Umstrittene Corona-Lockerungen in Spanien

| Tourismus Tourismus

In halb Spanien werden am Montag die Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Pandemie gelockert. Die Entscheidung der linken Zentralregierung sorgt indes nicht nur in jenen Regionen für Unmut, die vorerst noch nicht in den Genuss der Lockerungen kommen. Auch auf Mallorca sind die Einwohner unzufrieden, obwohl dort Hotels erstmals seit zwei Monaten wieder öffnen und Restaurants und Bars im Außenbereich wieder Gäste bewirten dürfen. «Allein: Es fehlt die Kundschaft», schrieb die «Mallorca Zeitung». Das Wochenblatt prophezeite am Wochenende, deshalb würden «so gut wie alle Häuser» auch am Montag geschlossen bleiben.

Ähnlich äußerte sich die Chefin der mallorquinischen Hoteliersvereinigung FEHM, María Frontera, im Radiointerview. Der deutsche Hoteldirektor Christoph Gräwert gab zu bedenken: «Warum sollen wir denn öffnen, wenn es keine Flüge gibt, mit denen unsere Gäste anreisen können?» Zudem sei bisher «nicht ansatzweise klar, welche Sicherheitsvorschriften wir einhalten müssen», zitiert die «Mallorca Zeitung» den Chef des 900-Betten-Hauses «Samos» im Badeort Magaluf westlich der Hauptstadt Palma. «Diese Lockerung ist nichts Ganzes und nichts Halbes», schimpft auch der Spanier Joan, der am Ballermann, der von deutschen Besuchern beherrschten Partymeile an der Playa, einen Souvenirladen betreibt.

«Phase 1» des Deeskalationsplans

Die Zentralregierung hatte am Freitagabend mitgeteilt, dass am Montag neben Mallorca und den anderen Balearen-Inseln weitere zehn von insgesamt siebzehn «Autonomen Gemeinschaften» in die «Phase 1» des Deeskalationsplans eintreten dürfen, darunter das Baskenland und die Kanaren. Neben Gaststätten werden hier auch Kirchen und Museen ihre Pforten öffnen dürfen. Man darf wieder Freunde und Verwandte treffen. Bei Einhaltung der Sicherheitsregeln sind Zusammenkünfte von bis zu zehn Personen im Freien und auch zu Hause erlaubt.

Das gilt nicht für Madrid, das zunächst in «Phase 0» verbleibt. In anderen Regionen, etwa Katalonien oder Valencia, sind Lockerungen nur in wenigen Gebieten erlaubt. Wie Madrid muss unter anderem auch die katalanische Metropole Barcelona samt der gleichnamigen Provinz «nachsitzen». In Andalusien bleiben die wirtschaftlich immens wichtigen Urlaubsgebiete Málaga und Granada wider Willen außen vor.

Die Region Madrid, die mit knapp 65 000 Infektionsfällen und fast 8600 Toten so schwer von der Pandemie getroffen ist wie keine andere in Spanien, wollte - anders als etwa die Provinz Barcelona, die noch Defizite einräumte - schon am Montag unbedingt in «Phase 1» rücken. Als das «Nein» von Sánchez kam, warf Oppositionsführer Pablo Casado von der in der Region Madrid regierenden konservativen Volkspartei (PP) dem Sozialisten vor, er versuche sein «miserables Management» durch Kritik an der Region zu vertuschen. Andalusiens Regionalpräsident Juan Manuel Moreno, ebenfalls ein PP-Mann, sprach von einer «Beleidigung».

Bis Ende Juni zu einer «neuen Normalität»

In ganz Spanien gilt seit dem 15. März und noch mindestens bis zum 23. Mai der sogenannte Alarmzustand. Im Rahmen der dritthöchsten Notstandsstufe ist auch eine strikte Ausgehsperre in Kraft, die erst vor einer Woche etwas gelockert wurde. Im ganzen Land gab es bisher nach Behörden-Angaben mehr als 220.000 nachgewiesene Infektionen, über 26.000 Menschen mit Covid-19 starben. Mit einem Vier-Stufen-Plan will Sánchez' linke Regierung das Land bis Ende Juni zu einer «neuen Normalität» führen.

Frühestens dann werden die Spanier die heimische Provinz verlassen dürfen. Gäste vom Festland werden deshalb nach jetzigem Stand frühestens in sechs Wochen wieder am Flughafen von Son Sant Joan in Palma ankommen können. Wann man wieder Gäste aus dem Ausland empfangen können wird, wagt derzeit niemand vorherzusagen. «Nur mit den Urlaubern von der Insel bringen wir das Geschäft nicht zum Laufen», warnt der Vorsitzende des Hoteliersverbandes Palmanova-Magaluf, Mauricio Carballeda.

