Keine Klarheit für Bahnreisende: Regierung streitet über 3G-Regel

| Tourismus Tourismus

Bahnkunden bekommen vorerst keine schnelle Klarheit über mögliche neue Nachweispflichten zum Corona-Schutz in Fernzügen. In der Bundesregierung gibt es Streit über eine Einführung der so genannten 3G-Regel auch für ICE und Intercity - also Mitfahrt nur für Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete mit entsprechendem Beleg. Drei unionsgeführte Ministerien machten erhebliche Bedenken geltend. Eine Durchsetzung wäre «praktisch nicht durchführbar», heißt es in einem Papier des Verkehrs-, Gesundheits- und Innenressorts, das der Deutschen Presse-Agentur am Montag vorlag. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hält 3G in Fernzügen aber weiter für eine «mögliche und sinnvolle Maßnahme», wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte.

Die Regierung hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, 3G-Vorgaben für Fernzüge und Inlandsflüge zu prüfen, die bereits für bestimmte Innenräume gelten. In dem Papier erläutern die drei Ministerien, Wesensmerkmal des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs sei der offene Zugang. Fahrgäste würden nicht beim Einstieg kontrolliert und müssten sich nirgendwo registrieren oder einen festen Sitzplatz reservieren. «Eine Kontrolle beim Einstieg ist aufgrund der kurzen Haltezeiten ausgeschlossen.» Auch während der Fahrt finde weder im Fern- noch im Nahverkehr eine vollständige Ticketkontrolle statt.

Selbst wenn punktuelle Kontrollen durchgeführt werden würden, könne Verstößen «nur mit Unterstützung der Bundespolizei und/oder des Sicherheitspersonals der Bahnen begegnet werden. Die Sanktion kann nur ein Beförderungsverbot/-ausschluss sein, die an der nächsten Haltestelle durchgesetzt werden müsste». In dem Papier heißt es weiter, auch wegen der Maskenpflicht im öffentlichen Personenverkehr seien mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass weder das Zugpersonal noch die Fahrgäste einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt seien.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Sonntagabend beim Fernsehsender Bild zu 3G in Zügen: «Ich sehe es nicht kommen.» Dies sei das Ergebnis einer Prüfung durch die Fachressorts. Allerdings betonte Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) am Sonntagabend im TV-Triell von RTL und ntv mit Blick auf die Prüfung in der Regierung: «Der Wunsch von mir und der Kanzlerin ist, dass es klappen soll.»

Regierungssprecher Seibert sagte angesichts steigender Corona-Zahlen: «Wir müssen doch darüber nachdenken, was wir tun können, um diesen Anstieg auch wieder zu dämpfen oder zu stoppen.» Er verwies auf eine 3G-Regelung in Fernzügen in Frankreich, Italien plane dies ab Anfang September. Dort sei dies nicht unmöglich oder unkontrollierbar. «Insofern ist die Bundeskanzlerin weiter der Meinung, dass 3G in Fernzügen und auf Inlandsflügen eine mögliche und sinnvolle Maßnahme sein kann», sagte Seibert. Es gebe Gegenargumente, dies sei auch der «Charakter eines Prüfauftrags» in der Regierung. Nun solle die Entwicklung der nächsten Zeit sehr genau beobachtet werden.

Die italienische Regierung hat beschlossen, ab 1. September in Fern-, Hochgeschwindigkeits- und Intercityzügen den sogenannten Grünen Pass zu verlangen - einen digitalen oder ausdruckbaren Nachweis über eine Impfung, einen negativen Test oder dass man genesen ist. Laut Betreiber Trenitalia kontrolliert das Zugpersonal, ob man ihn dabeihat. In Frankreich müssen Reisende schon seit 9. August in Fernzügen einen solchen digitalen Gesundheitspass haben. Kontrolliert wird stichprobenhaft - vor der Abfahrt etwa am Zugang zu Bahnsteigen, oder auch während der Fahrt durch Zugbegleiter.

