 Fluggesellschaften zu, während Hotels bislang über den offenen Internetzugang gesucht werden.

Acht Schiffe sind bei den Kreuzfahrt Guide Awards 2026 ausgezeichnet worden. Der Sonderpreis geht an die Hamburger Reederei Sea Cloud Cruises. Mehr als 100 Vertreter der Kreuzfahrtbranche kamen zur Preisverleihung in den Altonaer Kaispeicher.

Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland haben im Juli 2026 58,4 Millionen Übernachtungen verbucht. Das waren 3,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Auch von Januar bis Juli lagen die Übernachtungszahlen über dem Vorjahresniveau.

In Schweden sorgt eine Hütte mit Lärm-Limit für Aufsehen. Die PR-Aktion von Touristikern will auf die Dauerbeschallung des Alltags aufmerksam machen. Ist ruhiges Reisen der Schlüssel zum Abschalten?

Weniger USA-Reisen: In Deutschland und der Schweiz gehen die Buchungen deutlich zurück. An welcher Stelle die USA bei den beliebtesten Fernreisezielen in diesem Jahr voraussichtlich stehen werden.

Zum Oktoberfest erwartet die Bahn pro Tag etwa 100.000 Fahrgäste zusätzlich in München. Doch am Hauptbahnhof herrscht wegen Bauarbeiten ohnehin Platzmangel. Wie dieses Problem gelöst werden soll.

Der deutsche Sommer fand bei Airbnb vor allem in der Natur statt: Mehr als zwei Drittel (67,9 Prozent) der Buchungen in Deutschland entfielen im Sommer 2026 auf ländliche Regionen.

München führt ein Ranking von Fit Reisen zu 177 deutschen Reisezielen an. Auffällig schneiden mehrere kleinere Orte ab: Rottach-Egern und Ofterschwang erreichen die Plätze drei und vier, Bergisch Gladbach und Deidesheim folgen auf den Rängen fünf und sechs.

Die Züge der Deutschen Bahn waren im August zwar etwas pünktlicher unterwegs als zuletzt. Doch wetterbedingte Störungen bei Anlagen führten erneut zu erheblichen Verzögerungen für Fahrgäste.

Im Strandkorb über Sorgen sprechen, beim Spaziergang neue Gedanken fassen: Wie die Tourismusseelsorge Urlauber dabei unterstützen will, die Maske des Alltags abzulegen. Eine Sommerbilanz.