«Ein Panorama voller Fragezeichen», titelte die «MZ». Dass der Tourismusbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Thomas Bareiß, Sommerferien am Mittelmeer nicht mehr ausschließt, und dass Lufthansa ab dem 1. Juni wieder Flüge unter anderem nach Mallorca ankündigt, wird auf der Insel mit einem skeptischen Lächeln quittiert. Hoteliervertreterin Frontera hofft, dass dem Tourismus im Juli ein langsamer Neustart gelingt. «Aber das hängt von vielen Faktoren ab», über die auch in Brüssel entschieden werde, warnte sie.

Lange kann vor allem Mallorca nicht auf die Normalisierung warten. In einer Studie der Bank BBVA hieß es, die Wirtschaftsleistung der Balearen werden 2020 um 17 Prozent schrumpfen, fast doppelt so viel wie die spanische. Im April stieg die Arbeitslosenrate um 62,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das war spanienweit der höchste Anstieg. Regionalpräsidentin Francina Armengol forderte dieser Tage Hilfe von Madrid und Brüssel.

Die «Mallorca Zeitung» blickt in der «dramatischen Lage» in eine andere Richtung. Es sei «Zeit für deutsche Solidarität», so die Überschrift eines Leitartikels der Onlineausgabe. «Es gibt hier und heute Menschen auf der Insel, die nicht wissen, was sie morgen essen sollen. Und es wird noch schlimmer kommen», warnte das Blatt.

(dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ist das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern zu teuer geworden? Immer mehr Urlauber sind einer Umfrage zufolge unzufrieden mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Start ins Tourismusjahr 2026 ist trotzdem vielversprechend ausgefallen.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass sieben von zehn Österreichern trotz wirtschaftlicher Unsicherheit eine Sommerreise planen. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten führen jedoch zu reduzierten Budgets, vermehrten Urlauben im Inland und einer sensibleren Sicherheitsplanung.

Seit seiner Eröffnung 1992 fehlt dem Münchner Flughafen ein Fernbahnhof. Die Hoffnungen auf eine Behelfslösung haben sich zerschlagen. Eine Prüfung ergab, dass ICE-Züge nicht auf der bestehenden Trasse für S-Bahnen und Regionalzüge fahren können.

Der Reiseveranstalter Dertour verzeichnet für den Sommer 2026 eine starke Reiselust der Deutschen bei stabilen Preisen trotz gestiegener Kerosinkosten. Neben frühzeitigen Buchungen für klassische Sonnenziele und Fernreisen gewinnt das Last-Minute-Segment an Dynamik.

Eine Cover-Analyse zeigt die beliebtesten Urlaubsregionen deutscher Fachredaktionen über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass gedruckte Reisemagazine verstärkt auf naturnahe Rückzugsorte und Bergregionen abseits des Massentourismus setzen.

Das Städtische Klinikum Wolfenbüttel rät Allergikern mit Anaphylaxie-Risiko zur Mitnahme eines ärztlich verordneten Notfallsets im Reisegepäck. Für den Transport von Adrenalin im Flugzeughandgepäck ist eine mehrsprachige ärztliche Bescheinigung erforderlich.

Die DDR-Marineplattform Ostervilm vor Rügen wurde an ein österreichisches Fertighausunternehmen versteigert. Die neuen Eigentümer planen den Umbau der maroden Ostsee-Station zu einem exklusiven, ökologischen Hotel- und Veranstaltungsort.

Eine Untersuchung von Klarna belegt einen deutlichen Wandel im deutschen Urlaubsverhalten hin zu häufigeren und kürzeren Reisen im Jahr 2026. Dies bringt veränderte Anforderungen an die kontinuierliche Finanzplanung und das persönliche Reisebudget mit sich.

Millionen Fans werden zur Fußball-WM in Nordamerika erwartet. Die USA rechnen mit dem bestbesuchten Turnier der Geschichte. Für die Gastgeber geht es um weit mehr als Sport.

Fünf deutsche Gemeinden von den Alpen bis zur Ostsee bewerben sich bei der Welttourismusorganisation um die Auszeichnung als beste Tourismusdörfer der Welt. Die Orte folgen auf die Vorjahressieger Bad Hindelang und Schiltach.