«Luftverkehrsgipfel»: Branche fordert weitere Milliarden vom Staat

| Tourismus Tourismus

Die in der Corona-Krise schwer angeschlagene Luftverkehrsbranche hofft bei einem Spitzentreffen mit der Bundesregierung am Freitag auf umfassende Nothilfen. Weil das Passagieraufkommen eingebrochen ist, strebt Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein milliardenschweres Rettungspaket etwa für Flughäfen an, um Standorte und Jobs zu sichern. Dazu laufen Verhandlungen mit dem Finanzministerium. Die Linke und der BUND sprachen sich dafür aus, unrentable Regionalflughäfen dicht zu machen. Die FDP dagegen forderte Scheuer auf, Gebühren, Entgelte und Steuern für die Branche deutlich zu senken.

Bei einem digitalen Treffen diskutieren Politiker und Vertreter der Branche am Freitag (10.00 Uhr) über die Lage. Neben Scheuer nehmen weitere Bundesminister teil, dazu Länderverkehrsminister sowie Spitzenvertreter der Branche.

Der Branchenverband BDL hatte gewarnt, von rund 260 000 Arbeitsplätzen allein bei den deutschen Airlines und an den Flughäfen seien akut rund 60 000 gefährdet. Es drohten irreparable Strukturbrüche.

Als «wichtiges Zeichen und ersten Schritt» müsse der Bund den Flughäfen die Kosten erstatten, die im ersten Lockdown für das politisch gewollte Offenhalten der Infrastruktur entstanden seien, sagt Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV. Es gehe um Vorhaltekosten von 740 Millionen Euro - eine Summe, die vor allem kleinen und mittleren Flughäfen zugute kommen soll.

In den Beratungen wird es auch um die Beteiligung der Länder gehen müssen, die häufig gemeinsam mit Anrainer-Kommunen Eigentümer der strukturpolitisch erwünschten Flughäfen sind. Schon vor der Krise haben nur sehr wenige Betreibergesellschaften Gewinn gemacht. Entsprechend düster sind die Aussichten bei einem auf Jahre reduzierten Flugbetrieb. Der Flughafen Paderborn-Lippstadt hat sich bereits in die Insolvenz in Eigenverwaltung begeben, weitere Standorte könnten bald folgen.

Der FDP-Politiker Bernd Reuther sagte, Scheuer müsse Bremsklötze bei den Belastungen im Luftverkehr lösen. «Das bedeutet Gebühren, Entgelte und Steuern deutlich zu senken beziehungsweise zu streichen und in innovative Technologien zu investieren. Erst dann kann über weitere Unterstützungsmaßnahmen gesprochen werden.»

In einem Positionspapier der FDP-Fraktion heißt es, die Luftverkehrssteuer solle abgeschafft werden. Daneben müsse es höchste Priorität sein, die Luftverkehrswirtschaft wieder in die Lage zu versetzen, ihre Mobilitätsdienste anbieten zu können, um damit Einkommen zu erwirtschaften und Arbeitsplätze zu erhalten. Dafür sei es nötig, Reiserestriktionen weiter zurückzuführen und Drittstaaten nicht pauschal als Risikogebiete zu kennzeichnen.

Die Linke und der Umweltverband BUND wandten sich mit Blick auf das von Scheuer geplante Paket gegen Hilfen mit der «Gießkanne». Der Linke-Verkehrspolitiker Jörg Cezanne sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die Perspektive der betroffenen Beschäftigten muss in der Krise geschützt werden, aber nicht die Vielzahl schon seit Jahren defizitärer Klein- und Kleinstflughäfen. Flughäfen wie Paderborn-Lippstadt oder der Kasselairport belasten das Klima und die öffentlichen Haushalte, verkehrlichen Nutzen haben sie jedoch nicht.»

Der Luftverkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Werner Reh, sagte, heute wickelten zehn von 24 Flughäfen bereits über 92 Prozent des gesamten deutschen Flugverkehrs ab. «Zehn der 14 Regionalflughäfen in Deutschland sind dauerhaft von staatlichen Subventionen abhängig und haben keine Verkehrsfunktion für die regionale Wirtschaft. Diese Zombie-Flughäfen dürfen nicht durch Subventionen wiederbelebt werden, um die Klimakrise weiter zu verschärfen.»

Kritik kam auch von der Umweltschutzorganisation Germanwatch. «Subventionen für Flughäfen kommen Investitionen in die Klimakrise gleich und sind volkswirtschaftlicher Unfug», sagte Germanwatch-Expertin Lena Donat der dpa. Das Fliegen befeuere die Erderwärmung: «Wir können es uns angesichts der Klimakrise nicht leisten, nach Corona wieder so viel zu fliegen wie vorher.» Es sei ein Irrglaube, dass all diese Flüge durch technologische Lösungen klimaneutral werden könnten. Steuergelder sollten besser nachhaltig investiert werden, etwa in Bus und Bahn sowie den europaweiten Zugverkehr. «Das Motto muss heißen: Zug statt Flug».

(dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Rheinkirmes in Düsseldorf feiert mit Start in die Kirmessaison 125 Jahre Jubiläum auf der Rheinwiese. Das Volksfest bietet immer noch Neuheiten: Der Veranstalter verspricht in diesem Jahr rund 30 neue Angebote.

Vom Meeresrauschen in den Schlaf gewiegt werden und morgens den Sonnenaufgang über der See beobachten: Schlafstrandkörbe sind beliebt. Über eine Erfolgsgeschichte aus dem Norden.

Eine aktuelle Analyse untersucht die Beliebtheit von 30 Alpendestinationen anhand von Instagram-Followerzahlen und Gastronomiebewertungen. Die Ergebnisse zeigen regionale Unterschiede in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz.

Eine Umfrage unter Ferienhausvermietern zeigt, dass neben klassischen Verboten auch kurios anmutende Regeln existieren. Diese spezifischen Vorgaben sollen meist die Unterkunft vor Schäden bewahren und den Aufenthalt für alle Gäste sichern.

Strand, Altstadt oder Sehenswürdigkeit: Im Urlaub ist das Smartphone schnell gezückt. Doch wer die Fotos anschließend in sozialen Medien oder in größeren Chatgruppen teilt, sollte vorher genau hinschauen.

Der Wildes-Wasser-Weg in Bodenmais ist zum schönsten Wanderweg Deutschlands 2026 in der Kategorie Tagestouren gewählt worden. Insgesamt beteiligten sich über 52.000 Personen an der Abstimmung des Wandermagazins.

Das Statistische Bundesamt registriert für das erste Halbjahr 2026 gestiegene Preise für Flugtickets und Pauschalreisen. Dabei zeigen sich je nach Destination teils deutliche regionale Unterschiede bei den Kosten.

Die anhaltende Trockenheit im Hochsommer lässt die Pegelstände des Rheins in Hessen und Rheinland-Pfalz fallen und fallen - für Kabinenschiffe könnte es demnächst eng werden.

Ein aktueller Bericht offenbart wachsende Unterschiede im Reiseverhalten europäischer Nationen. Während Reisende in Deutschland ihre Ausgaben pro Trip erhöhen, setzen britische Urlauber auf eine höhere Frequenz.

Der Deutsche Tourismusverband hat seinen Praxisleitfaden für nachhaltigen Tourismus aktualisiert. Eine Studie zeigt gleichzeitig, dass zwar ein hohes Bewusstsein herrscht, aber oft personelle und finanzielle Kapazitäten fehlen.