«Richtig Bock» - Mallorca hofft auf Rekord-Saison

| Tourismus Tourismus

Die Vorfreude auf Mallorca mit Blick auf die anstehende Saison ist riesig. «Ich habe richtig Bock. Die Rückkehr zum normalen Leben wird kaum noch zu verhindern sein», sagt Ron Büttner. Der Wirt betreibt auf der spanischen Ferieninsel den Kölsch Pub 4711 an der Playa de Palma. «Schon jetzt geht es in vielen Kneipen in der Gegend zu wie früher.» Für Sorgenfalten sorgen allerdings ein neues Tourismusgesetz und der Krieg in der Ukraine.

Die Vorbereitungen in der deutschen Urlauberhochburg laufen derzeit auf Hochtouren. Selbst der Megapark, der seit Beginn der Pandemie geschlossen war, arbeitet an der Wiedereröffnung. Die Betreiber suchen schon fleißig Mitarbeiter für die Saison. Wie die «Mallorca Zeitung» berichtet, soll der riesige Tanztempel am 7. April seine Pforten öffnen - offiziell ist das allerdings noch nicht.

Auch die Politiker haben dafür schon Vorkehrungen getroffen und die an den Partykomplex angrenzende Straße in den Bereich zur Bekämpfung von Saufgelagen aufgenommen. Ab April bis Ende September ist dann Essen und der Konsum von Alkohol auf offener Straße verboten. Das soll die Ansammlung von Menschenmassen verhindern.

Wie die Regeln für die Partys im einzelnen aussehen werden, ist noch unklar. In der vergangenen Saison war das Tanzen verboten. Bewirtung gab es nur am Platz. Beim Gang aufs Klo herrschte Maskenpflicht. Dadurch entstand eine Biergartenatmosphäre am Ballermann. Die 3G-Regel zum Betreten der Bars wurde mittlerweile abgeschafft. Das Zappeln in den Diskotheken ist zwar wieder erlaubt, die Maske muss dabei aber getragen werden. Die Einhaltung und Kontrolle der Regel hat jedoch stark nachgelassen.

Auf der Straße gilt nur noch Maskenpflicht, wenn der Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann. Sprich, wer auf einer belebten Einkaufsstraße Mund und Nase nicht verdeckt, riskiert ein Knöllchen in Höhe von 100 Euro. Gleiches gilt für Innenräume. «In dem Fall wird die Pandemie uns wohl noch ein Stück begleiten», vermutet Büttner. Einen sogenannten Freedom Day, an dem die Pandemie für beendet erklärt wird, gibt es in Spanien noch nicht. Stück für Stück soll Corona aber als endemische Krankheit angesehen werden. Dafür spricht auch die hohe Impfquote. 85 Prozent der Bevölkerung auf Mallorca hat eine vollständige Grundimmunisierung, die Hälfte ist geboostert.

Die Touristin Jennifer Petsch ist das zweite Mal auf der Insel und genießt die Sonnenstrahlen in Palma. «Ich wollte endlich mal raus aus dem schlechten Wetter in Deutschland und einfach mal wieder draußen sitzen», sagt die Paderbornerin. Als typische Ballermann-Urlauberin sieht sie sich nicht. «Ich würde es mir gerne mal anschauen, dann aber im Sommer, wenn was los ist. Jetzt freue ich mich auf die Mandelblüte und gehe in Palma tanzen.» In der Heimat ist es schließlich noch schwierig mit Diskotheken.

In einigen Wochen soll es dann wieder richtig voll auf der Insel werden. Die Airlines haben beim spanischen Flugverband AECFA von April bis Oktober eine Kapazität von mehr als 31 Millionen Sitzplätzen angekündigt. Das entspricht einem Anstieg von etwa zwölf Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 - und ist ein Rekord. Der Hotelierverband FEHM, dem die meisten Hotels auf der Insel angehören, rechnet damit, dass 84 Prozent der Gasthäuser auf Mallorca im April geöffnet sein werden. Vor einem Jahr waren es gerade einmal 17 Prozent. «Wir sind sehr optimistisch», meint auch Ian Livesey, Bereichsleiter für die Balearen des Reisekonzerns Tui.

