Urlaub in Deutschland trotz Corona - Was spricht dafür, was dagegen?

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Der Sommer kommt, die Urlaubszeit rückt näher. Erholung im Ausland erscheint gerade unwahrscheinlich. Können wir trotz Corona zumindest an die Nordsee oder in die Alpen fahren? Einige Argumente aus der Wissenschaft.

CONTRA

Ansteckung: «Wenn man in den Urlaub fährt, erhöht man das Risiko, sich oder andere anzustecken», sagt der Arzt und Gesundheitsforscher Max Geraedts klipp und klar. Außerdem werde es schwieriger, die Infektionsketten nachzuvollziehen. Es besteht die Gefahr, dass sich jemand am Urlaubsort unbemerkt eine Infektion einfängt und in den Wohnort mitbringt. «Die Zufallskontakte sind auf einer Reise einfach größer», sagt Stefan Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.

Regeln einhalten: Auch die Einhaltung der Regeln wie Abstand halten, regelmäßiges Händewaschen und das Tragen einer Maske könnte Leuten im Urlaub schwerer fallen. «Sinn des Urlaubs ist ja auch, sich ein bisschen gehen zu lassen», sagt Kaufmann. Auch wenn sich am Strand oder auf einem einsamen Berg womöglich leichter Abstand halten ließe als im Stadtpark in einer Großstadt - in der Eisdiele an der Strandpromenade oder am Frühstücksbuffet im Hotel komme man zwangsläufig mit anderen Menschen in Kontakt. «Die Menschen machen das momentan alle so großartig und arbeiten gut zusammen. Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen», meint die Epidemiologin Eva Grill.

Überlastung am Urlaubsort: Zur Urlaubszeit strömen viele Menschen an eher dünn besiedelte Orte an der Küste und in den Bergen. Dort seien die Kliniken unter Umständen aber nicht auf so viele Menschen eingestellt und die Einwohner dort könnten einem höheren Risiko ausgesetzt sein, gibt Kaufmann zu bedenken.

Zeitpunkt: «Es wäre schön, wenn wir bis zum Sommer zu dieser Art von Normalität zurückkämen und in den Urlaub fahren können. Aber dafür müssen noch einige Aspekte geklärt werden», sagt Grill. Dazu zählt ihrer Meinung nach eine komplette Identifizierung potenzieller Kontaktpersonen, um die Zahl der unerkannten Fälle zu senken. Aus infektionsepidemiologischer Sicht wäre es außerdem sinnvoll, die Ferien in den Bundesländern weiter auseinander zu ziehen, meint der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

PRO

Neue Maßnahmen: «Es ist nicht sinnvoll, pauschal den Urlaub zu verbieten, sondern man muss schauen, wo Risiken entstehen könnten», meint Schmidt-Chanasit. Man könne zum Beispiel Züge oder Hotels nur zu einem Drittel belegen, Läden in touristisch stark frequentierten Gegenden abwechselnd öffnen und in Freizeitparks nur zehn Prozent der üblichen Besucher einlassen. «Das hängt auch von den regionalen Gegebenheiten und der Art des Urlaubs ab», findet auch Stefan Kaufmann. Selbstversorgerhütten könnten es demnach leichter haben als große Hotelkomplexe mit All-Inclusive-Service.

Soziale Gerechtigkeit: Wer sein eigenes Ferienhaus hat, ist nach derzeitigem Stand fein raus. Ein Verbot oder eine starke Einschränkung des Sommerurlaubs könnte vor allem weniger gut situierte Leute treffen, die keine solche Zweitwohnung besitzen und üblicherweise eher Pauschalangebote großer Ferienkomplexe nutzen. «Das muss man breit diskutieren und es muss Unterstützungsangebote geben, damit die Leute die Möglichkeit haben, aus ihren vier Wänden und dem Stress der vergangenen Wochen herauszukommen», meint Schmidt-Chanasit.

App: Die Entwicklung einer Corona-App läuft auf Hochtouren. Sie soll helfen, Ansteckungsketten nachzuverfolgen. Würde das bis zur Urlaubszeit funktionieren, könnte man eine potenzielle Infektionskette vom Urlaubsort bis zum Wohnort leichter nachvollziehen. «Ich bin sehr optimistisch, dass diese App ein gewisses Maß an Freiheit und Mobilität zurückgeben kann - vorausgesetzt, dass sie funktioniert und man ihre Hinweise akzeptiert», sagt Grill.

Psychische Effekte: Gerade jetzt, wo die Menschen lange zuhause saßen, ist ein Tapetenwechsel nach Ansicht vieler Experten umso wichtiger. «Ich bin absolut dafür, die Ferien zuzulassen», sagt Schmidt-Chanasit. Sonne, Bewegung, Entspannung, all das dient auch der psychischen Gesundheit. Etwas, das viele Menschen nach Wochen der Überforderung und Unsicherheit dringend nötig haben dürften.

(dpa)


 

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