Umfrage: Kaum Reisen an Ostern geplant - Exit-Debatte schwelt weiter

| Tourismus Tourismus

Bis auf wenige Ausnahmen wollen sich die Deutschen auch an Ostern an die Reisebeschränkungen wegen der Corona-Krise halten. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten nur 1,3 Prozent, dass sie eine mehrtägige Reise zu Verwandten, Freunden oder in ein Ferienhaus planten. Weitere 2,2 Prozent haben sich einen Tagesausflug zu einem Ziel außerhalb ihrer Heimatregion vorgenommen. 93 Prozent wollen dagegen nach eigenen Angaben an Ostern wie von der Bundesregierung empfohlen zu Hause bleiben und sich nur in der näheren Umgebung im Freien bewegen. 4 Prozent machten keine Angaben.

Die Bundesregierung hatte schon Mitte März vor touristischen Reisen ins Ausland, aber auch innerhalb Deutschlands gewarnt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Touristische Unterkünfte sind seitdem geschlossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, an Ostern auch auf Reisen zu Verwandten oder Freunden zu verzichten. Außerdem riet sie von «überregionalen tagestouristischen Ausflügen» ab. Die einzelnen Bundesländer haben unterschiedliche Maßnahmen getroffen, um den Reiseverkehr an Ostern einzuschränken.

Unterdessen mehren sich weiter Rufe nach einer Strategie, wie und unter welchen Bedingungen in der Corona-Krise verhängte Einschränkungen wieder gelockert werden können. «Es ist absolut an der Zeit, über Ausstiegsszenarien nachzudenken», sagte der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, der «Rhein-Neckar-Zeitung» (Donnerstag/Onlineausgabe). «Wir reden nicht über ein Kalenderdatum. Es geht um eine wissenschaftliche Kenngröße, wann man es sich erlauben kann, wieder mehr Kontakte zuzulassen.» Er warnte aber auch, es werde keine schnelle Rückkehr zur Normalität geben. «Wenn wir am Ende zu früh aufmachen, wäre es tragisch.»

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstag): «Wir können noch kein Datum nennen, aber wir müssen darüber diskutieren, was geht und was nicht geht, wenn das Land wieder hochgefahren wird.» Jedem müsse klar sein, «dass wir große Versammlungen lange Zeit nicht haben können». Man werde nicht «von jetzt auf nachher den Schalter wieder zurücklegen können». Das werde nur stufenweise gehen. «Und wir sollten uns schon jetzt an eine Alltagsmaske gewöhnen, also ein Tuch über Mund und Nase, wenn wir einkaufen oder in der Straßenbahn unterwegs sind.»

Bei Videokonferenzen von Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder soll am 15. und 19. April angesichts der medizinischen Lage darüber beraten werden, wie mit den seit März geltenden scharfen Beschränkungen für die Bürger weiter umgegangen werden soll. FDP-Chef Christian Lindner forderte im Interview des Nachrichtenportals «t-online.de»: «Wir müssen jetzt Wege suchen, wie schnellstmöglich wieder das öffentliche Leben in Deutschland stattfinden kann.»

Der Ökonom und frühere «Wirtschaftsweise» Peter Bofinger schlug eine regional differenzierte Aufhebung der Einschränkungen vor: Ein Ausstieg sollte in den Kommunen beginnen, die in einem Bundesland besonders niedrige Fallzahlen relativ zur Bevölkerung aufwiesen, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Donnerstag). «Wenn man den regionalen Ausstieg auf anfänglich zehn Prozent der gesamten Bevölkerung eines Bundeslandes festlegt, dürfte sich das Risiko einer Überlastung der medizinischen Kapazitäten begrenzen lassen.» In den ausgewählten Kommunen könnten nach Ansicht Bofingers Kindergärten und Schulen sowie Restaurants und Geschäfte wieder öffnen. Für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen solle eine freiwillige Quarantäne bestehen.

Das Corona-Krisenkabinett der Bundesregierung tritt an diesem Donnerstag zu einer weiteren Sitzung zusammen. Ein Thema könnte erneut die Beschaffung von Schutzmaterial sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am vergangenen Montag gesagt, man sei hier vorangekommen, «aber noch nicht so, wie wir es uns wünschen». Ärzte, Pflege- und Behinderteneinrichtungen müssten wirklich ausreichend ausgestattet sein und nicht nur von Tag zu Tag leben. Immerhin sollen in dieser Woche 40 Millionen Schutzmasken nach Deutschland kommen - so viel wie in den beiden vorangegangenen Wochen zusammen.

