Luftfahrt lehnt verschärfte Quarantäne für Flugreisende ab

| Tourismus Tourismus

Die Pläne zur verschärften Quarantäne von Reiserückkehrern haben in der Luftfahrt zu massiven Protesten geführt. Die Verbände BDL und ADV nannten die von Oktober an geplanten Maßnahmen «unverhältnismäßig», weil eine mindestens fünf Tage lange Quarantäne mit einem abschließenden negativen Corona-Test einen erneuten Lockdown des Flugbetriebs bedeute.

Der Gründer der Pharmafirma Centogene, Arndt Rolfs, schlug am Freitag einen Doppeltest vor: «Alternativ zur fünftägigen Zwangsquarantäne, an deren Ende ein negatives Testergebnis stehen muss, um die Quarantäne verlassen zu können, sollte vernünftigerweise die Möglichkeit einer Testung am Tag der Einreise und nach 5 Tagen angeboten werden, um damit der Zwangsquarantäne entgehen zu können.»

Nach den Beschlüssen der Ministerpräsidenten der Länder vom Donnerstag wird für Rückkehrer aus Risikogebieten die alte Regelung eines Pflichttests bei der Einreise mindestens noch bis zum 1. Oktober weiter bestehen. Für die übrigen Heimkehrer sollen die kostenlosen Tests ab dem 16. September entfallen.

BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow wies darauf hin, dass die positiv getesteten Reiserückkehrer nur in einem sehr geringen Ausmaß aus Gebieten kämen, wo die Menschen das Flugzeug für ihre Reise nutzen. «Die übergroße Mehrheit der positiv getesteten Reisenden kam aus Kosovo und anderen Balkanländern, wo der wesentliche Reiseverkehr nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto stattfindet.»

«Ein zweiter Lockdown wäre fatal für die Flughäfen», warnte auch Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV. «Es wäre besser, die etablierte Testinfrastruktur an den Flughäfen weiter zu nutzen und Reisende aus Risikogebieten schnell zu testen.» Während der Diskussion hatten sich auch Manager der Lufthansa und des Flughafenbetreibers Fraport gegen schärfere Quarantäneregeln für Rückkehrer ausgesprochen.

Der BDL appellierte an die Bundesregierung und die Länder, die verbleibende Zeit bis Oktober zu nutzen, um den Lockdown zu vermeiden. Es könnten ausreichende Testkapazitäten bereit gestellt werden, die sinnvoll und effizient eingesetzt werden müssten. Von Randow schlug zudem vor, bei der Risikoanalyse auch außerhalb Europas die einzelnen Regionen der Herkunftsstaaten in den Blick zu nehmen. Es müssten nicht immer ganze Länder zu Risikogebieten erklärt werden.

Sein Unternehmen werde in jedem Fall die Zentren in Frankfurt und Hamburg aufrechterhalten, kündigte Centogene-Chef Rolfs an. «Das Testen in den Symbolen der Mobilität - und das sind die Flughäfen - ist ein entscheidender Beitrag im Kampf gegen die Pandemie.» Kurzfristig rechne er mit einer Abnahme der Testzahlen bei Umsetzung der Länderpläne, sagte der Neurologe. «Mittel- und langfristig werden sie aber ohne Zweifel weiter ansteigen, weil Tests noch lange Zeit unverzichtbar sein werden. Den Impfstoff wird es nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre flächendeckend in guter Qualität geben.»

Die Centogene-Zentren hatten anfangs ausschließlich gegen Entgelt Corona-Tests durchgeführt. Auch künftig werde man Testkapazitäten vorhalten - beispielsweise für Kunden, die bei der Einreise nach China oder Israel einen frischen Corona-Test vorlegen müssen. Auch für die Ankommenden müssten die Tests am Flughafen einfach zu erreichen sein. «Der Test muss zum Anwender kommen.»

Auch das Testzentrum des Deutschen Roten Kreuzes am Flughafen Frankfurt werde bis auf Weiteres regulär weitergeführt, teilte eine Sprecherin mit. Man sei weiterhin vom Land Hessen beauftragt, kostenlose Tests für Reiserückkehrer anzubieten, die aus Risikogebieten mit dem Flugzeug am Frankfurter Airport ankommen. Seit der Eröffnung am 30. Juli wurden in dem DRK-Zentrum 55 000 Tests durchgeführt, von denen rund ein Prozent eine Infektion mit dem Covid-19-Virus anzeigte. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine Untersuchung belegt eine hohe Pünktlichkeits-Disziplin deutscher Reisender und zeigt deutliche Unterschiede beim Bedürfnis nach persönlichem Freiraum. Während Senioren die größte Gelassenheit an den Tag legen, fordert die jüngere Generation verstärkt Distanz.

Fit Reisen hat über 7,5 Millionen Google-Bewertungen analysiert, um die besten Stadtparks Europas zu ermitteln. Während Madrid den ersten Platz verteidigt, bleibt Hamburgs Planten un Blomen die bestbewertete Anlage in Deutschland.

In München entsteht mit der „Marina Monaco“ ein temporäres Freizeitareal auf einem ehemaligen Industriegelände. Die Eröffnung ist für Mai geplant, langfristig soll dort ein neues Stadtquartier entstehen.

Am Bodensee spitzt sich ein Streit zwischen deutschen und Schweizer Schifffahrtsunternehmen zu – mit spürbaren Folgen für Fahrgäste. Die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt (SBS) fährt in dieser Saison den Konstanzer Hafen nicht an. Hintergrund ist ein Streit über Ticketgelder.

Trotz wirtschaftlicher Schwäche stiegen die Geschäftsreisen in Deutschland deutlich an. Die VDR-Analyse zeigt mehr Reisen, sinkende Kosten und veränderte Strukturen im Markt.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus analysiert fortlaufend die Folgen des Iran-Konflikts für den Tourismus nach Deutschland. Berichte zeigen Auswirkungen auf Flugverkehr, Preise und Nachfrage.

Nach Wochen im Persischen Golf haben die «Mein Schiff 4» und «Mein Schiff 5» die Region verlassen können - zwei geplatzte Reisen können nun stattfinden. Auch andere Schiffe passierten die Meerenge.

In Rottweil wird am kommenden Freitag die neue Fußgänger-Hängebrücke „Neckarline“ eröffnet. Die Brücke überspannt das Neckartal auf einer Länge von 606 Metern und gilt damit als längste Hängebrücke ihrer Art in Baden-Württemberg.

Sylt, Usedom, Norderney: Mobiles Arbeiten mit Meerblick ist auch in SH, MV und Niedersachsen möglich. Neben strandnahen Coworking-Plätzen gibt es dafür mancherorts auch spezielle Strandkörbe.

Leere Betten in Wien, Stornowellen in Zürich, wenig Auswirkungen in Spanien und Italien: Warum der Iran-Krieg Asien-Reisende fernhält und welche Folgen das für Hotels und Händler in Europa hat.