Sushi, Ninja, Roboter: Was Olympia-Reisende in Tokio erleben können

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Der erste Eindruck ist meist überwältigend. Mit seiner faszinierenden Koexistenz von Altem und Neuem bietet Japans Mega-Hauptstadt Tokio dem Besucher ein unvergleichliches Erlebnis - und vermeintliche Widersprüche aus traditioneller Kultur bei zugleich fast kindlicher Begeisterung für alles Moderne.

Die pulsierende Metropole aus «1000 Dörfern» mit ihren 38 Millionen Einwohnern bietet für jeden etwas. Liebhaber japanischer Kultur erfreuen sich an Schreinen, Tempeln und einer riesigen Vielfalt an kulinarischen Höhepunkten. Hipster spüren den Trends aus Japans Welt der Jugendmode, Mangas oder Computerspiele nach.

Zu den Olympischen Spielen, die am 24. Juli beginnen, ist die Welt zu Gast in Tokio. Mit elf Symphonieorchestern, unzähligen Theatern, Museen und Kunsthallen wie dem National Art Center im Stadtteil Roppongi sowie 200 000 Restaurants - darunter mehr als 220 Sterne-Restaurants - bietet Tokio alles, was eine große internationale Stadt ausmacht.

Zugleich aber kann man hier um die Ecke biegen und sich wie in Kagurazaka unweit des Kaiserpalastes in eine Stille und Beschaulichkeit fast wie auf dem Lande zurückziehen.

Ein Blick in die Zukunft in Shibuya

Ein Stadtteil Tokios, der wohl am ehesten dem Bild von Japan als moderner, pulsierender Hightech-Nation entspricht, ist Shibuya. Der neongrelle Szene-Stadtteil mit der geschäftigsten Fußgängerkreuzung der Welt und seinen riesigen Bildschirmen, wo Elektrosmog spürbar wird und sich der Besucher der Dauerbeschallung des technologischen Fortschritts aussetzt, erlebt derzeit eine Modernisierungsphase wie kaum ein anderer Stadtteil in Tokio.

Gewaltige hochmoderne Wolkenkratzer werden hier hochgezogen - eine Mischung aus Büroflächen, Konsumtempeln und Lifestyle-Hochburgen. Die Türme sollen alle miteinander verbunden werden.

«Wenn es in Zukunft einmal schwebende Taxis geben sollte, hier dürfte man sie als erstes erleben», sagt der seit langem in Tokio lebende deutsche Fotograf Günter Zorn. Shibuya fasziniert durch sein «kreatives Chaos». Da ist Harajuku, das knallbunte Mode-Mekka für junge Japaner, wo Scouts aus aller Welt Ausschau nach Trends halten. Und direkt gegenüber die Stille des 100 Jahre alten Meiji-Schreins.

Schreine als Zufluchtsorte

Das Heiligtum wurde zum Gedenken an Kaiser Meiji (1852-1912) und dessen Beitrag zur Modernisierung Japans im Yoyogi-Park inmitten der Hauptstadt errichtet. Es ist einer der beliebtesten Schreine des Landes und bietet eine willkommene Erholung vom Lärm und Gedränge der Millionenstadt. Mehr als 100 000 Bäume wurden hier während der Errichtung des Schreins gepflanzt. Sie waren aus Regionen von überall im Land gespendet worden. Der Wald des Meiji Jingu bietet Besuchern zur Zeit der Olympischen Spiele einen Zufluchtsort vor der zu erwartenden schwülen Sommerhitze.

Weniger bekannt als der Meiji-Schrein ist der Nezu-Schrein im Stadtbezirk Bunkyo nahe des Ueno-Parks, wo auch Tokios berühmter Zoo liegt. Besucher finden hier einen atemberaubend schönen Tunnel aus roten Torii-Schreintoren, ähnlich wie im Fushimi-Inari-Schrein in Kyoto. Wer Zeit hat, sollte die alte Kaiserstadt ohnehin besuchen.

Der ursprünglich 1705 gegründete Schrein ist einer der zu Unrecht weniger beachteten Juwele in Tokio. Damals hieß die Stadt noch Edo. Etwas versteckt zwischen hochmodernen Gebäuden liegt auch der Hie-Schrein unweit des nationalen Parlaments, wo der Besucher einen weiteren Tunnel aus roten Torii-Schreintoren bewundern kann.

Apropos Sommerhitze: Die kann in Tokio buchstäblich mörderisch sein und bereitet den Olympia-Organisatoren Kopfschmerzen. Um ihr zu entfliehen, bietet sich ein Ausflug ins Todoroki-Tal an, Tokios geheimes Refugium, 20 Minuten mit der Bahn vom Stadtzentrum entfernt. Es mutet im Vergleich zu all den penibel gepflegten Parks und Zen-Gärten vergleichsweise dschungelähnlich an. Vögel zwitschern zwischen Bambusbäumen, ein Fluss rauscht, Schreine verstecken sich vor den Blicken der Besucher. Ein idealer Zufluchtsort.

