Wie das Reisen immer schneller wurde

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1786 brach Johann Wolfgang Goethe nach Italien auf und verfasste Jahre später eine der berühmtesten Reisebeschreibungen der Literaturgeschichte. Was zu Goethes Zeiten nur wenigen vorbehalten war - eine Reise ins Ausland -, ist längst zum Massenphänomen geworden: «75 Prozent der Deutschen über 14 Jahre machen mindestens eine richtige Reise pro Jahr», sagt Hasso Spode, Leiter des Historischen Archivs zum Tourismus der Technischen Universität Berlin. Zudem hat der technische Fortschritt das Reisetempo dramatisch verändert. Wie reisen die Menschen heute - und wie schneiden verschiedene moderne Verkehrsmittel auf der Goethe-Strecke ab?

KUTSCHE: Goethe ließ es bei seiner Italien-Reise gemütlich angehen. Von Karlsbad bis nach Rom war der deutsche Dichter fast zwei Monate unterwegs. Selbst ohne Unterbrechung hätte er für die gut 1200 Kilometer lange Strecke immer noch rund zwei Wochen gebraucht. Denn laut Deutschem Museum brachten es Kutschen zur damaligen Zeit auf eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von gerade einmal 3,4 Kilometern pro Stunde. «Goethe war der erste große Italien-Reisende», sagt Jochen Golz, Vizepräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar.

ZU FUSS: Wer die Strecke von Karlsbad nach Rom per pedes zurücklegt, käme gar schneller ans Ziel als Goethe mit der Kutsche - zumindest theoretisch. Denn zwischen 3,6 und 4,3 Stundenkilometer beträgt die Schrittgeschwindigkeit eines Erwachsenen im Durchschnitt. Die Italienerin Vienna Cammarota nahm die Herausforderung im August 2017 tatsächlich an. Ziel der damals 68-Jährigen: Auf Goethes Spuren von Karlsbad bis nach Rom zu wandern, das der Dichter Ende Oktober 1786 erreicht hatte. Zu Fuß war Cammarota nur wenige Tage länger unterwegs.

FAHRRAD: Auch ambitionierte Radler sind solche Strecken gewöhnt - erst recht die Profis. Bei der Tour de France zum Beispiel hat das Gesamtfeld in diesem Jahr eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 40 km/h erreicht. Hobbyradler sind davon natürlich weit entfernt: Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club legt ein Durchschnittstempo von 15 bis 17 km/h zugrunde. Auch wenn die «Tour de Goethe» von Karlsbad in die Ewige Stadt kaum jemand am Stück zurücklegen dürfte: Bei einem Schnitt von 15 km/h wäre die Strecke selbst für Amateure in immerhin 80 Stunden zu schaffen.

AUTO: Geht es in den Auslandsurlaub, so ist das Auto hierzulande nach wie vor die Nummer eins. Schon 1988 nutzten es die Deutschen für zwei Drittel ihrer Urlaubsreisen, wie der Deutsche Reisemonitor verrät. Auch drei Jahrzehnte später lag das Auto laut Statistischem Bundesamt 2019 mit 42 Prozent Nutzung weiter vorn, Flugreisen mit 41 Prozent knapp dahinter. 1200 Kilometer mit dem Auto? Laut Routenplaner wäre das in gut 12 Stunden machbar. So manch einer würde da wohl glatt durchfahren.

BAHN: Viele halten sie für das umweltfreundlichste motorisierte Verkehrsmittel. Dennoch verreisten 2019 nur vier Prozent der Deutschen mit der Bahn, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Wer die Goethe-Strecke auf Schienen zurücklegen wollte, wäre nach Angaben der Deutschen Bahn gut 18 Stunden unterwegs - vier Mal Umsteigen inklusive. Dass es aber auch schneller gehen kann, beweist zum Beispiel die Verbindung München-Berlin. Die rund 600 Kilometer schafft der ICE Sprinter mittlerweile in knapp vier Stunden.

FLUGZEUG: Reisegeschwindigkeiten von 800 bis 900 Kilometern pro Stunde. Wer hätte das im 18. Jahrhundert für möglich gehalten? Weniger als zwei Stunden ist unterwegs, wer sich in Prag - knapp 130 Kilometer östlich von Karlsbad - per Düsenjet auf den Weg nach Rom macht. Sogar mit Überschallgeschwindigkeit raste 27 Jahre lang die Concorde um die Welt: Paris-New York in dreieinhalb Stunden. Und Karlsbad-Rom? Bei einem Reisetempo von rund 2180 km/h hätten die Concorde-Passagiere nur eine gute halbe Stunde benötigt. Auch das natürlich graue Theorie. Denn seit 2003 ist die Legende nur noch im Museum zu bewundern. (dpa)


 

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