Volle Hotels auf Mallorca - Deutsche zurück auf der Insel

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Zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie vor gut zwei Jahren sind die Hotels auf Mallorca wieder voll. Die Auslastung wird nach Schätzung des Hotelierverbandes der spanischen Urlaubsinsel (Fehm) in der Zeit zwischen dem 8. und 18. April bei über 85 Prozent liegen. Damit sei man trotz des Ukraine-Konflikts und der galoppierenden Inflation nur noch drei Prozentpunkte unter dem Niveau der letzten Osterwoche ohne Corona im Jahr 2019, jubelte dieser Tage die Fehm-Präsidentin María Frontera.

Bereits seit Freitag landet in Palma eine Maschine nach der anderen, der Airport Son Sant Joan war am Wochenende brechend voll - und fest in deutscher Hand. Von den 475 Fliegern, die etwa am Samstag aus dem In- und Ausland eintrafen, kamen nach dem Beginn der Osterferien in zahlreichen Bundesländern, darunter in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin oder Hessen die meisten mit großem Abstand aus Deutschland (115), gefolgt von Großbritannien (58).

Die Playa sei «wieder zum Leben erwacht», titelte die «Mallorca Zeitung». In der Tat: Am Ballermann war es schwer, in Lokalen wie «Oberbayern» oder «Deutsche Eck» einen freien Tisch zu ergattern. Sie sind alle wieder da: Die Männergruppen mit Fußballtrikots und Badelatschen, die Familien, die Sonnenanbeter und die Partygänger, die Radsportler und die Hütchenspieler. Am Donnerstag hatte auch noch der Kulttempel und Open-Air-Bierlokal Megapark mit Sänger Micky Krause als Star des Abends nach zwei Jahren Pause wieder eröffnet. Und sogar Altkönigin Sofía (83) - deren Ehemann Juan Carlos (84) wegen mehrerer Affären seit über eineinhalb Jahren in Abu Dhabi im Exil lebt - ließ es sich nicht nehmen, auf die Insel zu fliegen.

Bei den höherklassigen Unterkünften und den Luxus-Hotels wird die Auslastung nach Fehm-Angaben trotz gestiegener Zimmerpreise im Vergleich zu 2019 sogar über dem Niveau von vor drei Jahren liegen. «Man kann praktisch von einer totalen Reaktivierung sprechen», stellte Frontera fest. Diese Entwicklung sei in erster Linie der gestiegenen Nachfrage aus dem Ausland zu verdanken - allen voran der Besucher aus Deutschland, aber auch England und Skandinavien.

Das kann der Sprecher des deutschen Reiseveranstalters Tui, Aage Dünhaupt, bestätigen. «In der kommenden Osterwoche sind viele Hotels ausgebucht - dies gilt auch für den Robinson Club Cala Serena im Norden der Insel, der damit wieder an die Auslastung aus der Zeit vor Corona anknüpft», sagte Dünhaupt der Deutschen Presse-Agentur. Man rechne in den Osterferien «mit knapp 40 000 Tui-Gästen aus Deutschland». Wegen der guten Nachfrage habe Tui Fly zusätzliche Flüge ab Düsseldorf, Hannover, Frankfurt und Stuttgart aufgelegt.

Die hohe Auslastungsquote zu Ostern ist umso bemerkenswerter, als in April immerhin schon 85 Prozent aller Hotels auf Mallorca Gäste empfangen. Das seien fünfmal so viele wie zum gleichen Zeitpunkt des vorigen Jahres (17 Prozent), betonte Frontera. Auf Mallorca beginnt die Hochsaison am 2. Mai. Bis auf drei Hotels, die noch eine komplette Renovierung durchführen, werden im Mai nach Fehm-Angaben sogar alle Insel-Unterkünfte geöffnet sein. Die niedrigen Corona-Infektionszahlen, die auf den Balearen und ganz Spanien etwa bei einem Sechstel der Werte in Deutschland liegen, trägt zum Optimismus bei.

Die Erholung ist für die Wirtschaft der Balearen immens wichtig. «Die Lage war wegen der Pandemie zeitweilig katastrophal», sagte Joan, der an der Playa einen Souvenirladen betreibt, der dpa. «Wenn ich jetzt die vielen Touris sehe, muss ich fast vor Freude heulen.» Auch die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño freut sich: «Die Balearen werden einer der Motoren der wirtschaftlichen Erholung Spaniens sein», sagte sie am Freitag in Palma.

Vor der Pandemie hatte der Tourismus direkt und indirekt für gut 41 Prozent des Volkseinkommens der Mittelmeerinseln gesorgt. Dieser Anteil war 2020 auf 14,2 Prozent gefallen, 2021 gab es eine leichte Erholung auf 27,7. Die Armut wuchs rapide. Von Anfang 2020 bis 2021 verdoppelte sich die Zahl der auf den Balearen in extremer Armut lebenden Menschen nach einer Studie der UIB-Universität auf circa 34 000. Als arm galten im vorigen Jahr demnach bereits 320 000 Einwohner, das heißt mehr als jeder Vierte der 1,18 Millionen «Baleáricos».

Was die linke Regionalregierung aber trotz aller Ungewissheit wegen der Ukraine und der Inflation partout nicht will, sind die ganz wilden Partygänger. «Für die Sauftouristen ist auf unserer Insel kein Platz mehr», sagte erst jüngst wieder Regierungssprecher Iago Negueruela. Im Rahmen einer «Qualitätsoffensive» will man die Einnahmen des Sektors in den kommenden Jahren weiter steigern - dabei aber auch mehr die Umwelt schonen. Das sei unter Umständen auch mit weniger Touristen als in den Rekordjahren 2018 und 2019 möglich, als jeweils rund 16,5 Millionen Besucher gezählt wurden. (dpa)


 

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