Urban Garden und Kanutouren

Eine kleine städtische Oase im Betondschungel Tokio erstreckt sich übrigens auch über einer der vielbefahrenen Straßen der Hauptstadt: Der Meguro Sky Garden nahe der Bahnstation Ikejiri Ohashi beherbergt einen Gemüsegarten und Blumenbeete. Und wer hätte schon gedacht, dass Tokio selbst für Outdoor-Fans einiges zu bieten hat?

Schon mal in einer Großstadt Kanu gefahren? In der bergigen Gegend von Tama im Westen Tokios mit seinen Felsen und Wasserfällen geht das wunderbar. Hierzu braucht man lediglich von Tokios Zentralbahnhof Shinjuku zur rund zwei Stunden entfernten Station Kori zu fahren. Dort werden Kanutouren angeboten. Ein idealer Tagesflug voller Abenteuer in einer natürlichen Umgebung.

Tokio vom Wasser aus erleben

Bootstouren ganz anderer Art warten auf den Touristen in der Bucht von Tokio. Von dort lassen sich die Sehenswürdigkeiten der Mega-City von einer mal ganz anderen Sicht entdecken. Dafür bietet sich eine romantische Dinner-Fahrt in einem der traditionellen Yakatabune-Boote an. Oder eine nächtliche Besichtigung japanischer Fabrikanlagen, auf die die drittgrößte Industrienation der Welt ebenso stolz ist wie auf seine uralten Kulturgüter.

«Yokohama Factory Night Cruise» in der angrenzenden Nachbarstadt Yokohama ist eines der ungewöhnlichsten Reiseerlebnisse, bei der der Tourist eine Sicht auf die Stadt bekommt, die den meisten Menschen sonst verwehrt ist - und zugleich Herausforderungen für Liebhaber der Großstadt-Fotografie bietet.

Die Welt der Manga und Elektronik

Eine andere Industrie, mit der Japan die Welt erobert hat, ist die Welt der Manga, Anime-Streifen, Cosplay und Computerspiele. Ein wahres Mekka für Fans dieser japanischen «Soft-Power» liegt in Akihabara, liebevoll Akiba genannt - ausländischen Touristen auch bekannt als Electric Town. Hier reihen sich ganze Kaufhäuser voll mit Elektronikprodukten aneinander: Das Angebot reicht von Computern über Handys bis zu Waschmaschinen, Klimaanlagen und modernsten Massage-Sesseln mit Vibratoren für fast alle Körperteile.

Daneben ist Akiba jedoch längst auch zu einem Paradies geworden für Otaku, fanatischer Fans japanischer Manga und Animationsstreifen. Hier findet der Fan sein wahres Eldorado in Animationsläden, die über mehrere Stockwerke hinweg vollgestopft sind mit einer schier unübersehbaren Zahl an Spielen für den Computer und die Konsolen aus den Häusern von Nintendo und Co.

Und wer ohnehin auf Roboter aller Art steht, der sollte sich einmal eine der kitschig-verrückten Neon- und Scifi-Dinnershows im berühmten Robot Restaurant im nächtlichen Amüsierviertel Kabukicho antun.

Suhsi und noch ganz viel mehr

Ein amüsantes Erlebnis ganz anderer Art bietet das Restaurant «Ninja Akasaka» im gleichnamigen Stadtteil nahe des Parlaments. Der Eingang zu diesem kuriosen wie kulinarisch geschätzten Etablissement ist nicht ganz einfach zu finden: Versteckt wie ein Ninja-Kämpfer in schwarzer Kluft liegt die kleine schwarze Eingangstür etwas verborgen und isoliert wenige Meter neben dem Tokyu Plaza, gleich gegenüber der Bahnstation Akasaka Mitsuke. Auch im Inneren, wo den Besucher ein als Ninja-Kämpfer verkleideter Kellner empfängt, geht es dunkel und geheimnisvoll zu - als mache man einen Abstecher in alte Zeiten.

Es ist ein etwas ungewöhnliches Restaurant inmitten einer schier überwältigenden Menge an Restaurants. Wer dabei sofort an Sushi denkt, kommt in Tokio selbstredend voll auf seine Kosten. Zwar ist der berühmte Fischmarkt Tsukiji mit seinen frühmorgendlichen Thunfisch-Auktionen inzwischen in hochmoderne Markthallen im nahegelegenen Toyosu auf dem Olympia-Standort Odaiba umgezogen. Dennoch bietet sich Tsukiji weiter als guter Ort für Sushi an.

Doch egal wo sich der Olympia-Besucher in Tokio bewegt, Restaurants mit traditioneller japanischer wie auch westlicher Küche gibt es überall. Und wer sich einmal selbst im Zubereiten japanischer Gerichte üben will, für den gibt es in der Hauptstadt Kochkurse in englischer Sprache - unterrichtet von echten japanischen Köchen.

(dpa)


 

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