Bei Kontrollen hatten nach Erfahrung der französischen Bahn bisher praktisch alle Reisenden einen Gesundheitspass dabei. Mit Blick auf Frankreich hatte das Bundesverkehrsministerium allerdings bereits darauf hingewiesen, dass es dort anders als in Deutschland eine Reservierungspflicht bei Tickets für TGV-Hochgeschwindigkeitszüge und Kontrollen beim Zugang zu den Wagen gebe.

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen steigt in Deutschland seit Wochen an, in den vergangenen Tagen aber teils nicht mehr ganz so stark wie zuvor. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montag liegt sie nun bundesweit bei 75,8 - nach 74,1 am Vortag und 56,4 vor einer Woche. Die Spanne unter den Bundesländern reicht von 15,0 in Sachsen-Anhalt bis 127,7 in Nordrhein-Westfalen. Die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Covid-19-Patienten war am Sonntag erstmals im Zuge der vierten Welle bundesweit über 1000 gestiegen.

In der Debatte über das Corona-Vorgehen in den nächsten Monaten kann sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auch eine Verschärfung der Vorgaben zu 2G vorstellen - also dass nur Geimpfte und Genesene Zutritt zu bestimmten Einrichtungen haben. «Das kann ich nicht ausschließen, weil wir die Infektionslage noch nicht überblicken können, die uns im Herbst und Winter erwartet. Ab einem bestimmten Punkt wäre 2G für sehr viele Bereiche denkbar», sagte der SPD-Politiker der «Rheinischen Post» (Montag). In der aktuellen Lage sei das aber nicht mit dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz vereinbar.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Rheinkirmes in Düsseldorf feiert mit Start in die Kirmessaison 125 Jahre Jubiläum auf der Rheinwiese. Das Volksfest bietet immer noch Neuheiten: Der Veranstalter verspricht in diesem Jahr rund 30 neue Angebote.

Vom Meeresrauschen in den Schlaf gewiegt werden und morgens den Sonnenaufgang über der See beobachten: Schlafstrandkörbe sind beliebt. Über eine Erfolgsgeschichte aus dem Norden.

Eine aktuelle Analyse untersucht die Beliebtheit von 30 Alpendestinationen anhand von Instagram-Followerzahlen und Gastronomiebewertungen. Die Ergebnisse zeigen regionale Unterschiede in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz.

Eine Umfrage unter Ferienhausvermietern zeigt, dass neben klassischen Verboten auch kurios anmutende Regeln existieren. Diese spezifischen Vorgaben sollen meist die Unterkunft vor Schäden bewahren und den Aufenthalt für alle Gäste sichern.

Strand, Altstadt oder Sehenswürdigkeit: Im Urlaub ist das Smartphone schnell gezückt. Doch wer die Fotos anschließend in sozialen Medien oder in größeren Chatgruppen teilt, sollte vorher genau hinschauen.

Der Wildes-Wasser-Weg in Bodenmais ist zum schönsten Wanderweg Deutschlands 2026 in der Kategorie Tagestouren gewählt worden. Insgesamt beteiligten sich über 52.000 Personen an der Abstimmung des Wandermagazins.

Das Statistische Bundesamt registriert für das erste Halbjahr 2026 gestiegene Preise für Flugtickets und Pauschalreisen. Dabei zeigen sich je nach Destination teils deutliche regionale Unterschiede bei den Kosten.

Die anhaltende Trockenheit im Hochsommer lässt die Pegelstände des Rheins in Hessen und Rheinland-Pfalz fallen und fallen - für Kabinenschiffe könnte es demnächst eng werden.

Ein aktueller Bericht offenbart wachsende Unterschiede im Reiseverhalten europäischer Nationen. Während Reisende in Deutschland ihre Ausgaben pro Trip erhöhen, setzen britische Urlauber auf eine höhere Frequenz.

Der Deutsche Tourismusverband hat seinen Praxisleitfaden für nachhaltigen Tourismus aktualisiert. Eine Studie zeigt gleichzeitig, dass zwar ein hohes Bewusstsein herrscht, aber oft personelle und finanzielle Kapazitäten fehlen.