So verändert Corona das Reiseverhalten

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Ostsee statt Karibik, Camping statt Fernreise und Hausboot statt Kreuzfahrtschiff – aufgrund von Covid-19 fiel der Urlaub in diesem Jahr meist anders aus als ursprünglich geplant. Dennoch ging die Reiselust nicht verloren: Rund 65 Prozent der Deutschen verreisen trotz Corona, davon 36 Prozent innerhalb Deutschlands. Immerhin vier von zehn Urlaubern trauen sich sogar ins europäische Ausland. 

Doch welche Reiseziele sind 2020 besonders beliebt? Bevorzugen Urlauber dieses Jahr tatsächlich Ferienhäuser oder vertrauen sie nach wie vor auf die Qualitätsstandards der Hotels? Und kann der Campingplatz mit dem Wellnessurlaub mithalten? Travelcircus hat insgesamt 48.819 Reisedaten recherchiert, um die Reisetendenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu analysieren.

Ländervergleich: Urlaub in der Heimat oder doch lieber weiter weg? 

Mehr als jeder dritte Deutsche entschied sich dazu, aufgrund der Corona-Pandemie Urlaub im eigenen Land zu machen. 40 Prozent der Reisenden zog es trotz mehrfacher Reisewarnungen sogar ins europäische Ausland. Doch welche Länder können im Vergleich zum Vorjahr besonders begeistern und wo blieb der Touristenansturm 2020 aus? Travelcircus hat die Daten für Sie zusammengefasst: 

In diese Länder reisen Deutsche am liebsten 

In Kombination mit verschiedenen Unterkünften und Urlaubsarten können deutsche Urlaubsregionen bzw. das Keyword “Deutschland” in der Bundesrepublik tatsächlich am meisten punkten: Im Juni und Juli 2020 suchten durchschnittlich 1,835 Millionen Deutsche nach urlaubsrelevanten Suchbegriffen im eigenen Land, so beispielsweise “Deutschland Camping” oder “Deutschland Ferienhaus”. Im Sommer 2019 waren es nur 948.630. Das entspricht einem Wachstum von 93,53 Prozent – höher als bei jedem anderen europäischen Land.

Doch auch andere Länder können im Vergleich zu den letzten drei Jahren deutlich an interessierten Touristen hinzugewinnen: Suchten in den Sommermonaten 2017, 2018 und 2019 durchschnittlich 200.702 Deutsche nach einem urlaubsrelevanten Suchbegriff in Kombination mit “Kroatien” oder einer kroatischen Urlaubsregion, sind es dieses Jahr 368.535, was einem Wachstum von 87,21 Prozent entspricht. Damit ist Kroatien im Jahr 2020 das zweitbeliebteste Reiseziel der Deutschen.  

Harter Kampf ums Treppchen

Auf Platz 3 liegen in absoluten Wachstumszahlen die Niederlande. Im Juni und Juli 2020 suchten dort durchschnittlich 353.710 Deutsche nach Urlaubsmöglichkeiten. 2019 waren es nur 235.965 Personen, 2017 sogar nur 212.005. Prozentual gesehen, ergattert sich jedoch Dänemark mit einem Wachstum von 67,76 Prozent im Vergleich zu 2019 den dritten Platz. Wird das prozentuale Wachstum von 2017 auf 2020 betrachtet, so sind Dänemark, die Schweiz, Slowenien und Deutschland besonders beliebt. 
 

In diese Länder reisen Österreicher am liebsten 

Ebenso wie die Deutschen bevorzugen 2020 auch die Österreicher Urlaub im eigenen Land: Suchten im Juni und Juli des letzten Jahres noch 49.405 Personen nach reiserelevanten Suchbegriffen in Zusammenhang mit “Österreich” oder einer österreichischen Urlaubsregion, waren es 2020 bereits 99.150. Das entspricht einem Wachstum von 100,69 Prozent. 

Kroatien ergattert sich bei den Österreichern ebenfalls die Silbermedaille der beliebtesten Urlaubsländer: Mit durchschnittlich 53.715 Suchanfragen im Juni und Juli 2020 weist das Land an der Adria ein Plus von 18.025 Suchanfragen im Vergleich zum Vorjahr auf. 

Auf Platz 3 findet sich nach absoluten Wachstumszahlen Deutschland. Die Bundesrepublik zeigt bei 22.325 durchschnittlichen Suchanfragen im Juni/Juli 2020 ein Plus 3.690 im Vergleich zum Vorjahr auf. Prozentual gesehen verdrängt jedoch Ungarn Deutschland vom Treppchen: Im Vergleich zu 2019 weist das osteuropäische Land ein Wachstum von 41,2% auf – Deutschland zählt nur ein Plus von 19,8 Prozent. 

In diese Länder reisen Schweizer am liebsten 

Wie die Einwohner ihrer beiden Nachbarländer bevorzugen auch die Schweizer in diesem Jahr Urlaub in der Heimat. So bringt es das Land in den Sommermonaten 2020 durchschnittlich auf 52.360 urlaubsrelevante Suchanfragen, die das Wort “Schweiz” oder eine Schweizer Urlaubsregion enthalten. Das entspricht einem Wachstum von 121,07 Prozent im Vergleich zu 2017 und immer noch 110,41 Prozent im Vergleich zu 2019. 

Im Vergleich zum Vorjahr geht die Goldmedaille prozentual gesehen allerdings an Monaco. Urlaub im Stadtstaat interessiert die Schweizer durchschnittlich 117,09 Prozent mehr als noch 2019. 

