Kein Straßenkarneval in Rio de Janeiro

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Erst die Verschiebung des weltberühmten Karnevals im Sambodrom, jetzt hat die brasilianische Metropole Rio de Janeiro wegen der Corona-Pandemie auch ihren Straßenkarneval abgesagt. Dies berichtete das Nachrichtenportal «G1». Demnach einigten sich Vertreter der «Blocos» genannten Karnevalsgruppen, die sonst in den Straßen und auf Plätzen feiern, sowie die städtische Tourismusagentur Riotur und Experten für Gesundheit und öffentliche Sicherheit nach einer Online-Besprechung auf die Absage.

«Ohne Impfstoff ist ein traditioneller Karneval nicht möglich», zitierte die Nachrichtenagentur Agência Brasil Riotur-Präsident Fabrício Villa Flor. «Die Position der Blocos war sehr verantwortungsvoll.»

Nach den USA und Indien verzeichnet Brasilien die meisten Corona-Infektionen - es sind offiziell über 5,4 Millionen. Mehr als 158 000 Menschen sind in dem größten Land Lateinamerikas im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Die Stadt Rio registrierte bis Donnerstag offiziell mehr als 118 000 Infizierte und über 12 000 Todesfälle.

Wegen Corona war bereits die Silvesterparty an der Copacabana abgesagt worden; die Umzüge im Sambodrom, die im Februar stattfinden sollten, wurden erstmals seit 1912 verschoben. Den Berichten zufolge stimmten alle Teilnehmer überein, dass eine Veranstaltung von der Größe des Straßenkarnevals ebenfalls weder sinnvoll noch sicher wäre. Zuletzt hatte der Karneval in Rio laut «G1» unter Berufung auf Riotur allein in vier Tagen mehr als drei Millionen Menschen auf die Straße gelockt.

«Es macht mich sehr traurig, weil ich keine Perspektive für einen Karneval im Jahr 2021 sehe. Ganz gleich, wie sehr wir uns bemühen eine gewisse Sicherheit zu gewährleisten - am Ende ist er doch ein spontanes Fest», sagte Staatsanwältin Andréa Amin dem Portal zufolge.

Der Karneval ist die jährliche Katharsis eines Volkes, bei der sich der Druck wie aus einem Dampfkochtopf befreit. Er gilt als Reinigung der Seele, als Ereignis, bei dem fast alles erlaubt ist - das Tanzen, das Flirten und noch mehr. Im Karneval amüsieren sich alle trotz sonst oft trauriger Lebensumstände. Er hilft bei der Flucht in eine andere Welt, in der nach der Theorie des brasilianischen Anthropologen Roberto da Matta alles umgekehrt ist: Autofahrer halten an, wenn Sambagruppen vorbeiziehen. Männer verkleiden sich als Frauen. Weiße jubeln Schwarzen zu.

Der Samba, der 2016 seinen 100. Geburtstag feierte, war als afro-brasilianische Musik zunächst verpönt. Inzwischen hat der Karneval sich längst zu einem gesellschaftlichen Ereignis und einer Touristenattraktion entwickelt. Mehr als zwei Millionen Besucher kamen im vergangenen Februar nach Rio. Dem Portal «Carnavalesco» zufolge bringt der Karneval der Stadt sonst Einnahmen von vier Milliarden Reais, umgerechnet rund 620 Millionen Euro. (dpa)
 

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