Die Balearen-Regierung will derweil dem Massentourismus einen Riegel vorschieben. Durch ein kürzlich veröffentlichtes Gesetz wurde die Anzahl an Gästebetten eingefroren. In den kommenden vier Jahren werden keine neuen Anträge angenommen. Anfangs begrüßten die Hoteliers das Gesetz, die Stimmung ändert sich aber schnell.

Eine Klausel sei bei den Verhandlungen mit den Politikern nicht abgesprochen gewesen, hieß es. So dürfen die Hotels bei einer Renovierung ihre Häuser zwar um 15 Prozent ausbauen, aber nur, wenn sie dafür fünf Prozent der Gästebetten opfern. Ein Dorn im Auge ist auch die neue Regel, dass künftig alle Betten höhenverstellbar sein müssen, um den Zimmermädchen die Arbeit zu erleichtern.

Die Lage im Osten Europas sorgte nun auch für einen Dämpfer. Noch ist allerdings schwer zu prognostizieren, ob der Krieg in der Ukraine und seine Folgen die Reiselust der Deutschen mindern werden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine Untersuchung belegt eine hohe Pünktlichkeits-Disziplin deutscher Reisender und zeigt deutliche Unterschiede beim Bedürfnis nach persönlichem Freiraum. Während Senioren die größte Gelassenheit an den Tag legen, fordert die jüngere Generation verstärkt Distanz.

Fit Reisen hat über 7,5 Millionen Google-Bewertungen analysiert, um die besten Stadtparks Europas zu ermitteln. Während Madrid den ersten Platz verteidigt, bleibt Hamburgs Planten un Blomen die bestbewertete Anlage in Deutschland.

In München entsteht mit der „Marina Monaco“ ein temporäres Freizeitareal auf einem ehemaligen Industriegelände. Die Eröffnung ist für Mai geplant, langfristig soll dort ein neues Stadtquartier entstehen.

Am Bodensee spitzt sich ein Streit zwischen deutschen und Schweizer Schifffahrtsunternehmen zu – mit spürbaren Folgen für Fahrgäste. Die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt (SBS) fährt in dieser Saison den Konstanzer Hafen nicht an. Hintergrund ist ein Streit über Ticketgelder.

Trotz wirtschaftlicher Schwäche stiegen die Geschäftsreisen in Deutschland deutlich an. Die VDR-Analyse zeigt mehr Reisen, sinkende Kosten und veränderte Strukturen im Markt.

Die Deutsche Zentrale für Tourismus analysiert fortlaufend die Folgen des Iran-Konflikts für den Tourismus nach Deutschland. Berichte zeigen Auswirkungen auf Flugverkehr, Preise und Nachfrage.

Nach Wochen im Persischen Golf haben die «Mein Schiff 4» und «Mein Schiff 5» die Region verlassen können - zwei geplatzte Reisen können nun stattfinden. Auch andere Schiffe passierten die Meerenge.

In Rottweil wird am kommenden Freitag die neue Fußgänger-Hängebrücke „Neckarline“ eröffnet. Die Brücke überspannt das Neckartal auf einer Länge von 606 Metern und gilt damit als längste Hängebrücke ihrer Art in Baden-Württemberg.

Sylt, Usedom, Norderney: Mobiles Arbeiten mit Meerblick ist auch in SH, MV und Niedersachsen möglich. Neben strandnahen Coworking-Plätzen gibt es dafür mancherorts auch spezielle Strandkörbe.

Leere Betten in Wien, Stornowellen in Zürich, wenig Auswirkungen in Spanien und Italien: Warum der Iran-Krieg Asien-Reisende fernhält und welche Folgen das für Hotels und Händler in Europa hat.