Die Unionsfraktion berät am frühen Nachmittag per Videokonferenz mit Kanzlerin Merkel und verschiedenen Ministern über die Lage im Kampf gegen die Corona-Krise. Auf der Tagesordnung der sogenannten fraktionsoffenen Sitzung stehen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vom Mittwoch mehrere Berichte unter anderem von Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) und diversen Ministern.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Lufthansa will Auflagen der EU-Kommission für Rettungspaket annehmen

Kurz vor Pfingsten ist bei der Rettung der Lufthansa der nächste Schritt gelungen: Berlin und Brüssel erzielen nach schwierigen Gesprächen einen Kompromiss über Auflagen beim Rettungspaket. Der Lufthansa-Vorstand stimmt zu. Der Schlusspunkt ist das noch nicht.

Niederländische Bürgermeister an deutsche Nachbarn: Kommen Sie nicht

Die Bürgermeister der niederländischen Grenzorte haben ihre Nachbarn in Nordrhein-Westfalen freundlich gebeten, an Pfingsten zu Hause zu bleiben. Die Sorge sei groß, dass sich das Corona-Virus durch große Menschenansammlungen schnell verbreiten werde.

Pfingsten ​​​​​​​dahoam: Gedränge auf Wanderwegen, Almen voll Picknickdecken

Volle Parkplätze, zugeparkte Rettungswege, Staus auf den Straßen und Menschenmengen auf engen Wanderwegen - Behörden, aber auch Einheimische und Bauern blicken mit Sorge auf die Pfingstferien in Bayern.

Kreuzfahrt-Mitarbeiter stecken noch fest

Die Passagiere durften längst nach Hause - doch tausende Mitglieder von Kreuzfahrtschiff-Besatzungen können seit zweieinhalb Monaten ihre Schiffe nicht verlassen. Einige müssen über Wochen in winzigen Kabinen ohne Fenster ausharren.

Urlaubsort mit Masken-Automat

Das Ostseeheilbad Zingst hat für die Urlauber einen Masken-Automaten installiert. Der Selbstbedienungs-Automat am Hauptrettungsturm ermöglicht die Ausgabe von einzelnen Einweg-Mund-Nasen-Masken. Gestiftet wurde der Flavura Maskomat vom Hotel Stone in Zingst.

Instagram-Ranking: Die beliebtesten Strecken in Deutschland für einen Roadtrip

Corona sorgt in vielen Fällen für einen Sommerurlaub unweit der eigenen Haustür. Welche Routen sich besonders für einen Roadtrip quer durchs Heimatland lohnen, hat kurz-mal-weg.de anhand eines Hashtag-Rankings auf Instagram analysiert.

Easyjet streicht jeden dritten Arbeitsplatz

Der britische Billigflieger Easyjet will wegen der Corona-Krise bis zu 30 Prozent seiner Arbeitsplätze streichen. Auch die Flugzeugflotte soll zunächst schrumpfen, statt zu wachsen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Inseln im Norden fast ausgebucht

Es könnte die Feuerprobe werden für den wiederangelaufenen Tourismus in Corona-Zeiten - zu Pfingsten werden zahlreiche Urlauber an Niedersachsens Küste, den Inseln und andernorts erwartet. Vor allem die Ostfriesische Inseln sind fast ausgebucht.

Reisebranche kritisiert «politisch unterlassene Hilfeleistung» und fordert 260 Millionen Euro pro Monat

Die deutsche Reisebranche fordert milliardenschwere Hilfe von der Bundesregierung. Die Branche fordert 260 Millionen Euro pro Monat. Ohne nicht rückzahlbare finanzielle Mittel drohten in der Tourismuswirtschaft noch in diesem Jahr bis zu 1,2 Millionen Arbeitslose.

Flixbus und Blablabus nehmen Betrieb wieder auf

Nach gut zwei Monaten Corona-Stillstand fahren von Donnerstag an auf innerdeutschen Verbindungen wieder die ersten Fernbusse des Anbieters Flixbus. Der Fernbus-Anbieter Blablabus will in vier Wochen den Betrieb wieder aufnehmen.