Deutschland als zweitliebstes Urlaubsland der Schweizer 

Das zweitliebste Urlaubsland der Schweizer nach absolutem Wachstum ist Deutschland: Ganze 37.855 urlaubsrelevante Suchanfragen verbanden die Schweizer im Juni und Juli 2020 mit “Deutschland” oder einer deutschen Urlaubsregion – 10.235 mehr als noch 2019. Prozentual gesehen liegt die Schweiz mit einem Wachstum von 110,41 Prozent auf dem zweiten Platz. 
 
Der dritte Platz nach absolutem Wachstum führt die Schweizer nach Monaco. Der Stadtstaat hat seine Beliebtheit bereits nach prozentualem Wachstum bewiesen. Doch auch die absoluten Zahlen zeigen, dass Monaco 2020 voll im Trend liegt: Suchten im Sommer 2019 noch 2.750 Schweizer nach urlaubsrelevanten Suchbegriffen in Zusammenhang mit Monaco, sind es dieses Jahr 5.970 – 3.220 Suchanfragen mehr als noch 2020. 

Diese Länder verlieren viele Touristen

Aufgrund von Corona wurde für viele Länder zeitweise eine Reisewarnung verhängt, die sich im Urlaubsverhalten der Touristen widerspiegelt. So mieden die Deutschen in diesem Jahr hauptsächlich Italien und Frankreich, obwohl beide Destinationen sonst zu den liebsten Reisezielen der Bundesrepublik gehören. 

Während im Juni und Juli 2019 durchschnittlich 305.180 Deutsche nach urlaubsbezogenen Suchbegriffen in Kombination mit “Italien” suchten, waren es 2020 nur noch 259.085 Personen. Damit verzeichnet Italien -15,1 Prozent negatives Wachstum. Urlaubsrelevante Suchanfragen für “Frankreich” büßten 6,41 Prozent Suchvolumen ein. 

Österreich meidet Norden und Süden

Auch die Österreicher verzichteten 2020 eher auf Urlaub in Italien und Frankreich – bezogen auf die urlaubsrelevanten Suchanfragen sogar deutlich drastischer als die Deutschen. So suchten dieses Jahr 17.035 weniger Österreicher nach Urlaubsangeboten in Italien als noch im letzten Jahr. Das entspricht einem negativen Wachstum von -38,92 Prozent. Frankreich büßte 31,10 Prozent Suchvolumen ein. Doch auch die Niederlande (-45,01 Prozent), Schweden (-40,6 Prozent) und Norwegen (-33,51 Prozent) waren als Urlaubsländer dieses Jahr weitaus unbeliebter als noch 2019. 

Schweizer verzichten auf Urlaub in Dänemark, Niederlande und Norwegen

Ebenso wie in Deutschland und Österreich verloren Italien und Frankreich in der Schweiz in diesem Jahr an urlaubsrelevanten Suchanfragen. 2.315 weniger Schweizer suchten nach Urlaubsangeboten in Italien, Frankreich verzeichnete Einbußen von nur 220 weniger Suchanfragen. Deutlich drastischer verzichteten die Schweizer jedoch auf Urlaub in Norwegen, Tschechien, Schweden, Luxemburg und Dänemark: Diese fünf Länder verloren bis zu 1.530 Suchanfragen, was einem negativen Wachstum von bis zu -39,53 Prozent entspricht. 

Diese europäischen Urlaubsregionen sind bei Deutschen besonders beliebt

Die Deutschen zieht es im Sommer 2020 vor allem ans Wasser: Die Urlaubsregionen Bodensee, Ostsee und Nordsee ergattern sich die Plätze auf dem Treppchen, wenn es um den absoluten Zuwachs urlaubsrelevanter Suchanfragen seit Sommer 2019 geht. 

Suchten im Juni und Juli 2019 noch 108.085 Deutsche nach dem Suchbegriff “Bodensee” in Kombination mit verschiedenen Unterkünften und Urlaubsarten, sind es diesen Sommer 254.080. Das entspricht einem Wachstum von 135,07 Prozent. Die Ostsee verzeichnet eine Steigerung von 201.335 auf 337.275 Suchanfragen; die Nordsee verbessert sich von 87.245 auf 171.755 Suchanfragen. 

Das Wandern ist der Deutschen Lust 

Doch auch Wanderregionen wie die Mosel und der Schwarzwald sind ganz vorn dabei. So verdreifacht der Suchbegriff “Mosel” in Kombination mit urlaubsrelevanten Begriffen seine Anfragen von 23.095 auf 68.240. Der Schwarzwald bringt es im Juni und Juli 2020 durchschnittlich auf 75.780 Suchanfragen, wobei es 2019 noch 32.865 waren. 

Prozentual gesehen haben hingegen idyllische Destinationen die Nase vorn. So verbessert sich die Altmark von 2019 bis 2020 um sage und schreibe 600 Prozent von 170 auf 1.190 Suchanfragen. Die Sächsische Schweiz verzeichnet ein Wachstum von 295,48 Prozent. Suchten 2019 durchschnittlich noch 11.620 Deutsche nach der Region im Osten Sachsens, sind es 2020 bereits 45.955. Das niedersächsische Emsland wird immerhin 218,82 Prozent häufiger gesucht als noch im letzten Jahr. 

Damit bestätigt sich auch in Anbetracht der beliebtesten Urlaubsregionen 2020, dass die Deutschen in diesem Jahr am liebsten im eigenen Land verreisen. Entscheiden sich Bürger der Bundesrepublik doch für einen Urlaub im Ausland, gehören in Anbetracht des absoluten Wachstums Urlaubsregionen wie Halland (Schweden), Den Haag und Amsterdam (beides Niederlande) zu den Favoriten. Prozentual gesehen können der dänische Vejers Strand sowie die dänische Insel Fünen punkten. 


 

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